Berlin

Gestern war hier in ganz Berlin Vorparty für unser mtc Sommerfest. Nennt sich Fete de la Musique und ist ein richtig toller Abend. Überall gibt es Musik in der Stadt. Alles klingt und schwingt und tanzt, vor allem natürlich in solch lauen Sommernächten. Also, raus aufs Moped mit der Kleenen und ab in die Stadt. Wir hatten natürlich Glück. Elisa, unsere Service Desk Zauberin spielt in einer Band und hatte uns ’nen Tip gegeben. Im Birgit&Bier garten hier gleich ums Eck, spielten schon gegen 17:30. Wie schön, zu sehen und zu spüren, alles mit zu erleben. Ein richtig tolle Lokation, die Gegend kannte ich noch von früher, war „damals“ schon gut. Heute erst! Das Konzert lief spitze, hab einen Livestream ins Facebook geschossen, ein paar Fotos gemacht und ansonsten ganz stolz auf Elisa und ihre Band mit geschaukelt und gezuckt… hat richtig Spass gemacht! Danke an Rosie and the Amateurs of Speed für dieses Erlebnis! Grossartig!

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Tolle Energie! Tolle Stimme, tolle Musik! Danke!

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Elisa, Aleyna und ich mit der Setlist von Rosie.

Kurz vorher und danach habe ich beschwingt meine Sommerfestrede geschrieben. Bin nun etwas müde und knapp in der Zeit, aber das wird schon alles. Einfach ruhig und im Moment bleiben und nicht an der Angst vor dem Auftritt oder der Aufregung vor dem Chaos kleben bleiben.

Nun sitze ich im neuen Balzac, das mal die Espressolounge war. Ich will seit Wochen ein Goodbye schreiben, mit meinen schönsten Erinnerungen, ein paar Bildern. Ja, das Blinis, das ich mit meiner Verwandlung im Jahr 2009 so sehr verbinde, das gibt es nicht mehr. Ende Februar 2017 war Schluss. Es hat nicht sollen sein. Der Ort, der mir und vielen anderen so viel bedeutet hat, musste verschwinden. Platz für etwas neues, etwas anderes machen. 

Jetzt werde ich traurig, nehme Abschied. 

So viele Erinnerungen. Fast den ganze Blog hab ich hier geschrieben. Jahrelang. Einen neuen besten Freund habe ich hier gefunden. Viele Freundschaften, noch mehr Bekanntschaften geschlossen. 

Die Organisation, der Organismus Espressolounge, das Blinis ist nicht mehr. Ja klar, es gibt um die Ecke in der Schenkendorfstrasse den kleinen Nachfolger, das Team, die Maschine, die Atmosphäre, die netten Menschen sind jetzt dort in einem geschrumpften, kleinen Überbleibsel. Das ist gut. Für den Kiez, noch mehr für die Stammgäste und die Beziehungen untereinander. Aber mein Blinis ist weg. Für immer weg!

Ich war so nah dran am Ende. Hab doch mit allen Beteiligten seit November mehr oder weniger intensiv gesprochen. Der Betreiberin, dem Eigentümer, dem Team, den Stammgästen. Verstehe den Kampf. Bedauere den Ausgang. Vermittlung gescheitert. Bis ganz zum Schluss, als klar wurde, dass es nicht um Geld, sondern ums Ego, ums eigene Selbst geht. Das Ende des Blinis ist das Ergebnis einer von Beginn an zum Scheitern verurteilten Beziehung zwischen Mieter und Vermieter, zwischen Betreiber und Besitzer, zwischen zwei Unternehmern, die unterschiedlicher nicht sein konnten.

Der neue Ort, das Balzac ist sehr schön geworden, ich finde es richtig schön hier. Der Kiez bestreikt den neuen Laden noch, zwischen sieben und acht eben waren nur drei Gäste da. Das wird sich vielleicht ändern. Das ändert sich. Das Team ist nett, das Angebot gut. Ja, es ist eine Kette, damit etwas anonymer, etwas beliebiger, etwas kommerzieller. Das passt vielleicht nicht in den alten Kiez hier. Aber den gibt es eh nur in unserer Erinnerung.

So, nun geb ich Euch noch eine kleine Tour durchs neue Balzac. 


Die besten Bilder von 8 Jahren Esspressolounge, die such ich noch raus und hebe mir den Post noch etwas auf. Einen Titel hab ich dafür schon: Evolution. 

Heute ist Sonntag. Da gibt ein Bild und ne Pause.

IMG_2134Dieser Tag diente der Erholung.

Wieder Berlin, 6:13, Tag 891

Ausgeschlafen. Kühler ist’s. Ganz angenehm eigentlich. Bin allein zurück hier. Es war viel Unruhe gestern am Reisetag, gleich eingetaucht in alten, fremden Frust. Und wieder raus. Die ganze Zeit schnell vibrierend, schwebend. Das Wiedersehen tat sehr, sehr gut!

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Gestern war ja ein abgebrochener Post. Zwei Gedanken kamen dazu noch hoch.

Erstens der von heute morgen. Erwartungen wecke ich oft sehr leichtfertig. Ich verspreche, male eine Zukunft, selektiere, verstärke das Positive, versuche zu motivieren, zu begeistern. Und ich mag die Energie des Machens, des Aufbruchs, der Veränderung, von Dynamik und Schwung. Das mach ich mit selbst zuerst, aber auch mit meine Freunden, Kollegen, Bekannten. Wenn ich hier vorsichtiger bin, freundlicher und offener mit den konkreten Erwartungen, diese klarer und deutlicher mache, mehr Aufmerksamkeit darauf lege, dann kann ich mir und anderen manche Enttäuschung ersparen. Eine unrealistische Erwartung kann nur enttäuscht werden. Anderen etwas versprechen und dann nicht liefern, kann Enttäuschung erzeugen. Hier spüre ich jetzt Reue, Trauer, Schuld. Möchte ungeschehen machen, trösten, mich entschuldigen, ent schuldigen.

Was mich zum zweiten Gedanken bringt. Enttäuschung, habe ich gestern zum ersten mal als etwas Positives gesehen, als eine Lernerfahrung.

Ich bin ent täuscht.

Eine Täuschung ist zu Ende. Nun bin ich klar, nicht mehr getäuscht, ich bin enttäuscht. Da könnte ich mich grade rein knien, beäumeln und freue mich riesig über diesen wunderbaren, positiven Touch. Etwas, was mich sehr oft scheinbar negativ beeinflusst hat, was mich unter Druck, teilweise ungeheuren Druck gesetzt hat: die Erwartungen von mir selbst und von anderen zu enttäuschen. Wenn ich mich aber in den Erwartungen getäuscht habe, und nun enttäuscht bin. Was dann?

Ja, dann gibt es dieses dumpfe Gefühl des Versagens, des Scheiterns, was wir alle einfach ungern fühlen, dem wir gerne ausweichen würden, wenn wir könnten. Ich halte das oft nicht aus! Will das kontrollieren, schnell retten, wieder heile machen.

Aber!

Aber wenn ich mich in den Erwartungen getäuscht habe, dann bin ich jetzt eben auch nicht mehr getäuscht, habe jetzt ein wenig mehr Klarheit, etwas weniger Täuschung. Ich weiss nun besser, wie die Erwartungen wirklich waren, kann mich anpassen und nun aufgrund dieser neuen Erkenntnisse mein Handeln verändern. Dieser zweite Gedanke, dass ich mich an einer „Ent täuschung“ auch kurz erfreuen kann hilft mir grade sehr! Es fühlt sich sogar so, als ob ein Fluch augehoben wurde, als ob eine Entzauberung erfolgte.

Und das fehlte gestern hier noch, denn das gehört irgendwie dazu.

So, Euch erst mal einen klaren Dienstag gewünscht und auf in den Tag!

Nun ist schon eine Woche des Urlaubs, der Pause und der Freiheit vergangen. Sieben Morgen des aktiv etwas nicht Tun.  Sieben Tage, an denen ich den leichten Zwang, den die Zahlen in meinem Tagebuch hier ausübten, lachend vermisste. Ich fühle die verfügbare Kraft, ich spüre das Potential der frühen Stunde. Und ich atme das Gewicht der Freiheit, ich sitze auf der Qual der Entscheidung, Ich strecke mich in Unruhe und Ungewissheit. Im fehlenden Rahmen dehne ich mich aus.

Zee spricht hier zu seinen Freunden über seine Tricks im Umgang mit seinen Monstern. Sein erstes Monster ist das flaue Gefühl im Magen, die schleichende Unruhe, die die Kehle hoch kriecht. Wenn er sich unruhig fühlt, stellt er sich das Monster vor und sein Trick ist dann, ihm den Rücken zu streicheln, dann streckt es sich aus und rutscht aus der Kehle wieder dorthin zurück, wo es herkam.

Sein zweites Monster – Crazy Q – ist die Illusion, dass es eine (unerreichbare) Lösung aller Probleme gibt, die verlockende Abkürzung zum Glück, wenn man nur jetzt etwas komplett anders machen würde. Das süsseste aller kleinen Monster, mit der niedlichsten, säuselnden Stimme überhaupt. Es sitzt auf der Schulter und flüstert einem ständig zu und richtet so grossen Schaden an. Sein Trick ist hier, sich das süsse Ding vorzustellen und dann eine Glasglocke drüber zu stülpen, nur so zeigt sich die Wahrheit.

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Für sein drittes Monster hat er keinen Trick und fragt uns, seine Freunde, was wir gegen die Schlange tun, die sich manchmal um seinen Kopf windet und ihm einreden, einflössen möchte, dass alles was er ist und getan hat, einfach Shit und Verschwendung sei. Für dieses grundsätzliche Infrage Stellen von allem, fällt ihm kein Trick ein.

Ich hab hier lange gegen meine Monster angeschrieben, wollte sie so ans Licht zerren, ausser Gefecht setzen. Ich habe sie  zugedeckt mit Geschichten, Fundstücken und Projekten. Habe sie analysiert und auseinander genommen, sie seziert im Lichte auch Eurer Aufmerksamkeit und der Öffentlichkeit im Netz. Fast alle meine Tricks habt ihr gesehen in den 777 Tagen.

Und doch habe auch ich immer versucht, die Schlange vor mir und Euch zu verstecken. Dabei geht um den unfassbaren Grund meines Seins, den tieferen Sinn meines Lebens. Die Schlange ist für mich das Symbol der Suche nach der Antwort auf das Warum.

Ich werde jetzt noch eine Woche Urlaub machen. Mich wieder zwingen, nicht hier zu schreiben, auf das Abflauen des Dranges warten. Dabei werde ich die Leere geniessen. Die Unruhe in meiner Kehle spüren und ihr den Rücken streicheln. Den Einflüsterungen von Crazy Q zuhören und die Illusion unter Glas erkennen. Vielleicht wird so die Schlange um meinen Kopf zum Schal um meinen Hals…

Berlin, 6:13, Tag 777

So, ihr lieben Leser! Nun kommt’s: dieser 777. Post hier wird der letzte in dieser Serie an öffentlichen Schreibmeditationen sein. Das habe ich gestern Abend im Bett nach dem Einschlafen und wieder Aufwachen beschlossen. Es fühlt sich nicht mehr richtig an. Ich muss meine eigenen Regeln brechen, will meine Routinen weiter entwickeln, mich weiter entwickeln.

Zwei Jahre, ein Monat und sieben Tage meines Lebens lange habe ich es geschafft, jeden Tag hier etwas zu schreiben und bin nicht wenig stolz darauf. Ihr könnt die Entwicklung, meine Entwicklung, zumindest die, an der ich Euch teilhaben lassen wollte, hier nachlesen. Wie ich vom Aussen, immer weiter und weiter nach innen schrieb. So viele Gespräche, so viele Rückmeldungen, ja sogar neue Freundschaften habe ich nur dadurch gewinnen können, für alles bin ich dankbar, unglaublich dankbar! Ich hätte nie gedacht, dass ich das alles überhaupt schaffe, als es los ging.

Ich werde weiter schreiben, ich kann nicht anders. Nur nicht mehr in diesem Format, nur nicht mehr durchnummeriert, nur nicht mehr mit meinen (oft echt verrückten) Träumen einleitend.

Von einigen persönlichen Rückmeldungen und den Stats weiss ich, dass hier viele immer nur still und heimlich mit lesen, ohne jemals zu kommentieren. Falls also nun jemand von Euch traurig ist, kann sich und mir einen grossen Gefallen tun:

Tragt Euch bitte hier auf meiner neuen Mailingliste ein. An diese werde ich neue Beiträge schicken, die ich hier oder woanders veröffentlichen werde.

Ohmann, ich hab keine Ahnung, ob das jetzt richtig ist, was ich hier mache und Euch hier schreibe. Es fühlt sich gut an und gleichzeitig habe ich Angst vor der Veränderung. Ich hab Angst davor, etwas zu verlieren, etwas grosses und wichtiges kaputt zu machen, wenn ich die Reihe hier unterbreche. Ich spüre diese Angst in meinem Bauch und in meinen Augen.

Aber ich möchte einfach nur frei sein, mich entwickeln, innerlich frei und mich von innen heraus entwickeln. Auf diesem Weg muss ich Neues probieren und mich meinen Ängsten und meiner Trauer stellen.

Weil ich fühle, dass hinter der Trauer das Neue wartet, sage ich nun Ciao und noch mal ganz herzlich Danke für all Eure bisherige Aufmerksamkeit!

Wir sehen uns!

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PS: wer nicht will, dass ich hier aufhöre? Schreibt mir ne Mail oder drückt hier unten Like… 😉

Berlin, 7:17, Tag 776

Heute Nacht habe ich ein zimmergrosses Dampfbügeleisen zusammen gebaut. Ich stand im Tank und sollte diverse Röhren miteinander verbinden. Es klappt nicht, alles war total wackelig. Bald sollte der Dampf angestellt werden, ich geriet in Zeitnot. Und wachte mitten in der Nacht schwer atmend auf.

Im zweiten Traum erzählte mir  Collien Fernandez an einem Tiefgarageneingang etwas über Integration von Ausländern, meine Frau las den Bericht darüber hier und wurde eifersüchtig. Dann fuhr ich mit einem Bus, der Fahrer war mein Schulfreund aus der Oberschule, ganz langsam und vorsichtig die Rolltreppen der Tiefgarage hinunter. Wir sind nirgendwo angestossen, obwohl nur Zentimeter zwischen Wand und Bus verblieben. Auf dem zweiten Absatz stand ein Auto stand im Weg. Der Fahrer sprintete mit dem Schlüssel in der Hand die Treppe hoch, um uns Platz zu machen…. ich wachte ausgeschlafen und voller Tatendrang auf.

Gestern morgen hat mich ein Artikel sehr beeindruckt, in dem es um eine gefälschte Liebe geht. Seit dem denke ich darüber nach, wie das alles funktioniert. Also wie Betrug, vor allem Selbstbetrug, eigentlich wirklich funktioniert.

Warum sind wir manchmal empfänglich für so etwas? Ist es auf der einen Seite wirklich nur unsere Gier, unsere Suche nach Abkürzungen unsere Sehnsucht nach Glück. Was ist es auf der anderen Seite? Hoffnung, Optimismus, unrealistische Erwartungen, Überschätzung.

Alle paar Jahre begegnen mir solche Geschichten selbst oder in direktem Bekanntenkreis. Jedes mal entstand grosses Leid, zerbrachen Freundschaften, folgte eisiges Schweigen, Ignoranz, Kampf, Verlust, Trauer, Wut, Enttäuschung, Verzweiflung.

Was läuft schief, wenn die an solchen Geschichten beteiligten Menschen in solche Scheinwelten abdriften und auf die schiefe Behn geraten, aus der sie aus eigener Kraft oft nicht wieder raus kommen?

Wieder denke ich an die drei Hauptursachen von Leid: Ablehnung, Verlangen und Ignoranz.

Genau das sind doch die drei Spiegel im Aufzug auch meines Lebens. Der letzte, die Ignoranz, führt dazu, dass wir nur an uns denken, dass wir denken, wir entkommen den Auswirkungen unseres Handelns. Wir kommen davon. Wir brauchen vielleicht doch nicht zu bezahlen, wenn wir nur clever genug sind, wenn wir nur hart genug arbeiten, wenn wir uns noch mehr anstrengen.

Eine Kombination aus allen drei Ursachen sehe ich auch bei Louisa aus Maltes Geschichte, aber genauso auch bei Jakob.

Ablehnen was ist! Wollen was nicht ist! Ignorieren der Konsequenzen des eigenen Tuns!

Nächster Stop, Tiefgarage. Mitten im Unglück, Drama, Gewalt. Und das alles für kurze Momente des Glücks, der Hoffnung, des schönen Scheins, nur zu geniessen mit fest geschlossenen Augen, stark hoffend, dass schon alles gut werden wird, dass uns jemand retten wird.

Ach, ich weiss doch auch nicht!

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Wünsche Euch sehr nachdenklich, einen erholsamen Sonntag!