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Gedanken über Sucht und Computerspiele, damals und heute…

Istanbul, 7:54, Tag 340

Heute Nacht wieder mal wilde Träume von einer Verlobung oder Hochzeit in einem Theatersaal. In einem engen, hellen Raum findet eine Party statt, mir werden Alkohol und Drogen angeboten. Ganz selbstverständlich irgendwie, alle sind high, ich sehe die Details, entscheide mich dafür und dann, als ich das Glas in der Hand halte, wieder dagegen. Das ist es nicht wert. Genau in dem Moment sehe ich die nicht vorhandenen Seelen, die leeren, hektisch blickenden Augen, die um mich herum sind und bin froh.

Später laufen wir gemeinsam zu einer anderen Feier, es ist dunkel. Wir kommen in eine Art Theatersaal, suchen uns Sitzplätze, die Verlobung eines Freundes. Die üblichen: wer sitzt neben wem und wer kann wen leiden Gefühle. Neben mir setzt sich eine Freundin von früher. Sie lässt sich nicht beirren, wirkt starr und entschlossen. Sie ist Aussenseiter. Sie kennt nur mich, schaut ganz angestrengt nach vorne, macht sich ganz schmal. Sie ist hier wegen mir. Ich habe keine Zeit, keine Aufmerksamkeit und schon lange ein völlig anderes Leben… ich wache auf.

Ich bin wirklich ein zur Sucht neigender Mensch. Ein Artikel aus dem Tagespiegel vor 8 Jahren, an dem Tag an dem ich 33 geworden bin fällt mir bei diesem Gedanken immer sofort ein. Damals habe ich den Artikel ausgerissen und zu meiner Artikelsammlung gelegt. Wenig später habe ich den Artikel in meinen ersten Blog übernommen, der nur aus meinen gesammelten Artikeln bestand. Aber ich schweife ab, will mich wohl drücken um das Thema, von dem ich auch heute Nacht wieder geträumt habe.

Also zurück! Gestern lief mir beim Aufräumen meiner Dropbox ein Bild über den Weg, welches mich an den Zusammenhang zwischen Computerspielen und Sucht erinnerte.

Als ich es im Frühjahr 2008 geschafft habe, mit dem Rauchen von Zigaretten aufzuhören und, um das zu schaffen, auch gleichzeitig auf Alkohol verzichtete, ersetzte ich meine bisherige Neigung eine Zeit lang auch durch Computerspiele.

Need for Speed auf der Playstation, Farmville bei Facebook und später das passive Mousehunt, das waren meine Spiele in 2008 und 2009. Aus MouseHunt stammt auch das obige Bild der Pie Thief Mouse, die es dort mittels Spezialkäse zu fangen galt.

Na, vielleicht gibt es da auch keinen Zusammenhang, denn ich habe eigentlich immer schon gerne am Computer gespielt, aber vielleicht auch doch. Ich sehe zumindest heute, dass bei mir ähnliche Mechanismen greifen. Und ich auch in Situationen von Stress oder auch Langeweile, gerne wieder Spielen verfalle, statt zu Lesen oder einen Spaziergang zu machen.

Bei mir ging es Ende der 80iger am Schneider PC1640 der LPG meines Vaters los. AlleyCat war mein allererstes Computerspiel, an das ich mich erinnern kann.

Dabei haben mich immer schon lieber Spiele, wie AlleyCat und auch Blockout viel mehr interessiert, als Adventures wie Leisure Suit Larry in the Land of the Lounge Lizards. Aber alle drei habe ich viel und gerne gespielt.

Der Trick bei Blockout war übrigens, dass man gleich in einem höheren Level einstieg, so bei 5 oder auch gerne 7 und dann ganz lange, extrem viel mehr Punkte sammeln konnte, wenn man sich von -dem doch sehr langsamen- Level 0 an hochgearbeitet hat.

Kennt die Spiele noch jemand?

Später Anfang der 90iger haben mich übrigens Zigaretten überhaupt nicht interessiert und Alkohol war ein reines Gesellschaftsgetränk. Ich erinnere mich an meinen damaligen Mitbewohner, der alleine an seiner Sega Console sitzend, Zigaretten rauchte und Bier trinkend, während ich ohne das in meinem Zimmer am PC sass und ich Nächte auf meinem 386sx mit Civ I verspielte.

Zurück zum Jetzt!

In den letzten Tagen haben mich drei iPhone/iPad Spiele beschäftigt: CSR Racing, Pitfall und Puzzle Craft. Alle drei Spiele einer neuen Generation, die erst mal nichts kosten, aber in deren Spielverlauf man mehr oder minder geschickt dazu gebracht werden soll, nervige Klickorgien, langsamen Fortschritt, oder die fehlende Möglichkeit den Spielstand zu speichern, durch den Kauf von Upgrades oder Hilfen mittels echtem Geld. Das fing für mich mit Farmville an und aktuell ist nahezu jedes Comupterspiel so angelegt.

Am dreistesten trifft das auf CSR Racing zu, die unter Einsatz aller Mittel versuchen, einen dazu zu bewegen, echtes Geld im Spielverlauf auszugeben. Dabei wird sogar die Spielbarkeit des Spieles komplett eingeschränkt: der Tank des Wagens im Spiel ist nach ca. 10 Rennen leer und man kann entweder bis zum nächsten Tag warten oder ihn mit ein paar echten Cent wieder auffüllen, um überhaupt weiter spielen zu können.

Dazu kommt, dass CRS Racing eine sehr enge Facebook Integration besitzt, man Punkte/Spielgeld bekommt, wenn man seine Freunde einlädt. Das Spiel blendet immer wieder, an allen möglichen Stellen, nervige Hinweise dazu ein. Abschalten kann man das nicht.

Pitfall, eine Art Jump&Run Spiel, bei dem man den Spieler nicht anhalten kann ist die Neuauflage eines Atari Klassikers, den ich damals mangels Atari nicht gespielt habe.

Hier kann man keinen Spielstand speichern, ohne relativ viel Spielgeld einzusetzen zu müssen. Das Verhältnis von Kosten und Speichermöglichkeit ist so eingestellt, dass man sehr schnell ein paar Cent ausgeben möchte, um im Spiel überhaupt weiter zu kommen. Tut man das nicht, fängt man wirklich jedes Mal wieder ganz von vorne an, wenn Held Harry irgendwo gegen gerannt ist.

Auch Puzzle Craft, ein wirklich ganz nett gemachtes Mischung aus Puzzle, Farmville und Strategie, ist so eingestellt, dass man wirklich überall animiert wird, sogenannte In App Kauf zu tätigen und sich das Spieleleben zu erleichtern oder zu beschleunigen.

Die Faszination solcher Spiele liegt einmal im Unterhaltungswert für mich. Die Nebenwirkungen sind eine gewisse Dumpfheit im Kopf, ein schnelles Ermüden durch die hohe Aufmerksamkeit, die die meisten dieser Spiele erfordern.

Soweit so gut, aber das psychologisch hochgeschickte Manipulieren hin zu In App Käufen nervt mich sehr schnell, vor allem CSR Racing geht mir dabei zu weit, überschreitet eine Grenze zur Unfairness.

In Beirut in diesem Sommer habe ich ein paar Tage lang Shisha, Wasserpfeife, geraucht, wie aufmerksame Leser dieses Blogs bereits wissen. Was mir seit dem auffällt, ist wohl die Aktivierung meines Suchtgedächtnisses. Immer wieder fällt mir ein, dass ich doch wieder mal eine „harmlose“ Wasserpfeife rauchen könne, sind ja keine Zigaretten, etc. blabla. Zeitgleich springe ich verstärkt auf solche Computerspiele an.

Na gut, das Wochenende geht langsam los, danke fürs Zuhören! Diese Gedanken, diese Zusammhänge gehen für mich viel tiefer, als ich es hier gerade ausdrücken und somit nur andeuten kann…

Wünsche Euch einen sonnigen Start in Euer Wochenende!

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Eure Kinder sind nicht Eure Kinder…

Noch Berlin, 7:36, Tag 337

Heute hab ich meinen Traum vergessen. Beim Aufwachen war alles verschwunden und ich schon mitten in der Vorbereitung für Abreise nach Istanbul und All Hands und die anderen beiden Meetings. Jetzt habe ich schon halb die Tasche gepackt, eben schon den Reminder an die Mannschaft geschrieben, schräg hinten scheinen die Slides durch, die ich nachher zeigen werde… also gerade heute ist schon sehr viel Action.

Dazu bin ich heute auch in Gedanken bei Aleyna in Istanbul, die gerade eben zu Ihrem ersten Orientierungstag vor dem Start ihres 1. Schuljahres aufgebrochen ist. Morgen kann ich dann auch dabei sein, wenn für sie dieser neue Lebensabschnitt beginnt. OK, durch die Vorschule im letzten Jahr ist die Umgewöhnung nicht so gross, aber sie freut sich sehr darüber, jetzt ein richtiges Schulkind zu sein. Und ich bin grad sehr bewegt von Vaterstolz und -freuden!

Und immer wenn ich solche Momente im Leben meiner Tochter erlebe, erinnere ich mich gerne an die mahnenden Worte des libanesischen Dichters Khalil Gibran aus seinem Buch „Der Prophet“.

Eure Kinder sind nicht eure Kinder. Sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selber.

Sie kommen durch Euch aber nicht von euch, und obwohl sie mit euch sind, gehören sie euch doch nicht. Ihr dürft ihnen eure Liebe geben, aber nicht eure Gedanken, denn sie haben ihre eigenen Gedanken.

Ihr dürft ihren Körpern ein Haus geben, aber nicht ihren Seelen.
Denn ihre Seelen wohnen im Haus von morgen, das ihr nicht besuchen könnt, nicht einmal in euren Träumen.

Ihr dürft euch bemühen,wie sie zu sein, aber versucht nicht, sie euch ähnlich zu machen. Denn das Leben läuft nicht rückwärts, noch verweilt es im Gestern.

Ihr seid die Bogen, von denen Eure Kinder als lebende Pfeile abgeschickt werden. Der Schütze sieht das Ziel auf dem Pfad der Unendlichkeit, und Er spannt euch mit Seiner Macht, damit seine Pfeile schnell und weit fliegen. Lasst Euren Bogen von der Hand des Schützen auf Freude gerichtet sein; denn so wie er den Pfeil liebt, der fliegt, so liebt er auch den Bogen, der fest ist.

Aber nun schnell zurück zum hier und jetzt und dem, was vor meinem Flug heute Abend noch vor mir liegt. Ich möchte die Energie, die Spannung, die Entschlusskraft nutzen, um mein Bestes zu geben!

Geniesst den Tag!

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Was erwartet das Leben von mir? (Teil 2)

Berlin, 7:14, Tag 333

Heute Nacht musste ich auf einem Heimweg auf Toilette und bin bei Quäkern gelandet. Ein Haus, ein Garten, eine riesige Familie, an einem Fjord, bestimmt zwölf oder mehr Kinder jeden Alters, drei fast erwachsene Söhne. Teile der Familie begleiten mich überall hin, auch zum Klo. Das Bad ist ein offener grosser Raum im Hof, Rasen unter meinen Füssen, abschüssig, weiter hinten ein niedriger Bretterverschlag, aber ordentlich, mit ein paar Stufen, eine wacklige, weiße Brettertür, natürlich kommt jemand rein, während ich sitze, weil ich den Haken nicht richtig eingehakt habe. Dabei fühlt es sich so an, als ob ich obwohl Gast, schon Teil der Familie sei. Sie machen sich lustig über mich, ich lache mit. Als ich wieder rauskomme, wollen die drei grossen Jungs noch ein wenig, ganz verhalten, posen und zeigen, was sie können, dafür steht ein Quad an der Seite. Ich würde gerne damit rumdüsen. Aber statt dessen gehe ich mit einem kleineren, alterslosen Mann durch einen Garten. Es ist der Vater der Familie, wir unterhalten uns andächtig. Er erzählt mir unglaublich offen, herzerwärmend von seinem einfachen, zauberhaften Leben mit seiner Familie hier am Fjord.

Mitten in diesem Spaziergang wache ich weit vor dem Wecker auf, bin noch beeindruckt… und muss ganz dringend! 😉

Dies jetzt soll also eine Fortsetzung werden. Hmhh, das fühlt sich neu an, vielleicht weil ich es angekündigt habe und als verantwortungsvoll handelnd wollender Mensch zumindest darauf eingehen sollte. Aber der kleine Revoluzzer in mir, würde am liebsten alle Regeln brechen, vor allem die selbst aufgestellten… also habe ich mal eben doch tatsächlich alles andere gemacht, ausser hier beim Text zu bleiben: ein Buch über The Upside of Fear gekauft, und noch eines On the Taboo Against Knowing Who Your Are und zur Abwechslung noch eine Einführung ins Zwitscheruniversum und noch ein paar Mails und andere Sachen…

Ich merke, wie ich meine Fortsetzung immer mehr verstecken möchte hinter den Dingen, die passiert sind und aufgeschrieben werden wollen oder jetzt passieren könnten.

Was erwartet also das Leben von mir? Ich habe keine Ahnung!

Es herrscht wieder Unordnung in mir, ich kann nicht strukturiert schreiben über das Thema, so sehr bewegt es mich wohl. Aber irgend etwas hält mich in dieser Qual des Schreibens, ich kann nicht loslassen und nicht nicht darüber schreiben. Ich versuche es den ganzen Morgen schon, es geht einfach nicht, aber ich versuche es weiter…

Denn ich hab doch Zusammenhänge entdeckt!

Vorgestern habe ich mich mit Christas Filmprojekt Mut zum Leben beschäftigt, hat das das jetzt wohl alles angestossen oder beschleunigt.

Dort auf der Seite habe ich auf der Seite der Unterstützer auch wieder Konstantin Wecker gefunden. Christa hatte im letzten Jahr das Buch: Es geht ums Tun und nicht um Siegen zusammen mit Bernhard Glassman herausgegeben und mir empfohlen. Ich war extrem beeindruckt davon, wie Konstantin dort über seine Transformation, seine Vergangenheit, berichtet und ich habe sofort Parallelen zu meinem Leben gezogen.

Eigentlich hatte ich Christa nur angesprochen, ob sie vielleicht bei einer Lesereise für Jons Bok helfen könne. Jon Schau hat in diesem Buch seine Erfahrungen mit seiner Transformation beschrieben, deren Ausgangspunkt bei ihm eine zweimalige Nahtoderfahrung während eines 5-wöchigen Komas in 2004 war.

Wie ich mich also mit diesen Büchern, Filmen und Themen: Nahtod-, Konzentrationslager-, Leid und Schmerz und auf der anderen Seite mit Ja und Mut zum Leben, mit Transformation und Wandel beschäftigt habe, ist mir aufgefallen, wie sehr das alles ganz direkt mit mir zu tun hat.

Dabei fing alles mit meinem späteren Lebensretter Anthony-James Owen an, den ich irgendwann 2005 kennen lernen durfte. Das war das Jahr der extremen äusseren Transformation für mich: erst eine Insolvenz mit meiner Kneipe, dann die Trennung von meinem langjährigen Geschäftpartner auf der einen Seite, dazu das Kennenlernen und Verlieben in die tollste Frau der Welt, die Heirat, unser Kind auf der anderen Seite. Das waren die Zeichen dieser für mich extremen äusseren Veränderung. Nur Innen drin kam ich wohl nicht mit.

Denn in den darauffolgenden drei Jahren bis 2008 war ich nur noch mit Überleben beschäftigt. Ich bin mehrfach fast gestorben, war ein Schatten meiner selbst, ein Karrierekrüppel und gleichzeitig ein verliebter Mann, ein junger Vater und offensichtlich ein erfolgreicher Unternehmer.

Schließlich, im Herbst 2008, war ich kaum mehr vorhanden und habe einer Leidfülle ins Auge geblickt, die mich zu überfordern schien…

Und – glaubt es, oder auch nicht – genau in diesem Moment ploppt rechts oben auf meinem Bildschirm hier diese Meldung auf.

Das knallt rein, wieder jucken die Augen stark und irgendwie wirkt es auf mich wie eine Bestätigung, eine Verstärkung des gerade Gesagten, Gedachten und Gefühlten!

Morgen vor vier Jahren war der letzte Tag in Martins Leben. Mein Meditationsfreund, den ich erst ein Jahr zuvor – da bereits erkrankt mit einem faustgrossen Tumor in der Brust – in Rømø kennenlernen durfte.

Martin hat mir in diesem paar Monaten mehr gezeigt, dass und wie man Leid und Schmerz annehmen kann, als alles andere jemals zuvor. Dass auch ein Tumor dazu gehört, dass es ein gleichwertiger Teil des Lebens ist.

Martin kämpfte nicht gegen seinen Krebs, er kämpfte um sein Leben. Er nahm die Herausforderung an, die das Leben an ihn stellte. Er wird mir darin immer Vorbild sein!

Nach seinem Tod schenkte mir wenig später Anthony, das Buch von Victor E. Frankl über den Umgang mit extremem Leid im Konzentrationslager. Genau das Buch, an das ich mich vorgestern wieder erinnerte, als mir Christa von ihrem Herzensprojekt dem Film der Ausschwitzüberlebenden erzählte.

So macht alles irgendwie grade Sinn! Und mit einem Sonnenstrahl von heute morgen…

Wünsche ich Euch einen mutigen Start in diesen neuen Tag Eures Lebens!

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Was erwartet das Leben von mir? (Teil 1)

Berlin, 7:20, Tag 332

Habe mich heute Nacht in eine Wüste geträumt, vielleicht zurück in den Libanon? Es ist nur noch eine Szene wirklich in meiner Erinnerung geblieben, wie plötzlich ein riesengrosser Mensch zwischen den Zelten auftaucht und vorsichtig herumgeführt wird. Für die Wüstenbewohner völlig normal, dass jemand über 3m gross werden kann, für mich völlig absurd und auch spannend.

Mein gestriger Post schwingt noch nach, wenn ich hier jetzt wieder sitze. Beim täglichen Schreiben gibt es intensive und weniger intensive Tage, gestern war ein sehr intensiver Tag, nach gefühlten Wochen der Unordnung und Unlust und Blockade und Pause.

Mein Blog hier, ist ein Experiment mit mir selbst, mit meinen Fähigkeiten und Unfähigkeiten, mit meinen Leidenschaften und Abneigungen, mit der aus teils sehr privaten Gedanken entstehenden Öffentlichkeit, mit den sich ständig verändernden Werkzeugen und Plattformen. Es geht für mich noch weit darüber hinaus.

Das hier ist ein Teil von mir! Ich bin das hier, ich möchte und muss hier schreiben, jeden Tag, ein ganzes Jahr lang. Etwas ganz tief in mir drin, möchte das, möchte raus und findet hier, in den ersten Stunde jedes Tages Anerkennung und einen Ausgang, einen Abfluss.

Machmal, wenn ich versuche, mich mit Abstand zu betrachten, bin froh und auch stolz darüber, diesen Weg für mich gefunden zu haben. Es gab andere Versuche davor. Es gibt auch noch andere Versuche neben diesem Blog hier. Und es wird auch in Zukunft wohl immer wieder neue Versuche geben.

Ich glaube, dass diese Versuche alle irgendwie dazu dienen, mir die Frage zu beantworten, die ich mir im Februar 2009 hier schon einmal gestellt habe: was erwartet das Leben von mir? Das Buch von Frankl ist irgendwie auch der Ausgangspunkt für dieses Experiment hier.

Dafür dass ich das Leid und die Angst vorm Leid, welche ich sehr stark fühle(n kann) und welche ich gelernt habe, perfekt zu verdrängen und zu unterdrücken, dass ich dieses Leid endlich annehmen kann, dazu dient auch dieser Versuch hier. Denn, dass in diesem Leid und eben in dieser Urangst die Chance zu einer einmaligen Leistung steckt, habe ich erst durch Frankl wirklich verstanden.

Dann ist mir doch letzte Woche Jons Bok begegnet, welcher seine Nahtod-Erfahrung in einem Buch verarbeitet hat. Und dann ist mir doch gestern das Filmprojekt: Mut zum Leben begegnet. Und wie das alles zusammen passt, dass erzähle ich Euch einfach morgen…

Aso, wenn ihr den zweiten Teil morgen und alles was danach noch kommt, nicht verpassen wollt, dann könnt ihr übrigens einfach rechts oben auf Follow drücken. Dann kriegt ihr jeden Morgen oder Mittag oder Abend, wann immer ihr wollt eine Nachricht mit dem neuesten Beitrag.

Wünsche Euch von einem verregneten Morgen einen wunderschönen Tag!

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Was kommt eigentlich nach Chaos… ?

Berlin, 7:38, Tag 330

Wieder Bewegung geträumt, mit leichtem Touch von Horror. Habe einen Verletzten zum Krankenhaus gebracht, dabei nicht genau gewusst, wo und wie weit es noch ist. Immer den Verletzten auf dem Arm. Der Unfall vorher ist nur noch dunkel in Erinnerung: ihm ist jemand über die Füsse gefahren. Erst schien einer ab. Während des Tragens sah er aber immer besser aus. Als die Ärztin sich den Fuss in der Notaufnahme endlich ansah, war er fast wieder komplett heile. Ich wachte müde auf… wurde aber sogleich von einem schönen Himmel begrüßt, dessen Anblick mich gleich beruhigte.

Gestern viele Begegnungen, lange und bis spät Abends. Es ist keine Arbeit, es fühlt sich immer weniger so an, ab 10 bis abends 10 war ich laufend im Kontakt mit anderen. Zwischendurch immer mal wieder ein paar Mails, etwas Essen, etwas alleine sein. Ich schaffe, was ich schaffe, ich mache, was ich kann. Ich bin da. Ich versuche, nah bei mir selbst zu sein, ich versuche, ich selbst zu sein. Je mehr ich das tue, um so besser geht es mir, aber um so öfter kommt auch das schlechte Gewissen oder ist es vielleicht die Scham?

Unser Open Paten Data Projekt nimmt weiter Fahrt auf, unser Status Meeting war ein Highlight gestern. Ich habe das Gefühlt, dass wir nun kurz davor sind, unsere Triebwerke zu zünden, die Startvorbereitungen werden in den nächsten beiden Wochen abgeschlossen, dann gibt’s  so was wie ’nen heissen Ritt bis Dezember. Mal schauen, wo wir landen werden, denn runter kommt man ja immer. 😉

Es ist noch so viel mehr passiert, mein Kopf ist voll, ich bin da oben wohl grad sehr unsortiert! Deshalb beende ich mein wirres Tagebuchgeschreibe hier mal schnell und werde heute versuchen, das Chaos in mir durch noch viel mehr Begegnungen noch viel mehr zu vergrößern.

Und ich bin schon richtig gespannt, was dann passieren wird. Gibt es eigentlich ein zuviel Chaos? Und was kommt eigentlich nach Chaos? Ist Chaos das Ende?

 

 

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Eine traumreiche Nacht…

Berlin, 7:40, Tag 329

Heute morgen bin ich aufgestanden und konnte nicht klar sehen. Vielleicht habe ich zu viel geträumt in meinem leichten Schlaf. Zuerst in einer Wohnung mit zwei Drillingen. Zwei Brüder, von denen der eine wieder zwei war. Ich sah Die Grenzen ihrer Körper von hinten verschwimmen, ineinander übergehend. Die Harmonie ihrer Bewegungen, die Schnelligkeit und ein absolutes gegenseitiges Wohlwollen bei den Entscheidungen zu einfachsten Dingen in ihrem Leben: hinsetzen, umdrehen, dann wieder aufstehen und umdrehen, Jacke anziehen. Das zu sehen, hat mich tief berührt.

Kurz danach tauchte ein cooler, schicker, scheuer Jemand auf und begann mir Ratschläge für meine kommenden Vorträge zu erteilen: wenn Du noch Folien brauchst, bist Du nicht vorbereitet. Das weckt mich halb 12 zum ersten mal auf.

Schlafe schnell wieder ein und flüchtete, denn jetzt muss ich einen Zug erwischen. Der Bahnhof hier ist geschlossen, weiss doch jeder, der einzige Bahnhof in Deutschland der einfach so geschlossen wurde, obwohl noch Züge auf den Strecken fahren, eine Sensation, ein Skandal! Zusammen mit vielen anderen Reisenden lachten und rannten wir zur S-Bahn, Rolltreppen hoch, durch Tunnel, enge Gänge entlang, auf der Baustelle und immer mit dem Blick auf die Uhr: noch 3 Minuten, das schaffen wir. Nein, zu spät, wir nehmen statt der S-Bahn einen andern Zug, der dort hinten abfährt. Auch den erreichen wir nicht, dann also mit einem Auto durch die Stadt, wenn ich den letzten Zug verpasse, nehme ich das Auto gleich für den ganzen Heimweg.

An einer Kreuzung biegt ein Tieflader vor mir ab. Der Fahrer sieht mich, ist gestresst vom Stau, der Flucht, die Massen. Er sieht den Bordstein, er sieht mich. In den Rückspiegel blickend, fährt er doch verzweifelt über den Bordstein, meine Motorhaube und auch fast über mich, tiefe Furchen hinterlassend. Ich springe zur Seite, und flüchte gleich weiter, ihn in seiner Schuld zurücklassend Und dann doch ein Zug, ja, der Richtige nach Aachen. Ich wache auf, es ist vier Uhr und ich freue mich erst, noch zwei Stunden weiter schlafen und träumen zu können.

Dann bin ich auch leicht erschrocken. Ich erfühlte sehr stark, den tiefen Zugang zu meinen Träumen. Über diesen See an Erinnerungen, Gedanken, Gefühlen in den ich jede Nacht eintauche, in dem ich unsteuerbar, nicht kontrollierbar , stark verwoben und verbunden mit dem Wasser und allem darin jede Nacht schwimme. Und der dabei immer noch so tief versteckt und verborgen in meinem Schlaf ist, dass ich meist nur wenige Momente beim Aufwachen habe, in denen mir das mir Unbewusste noch bewusst erscheint.

Wenn ich es dann später wieder erblicke, in der Meditation, beim Schreiben, beim Reden, beim Zuhören: die Wahrheit und Echtheit, das unbewusste Wissen darum erahnend… erinnere ich mich wieder an den Schreck, vielleicht habe ich nur Angst vor der Kraft die darin liegt?

Aufgeschreckt vom Wecker fotografiere ich überrascht einen friedlichen Sonnenaufgang. Dusche mich ganz heiss und setze mich ganz ruhig 40min zur Meditation hin, die wie im Fluge vergehen. Ich arbeitete viel an meinem Vortrag für Hamburg, immer wenn ich mich dabei ertappe, freute ich mich und kehrte zurück zu meinem Atem…

 

 

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Wie kann ich Dir vertrauen?

Silivri, 9:18pm, Tag 323

Wieder ein Tag ohne meine Morgenroutine. Fühle mich wie ein Revolutionär. Verstosse gegen meine eigenen Prinzipien. Bin einfach liegen geblieben und habe es sehr genossen. Aleyna schaut jeden Morgen zuerst, ob ich schon aufgestanden bin. Heute kam sie kuscheln, weil sie zwei Schultern im Bett gesehen hat.

Fühle mich immer noch schlecht, weil ich keine wirkliche Lust zum Bloggen habe. Ich warte darauf, dass es besser wird. Warte, dass ich früh aufstehe und mir einfällt, worüber ich heute schreiben muss. Passiert grad aber nicht. Statt dessen fühle ich mich revolutionär, weil ich mal nicht meditiere und meinen Blog mal nicht super ernst nehme. Ich denke, dass ich mir etwas gönne, wenn ich mal etwas nicht so wie sonst mache.

Ich denke ab und zu mal an die sehr lustigen FAQ’s von Volker Weber. Dort steht ein Satz, der mir ab und zu mal einfällt, wenn mit beim über die Welt nachdenken Volker Weber einfallen sollte…

„How can I trust you?“

Look at my track record. I have never revealed a source, never quoted anybody without asking first, and never broken a promise.

Wenn ich diesen Satz lese, dann erscheint er mir meist sehr provokativ und herausfordernd. Ich würde das manchmal auch gerne über mich auch behaupten: also, dass ich noch niemals ein Versprechen gebrochen habe. Also er meint bestimmt die richtigen Versprechen, die so mit „Ich schwöre…“ und drei Finger hoch halten, ohne irgendwelche Trickserein, unter Zeugen?

Aber hat Volker wirklich noch niemals jemanden zitiert, ohne ihn vorher gefragt zu haben? Das geht meines Erachtens nach doch gar nicht, also nur, wenn Volker gar nicht oder eher superselten zitiert… wenn ich ein Tweet, retweete, habe ich dann vorher gefragt? Oder stimmen alle Twitterer einfach mal pauschal meiner Frage mit dem Anlegen eines Twitterkontos zu?

Oder soll ich solche Sätze einfach nicht so ernst nehmen? Bestimmt bezieht sich das auf seine Tätigkeit als Journalist, dort darf er natürlich keine Quelle verwenden, ohne sie vorher zu fragen, das macht vielleicht Sinn. Also das was davor steht, niemals eine Quelle zu verraten, passt auch ja eher zu dem journalistischen Anspruch.

Also ich vertraue Volker durch solche Sätze nicht mehr, sondern eher weniger. Denn warum muss man so etwas über sich behaupten? Wenn es stimmt, ist es nicht notwendig? Und wenn es nicht stimmt, ist eh alles es sinnlos. Mich führt das schnell in das klassische „Alle Kreter sind Lügner“ Paradox.

Und wieder habe ich einen Grund mehr, mein About nicht zu überarbeiten. Da fällt mir wieder der Post von James ein, darüber was passiert, wenn man absolut ehrlich ist. In der Einleitung erzählt er etwas über Personal Branding und wie es Lügen verbreiten möchte, über uns, die wir super-erfolgreich, fehlerfrei erscheinen möchte und noch dazu genaue mathematische formeln für alles im Kopf, wie Geld zu verdienen sei. Was einfach nicht stimmt! Was nicht stimmen kann…