1. mtc Wasserfest

Das muss jetzt in den Titel. Es war unglaublich gestern Abend. Wir hatten einen halben Meter Wasser auf unserer Terrasse. Unter der liegt unser Dojo im Erdgeschoss. Über dem Erdgeschoss spannt sich eine 300qm Glasdecke, deren Abfluss voll war.

Das Team, die Kollegen waren unglaublich! Ein Dutzend blieb, um das Schlimmste zu verhindern. Es hat Spass gemacht! Richtig viel Spass gemacht. Wir konnten die Fortschritte sehen. Waren verzweifelt, chaotisch, kurz hoffnungslos, dann ging ein neuer Ruck durch einen von uns. Wir hatten eine Idee, ein Wort, eine Tat und die anderen zogen mit.

Die Hausverwaltung rettete uns mit einer Pumpe, nachdem wir schon etwa drei Stunden lang mit einer Eimerkette, vielleicht die Hälfte des Wassers von der Terrasse ins Klo getragen hatten. Im Hof ähnliches Chaos. Nachbarn versuchten die Tiefgarage zu retten, die drohte voll zu laufen.

Bei der Feuerwehr war kein Durchkommen. Wir mussten uns selber helfen! Gestern war der letzte Tag, an dem wir keine ordentliche Wasserpumpe im Lager stehen haben.

 

 

Bin noch immer ganz beseelt, ganz begeistert, ganz beeindruckt von meinen Kollegen und den gemeinsamen Stunden der Katastrophenhilfe. Ooahh! Wir haben wirklich tolle Kollegen! Diese Hilfsbereitschaft, dieser Einsatz! Kapiers nicht! Das war echt gross! Echt grosse Klasse! Ist ja nicht nur gestern Abend so, ist auch sonst so! Nicht immer, aber ich finde das immer wieder auch im Alltag! Bin stolz und froh, mit Euch zu arbeiten!

Tag 1003

Berlin, 8:30

Heute schon zeitig wach. Die zwanzig Minuten Meditation verlief wieder sehr schnell.

Habe vorher unter anderem einen Post von Tee Crane gelesen, der mich sehr berührt hat. Mein Vortrag nächsten Dienstag kommt näher, auch an ihn habe ich gedacht und vorgefühlt und beschlossen, auf zu machen, nicht zu: Ich zu sein, ist am immer schwersten. Meine gefühlte Realität abzustreifen und einfach zu sein, dass ist der täglich Kampf.

Gestern nachmittag wurde es noch sehr intensiv. Kann es noch gar nicht richtig fassen, wie stark manche in ihrer eigenen Realität fest stecken. Der Tag fing mit einem Treffen mit einer Bekannten, ja Freundin schon sehr spannend an. Es ging darum, wie und ob man helfen kann.

Wie man machen, durch Mitgefühl helfen kann. Und das so schwer auszuhalten ist: Jemanden zu begleiten, durch sein Tal. Wenn man doch retten könnte. Aber Abkürzungen helfen niemandem. Ja, Menschen in akuter Not muss man helfen. Wie entscheidet man, ob jemand in akuter Not ist? Wie unterscheidet man, zwischen Linderung der Symptome und Hilfe bei den Ursachen?

Ein Obdachloser Amerikaner will sich einfach nicht legalisieren. Er hat Angst vor Abschiebung. So lebt er auf der Strasse, schnorrt sich durch und alle Angebote, die diese Zustand beenden könnten, lehnt er ab. Dies wäre eine richtige Hilfe. Dies würde die Ursache bekämpfen, auf die Gefahr hin, dass er zurück nach US müsste. Dieses Risiko geht er nicht ein.

Viele Flüchtlinge fragen hier bei der Tafel am Marheinekeplatz nach Fahrkarten, um nach Frankfurt oder Hamburg zu kommen. Sie können nicht ankommen, sie sind Monate auf dem Weg und können nicht akzeptieren, sich jetzt hier mit ihren Problemen in Berlin auseinander zu setzen. Die Fahrkarte ist nicht die Lösung, ist keine Hilfe. Wie kann man aber anlehnen? Wie kann man das entscheiden, was richtig ist?

Wie sitzen im Cafe, ein Strassenpoet fragt nach 10 Euro, er ist krank und möchte sie sich borgen. Ich schenke sie ihm spontan. Er gibt mir dafür zwei seiner Gedichte: laut, zu Lesen!

Es gibt den Begriff des rechten Bemühens, der mich orientiert. Und auch dieser Begriff führt mich wieder auf die drei Gundsätze der Peacekeeper zurück: Nicht Wissen, Aushalten, freundlich Handeln. Mehr gibt es nicht. Immer nur für diesen einen Moment, alles andere ist Quatsch.

Wünsch Euch einen recht schönen Tag.