Zen and the Art of Coding…

Berlin, 7:12, Tag 126

Traumnotizen: ein Unwetter, am Fluss, viele Schiffe, im Hafen, ein Segelschiff versinkt im Strudel, Stahlschiffe schauen zu, will Helfen, am nächstern Tag, Bundeswehr soll aufräumen, Ungerecht, dass ich keine Bücher verkaufen darf, mit K. über Neutralität diskutiert und bei G. beschwert. Vor dem Lesen der Notizen war nichts mehr da, habe die Worte angeschaut und nichts erinnert, nun kommt Stück für Stück die ganze Geschichte wieder, ich erkenne die Schatten… und zensiere die Fortsetzung.

Gestern die Hälfte von „The One-Straw Revolution“ über do-nothing/natural farming gelesen, die wunderbare Geschichte von Masanobu Fukuoka, die Zen, Philospophie und Landwirtschaft verbindet, sehr beeindruckend und absolut zu empfehlen.

Dann viel rumgespielt mit node.js als Java Script runtime platform, Heroku als cloud application platform und Github als social coding platform und Facebook. Ich wollt’s selber alles mal ausprobieren und nicht Minecraft Spielen, nicht Fernsehen oder bei -10Grad auch nicht Spazieren gehen. Und mein Ziel hatte ich so gegen halb 7 abends erreicht: meine Anwendung lief komplett in der Cloud, ich konnte sie verändern, die Änderungen einchecken und die Anwendung ausrollen. Sehr schick!

Daneben noch eine Lernplattform fürs Programmieren entdeckt, für Anfänger ist das wohl das Beste, was ich seit langem gesehen habe … über Punkte und Badges wird motiviert, alles Online, VC-finanziert und damit noch kostenfrei.

Sie verstehen sich auch als Platform, man kann eigene Kurse erstellen und auch dafür gibt es ein Reputationssystem. Spannend! Ich habe gestern mal Grundlagen der Programmierung in Java Script aufgefrischt, das macht echt Spass…

Nun warte ich nur noch darauf, dass jemand ein Natural Coding Buch schreibt… und dabei fällt mir unsere mtc Coding Rule No. 2 ein: no code is good code (performant, no errors, no maintenance). Das ist doch schon nah dran! 😉

So und mit Sonnenaufgangsbild aus dem eingefrorenen Kiez…

…verabschiede ich mich lächelnd in die neue Woche!

Warum pinterest.com so toll ist…

Berlin, 6:19, Tag 116

Heute von einem Hotel geträumt, zusammen mit A., den ich schon lange nicht mehr gesehen habe. In einer Szene kommen ca. 30 Jugendliche in das Zimmer und verteilen sich, laufen rum, schauen alles an und ich habe Sorge um meine Sachen und überlege, was alles draussen liegt und einfach mitgenommen werden könnte. Ich rufe die Rezeption an und versuche mich zu beschweren, aber von dort kommt nur professionelles Zuhören und Verständnis und ich bräuchte doch Hilfe. Ich wache weit vor dem Wecker auf und geniesse noch eine ruhige Stunde…

Gestern habe ich so viel geschrieben, fast drei Themen zusammen, habe das Gefühl in einem Post immer nur ein Thema schreiben zu sollen oder eben Tagebuch… aber Themen, die mich beschäftigen und Tagebuch zu trennen, geht auch nicht.

Deshalb heute noch eine Vertiefung zu pinterest.com. Ich habe die Screenhots hier in einer Flicker Slideshow hochgeladen. Und auch noch einige andere interessante neue Anwendungen. Mich begeistert, diese neue Art von Anwendungen im Netz sehr. Wir arbeiten gerade an der Spezifikation unseres Socialize the Patent World Projektes. Und dort sind genau diese Fragen zu stellen, die pinterest & co bereits beantwortet haben. Pinterest ist deshalb interessant, weil sie viele Elemente, die das curating, sharing und collecting von Inhalten betreffen, sehr elegant gelöst haben.

Zum Beispiel, das Suche und Finden von interessanten anderen Menschen und Themen zum Folgen, so ähnlich könnte man auch Technischen Feldern oder Wettberbern, Erfindern folgen können, wenn man sich statt gefundenen Bildern im Web, eben gefundene Patentdokumente in EspacenNet vorstellt.

Oder auch das Erzeugen von Listen, ist wunderbar einfach und elegant, ganz klar, einfach und verständlich gemacht. Das kann jeder und ich habe keine Sekunde das Gefühl, das ich früher immer beim Erzeugen von Ordnern oder Kategorien im Mailprogramm oder auch auf der Festplatte hatte. Sie geben Beispiele, erzeugen schon mal leere Ordner=Pinboards, zeigen daneben die von anderen zu ähnlichen Themen gefüllte Pinboards.

Solches sehr durchdachte Design, konzeptionell klar und handwerklich brilliant umgesetzt, legt die Latte für alle anderen Webseiten, die neu entstehen gerade sehr hoch. Ich glaube fest, dass Menschen heute keine umständliche Bedienung von Software/Programmen oder Datenbanken lernen sollten … aber wenn sie einmal gelernt haben, mit den heutigen komplexen Systemen umzugehen und dann merken, dass sie damit gegenüber anderen einen Vorteil haben, der im Falle von Patentrechercheuren sogar zum Lebensunterhalt reichen kann, dann halten sie manchmal sehr daran fest und verteidigen die komplexe Art der Erschliessung von Inhalten mit Händen und Füssen. Sie begründen (und jammern dabei eigentlich), warum das immer so bleiben muss, warum es niemals einfacher gehen wird, warum das eigentlich noch niemand geschafft hat, dieses ach so schwierige Thema endlich mal vernünftig zu lösen. Dies gilt es zu überwinden!

Ein letztes, auf das ich noch hinweisen möchte… auch Pinterest hat von Beginn an, das frictionless sharing integriert.

Ich habe gestern eine neues Bild der Nasa von der Erde gefunden und über das pinterest bookmarklet an meine virtuelle Pinwand geklebt. Also das gemacht, was der Sinn dieser Plattform ist, mir quasi ein Lesezeichen angelegt, ein Eselsohr in die Seite der Nase mit dem Bild gemacht.

Das Ergebnis ist ein Bild an meiner Pinwand, das andere „Repin“nen oder kommentieren könnten.

Und in meinem Activitystream wird für mich und andere diese Aktion eingetragen, hier im folgenden Bild zu sehen, sind dort alle Aktionen, die ich gestern Abend auf der Plattform ausgeführt habe.

Das spannende ist, dass diese Aktionen auch nach Facebook übertragen werden, dort gibt es in meiner Timeline ebenfalls eine kleine Box mit meinen aggregierten Aktivitäten auf pinterest:

Und Henry hat dann gestern Abend noch auf Facebook meine Aktion gesehen und kommentiert.

Die Einbindung von Facebook erfolgt übrigens über die Open Graph API, die es ermöglicht durch Aufrufe von URL’s diese Art von Integration einer Anwendung in Facebook zu erreichen. Ich hatte das hier sogar schon mal kurz angedeutet…

So, nun schnell einen Kaffee und dann zum Rotary Sunrise Meeting! Wünsche allen einen grossartigen Freitag…

 

Hoch hinaus…

Bad Saarow, 6:51, Tag 108

Eine der Traumsequenzen heute Nacht war recht passend zum heute bevorstehenden mtc Strategiemeeting: Ich war auf der Spitze eines neu zu bauenden Hochhauses und sah Arbeitern zu, die Stahlbetonsäulen – das Rückrat aller modernen Wolkenkratzer – bauten. Sie erklärten mir alles und liessen mich Hilfsarbeiten verrichten. Es sah etwas nach senkrechter Tunnelbohrmaschine aus, alles voller Technik, Rohre, Verschalungen und mittendrin, die vier Arbeiter an vier Säulen, die immer eine neues Segment erzeugten, indem sie Stahlröhren ineinander schraubten. Wenn vier Röhren an den vier Säulen komplett befestigt waren, konnten wir mit der gesamten Plattform eine Ebene höher fahren und das Verschrauben begann von vorn. Ich wachte erholt eine halbe Stunde vor dem Wecker auf…

Hier ist alles noch dunkel, erst in 50min ist Sonnenaufgang…

Und grad gesehen, dass ich genau vor einem Jahr das erste mal über Path gestolpert bin und zwar auf Instagram bei Chris Messina.

Path is the smart journal that helps you share life with the ones you love.

Shawn Fanning, der Napster Erfinder ist mit im Board bei Path, die erst am 29.11. mit der Version Zwei einen totalen Relaunch mit völlig überarbeitetem Design gemacht haben, das übrigens mit 11,2 Mio $ an Risikokapital lt. CrunchBase im Rücken.

Aber der Kommentar von mike3k vom 19.01.2011 trifft es leider immer noch, trotz tollstem, echt führendem App Design und einem tollen Konzept und sehr viel Geld, nutzt es niemand von meinen Freunden regelmässig, so dass ich nach ein paar Tagen/Wochen der Nutzung etwas gelangweilt bin, wenn auch wunderschön gelangweilt. Das innovative Konzept, mein Leben nur mit max 150 Freunden teilen zu können, funktioniert einfach nicht, wenn niemand von meinen engsten Freunden es regelmässig benutzt und ich mein Leben also mit den Weak Ties und den üblichen Early Adoptern teile. Nicht dass ich meine Weak Ties nicht auch liebe, aber eben anders… 😉 Spannend wird sein, ob es path.com schafft – ich glaube, nicht! Es wird wohl Shawn Fanning’s Schicksal sein, zu innovativ zu sein und damit leider, selbst nichts langfristig Erfolgreiches bauen zu dürfen.

So, nun aber zurück zur Vorbereitung des Strategiemeetings, vorher noch etwas Frühstücken, der Sonnenaufgang versteckt sich heute hinter Wolken, ich werde trotzdem ein Foto des Sees machen und dabei noch ein bischen frische Luft schnappen, ehe wir tagen. Wünsche gespannt lächelnd eine tollen Donnerstag!

Entdecken, Teilen, Mögen…

Berlin, 7:54, Tag 107

Heute mein Traum: im Parkhaus ein gläserner Fahrstuhl nach unten… begleitet von einer extrem fordernden Person, den Schlüssel des Mietautos bei der Rezeption des Hotels abgeben und den Eingang des Clubs finden, habe aber etwas vergessen im Kofferraum, und wieder zurück mit vielen schrägen Gedanken und Gefühlen… und endlich aufgewacht.

Ein ruhigerer Tag steht bevor, das Nachzuräumen, was gestern liegen blieb. Es wurden dann ja doch sechs Treffen, aber sehr wichtige und auch schöne… und alle anders, als beabsichtigt und erwartet. Das liebe ich immer mehr an meinem Leben, es ist nicht planbar, nicht kontrollierbar. Man kann es nur annehmen, so wie es kommt. Man kann seine Erwartungen haben, jeder plant doch, Planung ist wichtig, aber wenn der geplante Moment auftaucht und anders ist, ihn dann lächelnd anzunehmen und das tun, was dran ist! Und nicht das, was dran sein sollte… nicht kämpfen, um den Plan von gestern zu erfüllen, sondern einfach das Sehen, was heute ist.

Unsere Gesellschaft ist so voller Regeln und Gesetze und heimlichen, unausgesprochenen Dingen, die – erst wenn nicht befolgt, beachtet oder ignoriert – zu intensivem, wunderschönem Kontakt mit dem wahren Leben führen.

Ooookeeh, heute gibt es noch drei Anregungen aus dem „Curated Content ist der Megatrend 2012“-Universum (danke Matze, für den Link).

Erstens das vor allem in US stark gehypte Pinterest:

Eigentlich „nur“ Listen von Bildern und Webseiten, die man sich an eine virtuelle Pinwand klebt und mit seinen Freunden teilen kann.

Ein mit 37,5 Mio $ „wellfunded“ Team von 14 Leuten in Paolo Alto, versucht sich an organize and share things you love. Ein sehr hoher Frauenanteil bei den Nutzern und schon 11 Millionen monatliche Besucher in der noch einladungsbasierten, geschlossenen Betaversion sind die bisherigen Erfolge.

Und die zweite Anregung ist eine ganz ähnliche Webseite: WeHeartIt mit dem Motto: discover and share your favorite images from the web. Viel ist nicht rauszukriegen über die Macher oder Hintergründe der Site. Nur eine Adresse in Berkeley, ich habe keinen Namen, kein Team, keine Story gefunden, auch spannend. Wenn da jemand von Euch mehr finden kann, wäre ich über einen Hinweis in den Kommentaren/per PM dankbar.

Dann als dritte Anregung: ganz neu, erst seit gestern draussen, ein Video von wunderkit.com, der neuen Idee des Berliner Startups 6Wunderkinder, die mittlerweile 11 sind und u.a. vom Skype Mitgründer Niklas Zennström mit zuletzt 4,2Mio$ mitfinanziert werden.

Das Motto: a new way to organize your life.  

Haut mich nicht um, wie auch schon Wunderlist nicht, das erste Produkt der Berliner. Im Grunde genommen eine nett gemachte ToDo Listenverwaltung für Teams. Trello.com, OmniFocus oder Any.Do (mit make things happen übrigens die mit dem genialsten Claim!) sind die meinen Augen innovativeren, besseren und schöneren GTD Lösungen, augenblicklich jedenfalls.

Aber, wie die 6Wunderkinder ihr Reality Distortion Field aufbauen, ist ziemlich spannend zu beobachten. Sie haben sich in der Berliner/Deutschen Startup Szene bereits einen Namen mit indirekter Kritik an der Klonefabrik der Samwer Brüder gemacht. Die kritische Welle an Berichten über „Kopieren als Geschäftsmodell“ und den Managementstil im Samweruniversum ist von TechCrunch nun auch bei Spiegel Online angekommen, aber das ist ein anderes Thema.

Und heute habe ich wieder mal wehmütig lächelnd an Stralau denken müssen, der Sonnenaufgang war ganz sicher grossartig dort…

Aber der hier ja auch, oder? Wünsche einen tollen Tag!

Weil er schwedisch ist…

Berlin, 7:44, Tag 103

Nun ausgeschlafen. Habe geträumt, aber so einen geschichtenlosen Traum in Bildern, die nicht hier her passen. Um 8:11 geht hier die Sonne auf, sagt Siri in meinem Telefone. Ganz interessante Wolken waren schon gestern Abend am Himmel, als ich eine Stunde durch Berlin gelaufen bin, um den Kopf frei zu kriegen.

Hier ein Photo vom Sportplatz vorm Tempodrom unbearbeitet und direkt von meinem Samsung Galaxy SII (beim iPhone war der Akku leider schon alle).

Und auch heute morgen waren sicher ganz andere aber immer noch ganz schnell ziehende Wolken am Himmel. Und deshalb hier, mein Guten Morgen Bild um genau 8:11 auf der Strasse vorm Cafe mit dem iPhone gemacht und in Camera+ nachbearbeitet.

Apropos Camera+, ich setze hier mal meine Serie der Empfehlungen und Fundstücke fort:

Denn ich bin eben über einen Post von TapTapTap gestolpert, den Machern von Camera+ meiner liebsten iPhone Camera App, mit der ich fast alle iPhone Fotos, die ihr hier oder in Instagram so seht, mache und bearbeite.

Von der Photographin Lisa Bettany hab ich hier schon mal gaaanz kurz gesprochen. Sie ist „Co-Creatorin“ von Camera+ und Freundin des 26jähigen Pete Cashmore’s, der den Top Tech Blog Mashable gebaut hat.

TapTapTap haben heute in ihrem Blog die Verkaufszahlen von Camera+ veröffentlicht.

Genau 5,125,844.00 $ hat das Team nach Abzug von Apples 30% damit verdient. Hier das Chart mit den weltweiten, wöchentlichen Umsätzen seit Start des Verkaufes:

Sie erklären in dem Post ein paar Hintergründe,  zB die Zusammenhänge mit dem Start vom iPhone4s und Weihnachten, zeigen noch andere statistische Werte und und freuen sich irgendwie sehr sympathisch über ihren Erfolg:

Over the past 6 months, Camera+ revenue has increased over 3x. Play along and fantasize for a second about that trend continuing over time… if it keeps going, by 2018 our daily sales would be twice the world population. Yeah, this growth might not be sustainable over time. Anyway…

Die ganze Seite und auch der Blog sind in meinen Augen absolut minimalistisch: eine Liste ihre Produkte, die jeweils auf eine Feature-Beispiel-HierKaufen Seite verlinken und in der Fusszeile: Contact, About, Blog, Twitter, Subscribe. Das wars! Reduktion auf’s Wesentliche, kein langes übertreiben, motivieren, drumherum reden, und damit eher verstecken und verschleiern, sondern ein deutlich erkennbar klarer Fokus. Das mag ich sehr!

Das About ist absolut lesenswert! Allein schon die Einleitung:

At tap tap tap, we develop our creations by sticking with several important principles:

    • Your tasks should be accomplished with just a few taps (hence the name “tap tap tap”)
    • Everything should be simple and intuitive for you to use
    • Everything should look amazing
    • High quality software doesn’t have to cost you a lot
    • Love what you do and it’ll show in the things you create
    • And last, but not least… there should be some fun thrown into the mix

Und weiter gehts weiter unten über ihre Designer…

Great design is a prerequisite of great products, not a feature.

Der Text über ihre Programmier wird eingleitet mit diesen Worten hier…

If you have great designs but don’t have talented people to code them up into actual apps, then you’re just sitting on a bunch of pretty pictures.

Beide Aussagen treffen so sehr auf den Punkt. Und beides haben wir in den letzten beiden Wochen gerade sehr stark in unserem Socialize the Patentworld Team selbst erfahren, dass mich dieses Fundstück heute morgen hier gerade zu in Euphorie versetzt.

Und abschliessen möchte ich mit dem Text über Kevin, hier als Screenshot weil einfach zu köstlich:

(Hab jetzt selbst beim zweiten Lesen alle hier im Cafe zum Stirnrunzeln ob meines lachenden Atems gebracht;-)

Und wünsche allen Lesern hier lächelnd – nein breit grinsend, ein ebenso euphorischen Start in das Wochenende wie mir.

 

Online Collaboration mit kostenlosen Tools…

Istanbul, 7:35, Tag 101

Heute ist Reisetag und passend dazu ein Traum im Flugzeug, in einer ausgemusterten MIG oder doch einer Phantom mit D. aus V., der mich dazu bringen wollte, das Ding selbst zu fliegen. Er erklärte mir alle Hebel und Knöpfe, die ich zum Starten brauchte. Es sah alles sehr mechanisch, grau grün lackiert aus. Das Flugzeug stand in einer Scheune, er wusste auch, welche Teile des Tores und des Daches zu entfernen sind, um starten zu können. Dann flogen wir, ganz langsam und gerade über ein Flussbett, später dann über Wiesen in engen Kurven um Bäume herum, dann lieferten wir uns kleine Duelle mit drei Cessnas, die so ausssahen, als ob sie auch im Wasser landen könnten und wir wurden mutiger mit den Bäumen. Wir streiften schon mal einen Wipfel, ich hatte immer Angst, dass wir die Kurve nicht kriegen. Dann sahen wir einen riesigen Baum, unvorstellbar riesig, auf der Seite liegen. Er war eine Attraktion! Wir flogen lange Minuten den zerklüfteten Stamm entlang… dann Landung, jetzt war die MIG natürlich ein Senkrechtstarter. Der Hebel links im Fussraum sah aus wie eine überdimensionierte Handbremse, über deren Seile mit diesem Hebel die Triebwerke nach unten gebogen werden mussten, es quietschte dabei. Dann musste ich mich anstellen, um eine Karte zu Besichtigung des Stammes zu bekommen. Ich wachte auf…

Gestern habe ich so richtig wirklich und in echt mit der internationalen Online Collaboration begonnen.

Bisher bin ich immer irgendwie in alten Arbeitsweisen, zwischen Telefonaten, Mails und asynchronen Tools hängen geblieben. Wir haben zwar das grossartige Jira als Projektmanagement Tool für das Operations des Bestandsgeschäftes, aber ich war nie so richtig glücklich mit Jira oder Confluence bei neuen, eher explorativen Projekten, also allem, was vor der Specification zu tun ist. Da gibt es zwar CRM’s, die sind aber zu sehr auf die Optimierung der Kundenbeziehungen zu geschnitten, wir haben dafür vor 1,5 Jahren Dynamics eingeführt. Ich gestehe, dass ich dies bisher noch nicht selbst benutzt habe.

Wie nun den Bogen zu gestern kriegen…? Am besten mit einem Screenshot, den ich dann erkläre.

 

Also, ich bin schon ein Fan von Google Produkten, ich benutze täglich nur noch Google Mail oder kurz GMail. Google Maps für Karten, Routen und Reisevorbereitung, Google Suche sowieso, mein Standardbrowser ist Chrome. Vor 2 Jahren habe ich mal einen Versuch gemacht, auch Google Documents zu benutzen und das hat damals irgendwie keinen Spass und Sinn gemacht. Nun scheint es soweit zu sein, hier oben seht ihr Henry und mich gleichzeit an einem Dokument schreiben. Er hat den roten Cursor, ich bin in Blau unterwegs. Rechts unten das Skype Video Fenster. Henry sitzt in London in der Küche, ich in Istanbul im Wohnzimmer auf dem Sofa. Gestern habe ich mich das erste mal richtig so gefühlt, wie sonst am Schreibtisch ihm gegenüber. Wir haben einfach laufen lassen und so über zwei Stunden gemeinsam diskutiert und das Dokument gefüllt, also richtig synchron – wie in einem Büro – zusammen gearbeitet.

Ich weiss nicht genau, warum mir das gestern wie ein Durchbruch, eine Transformation vorkam: weg vom Einzelkämpfer, der alles remote koordinieren, kontrollieren also managen soll und sich immer „aussen vor” fühlt, hin zu gemeinsam, gleichzeitig an einem Ding arbeiten.

Die Tools dazu gibt es ja schon seit Jahren, vor allem für Lotus Notes Nutzer wie uns, fast seit Jahrzehnten. Ich glaube aber, dass erst jetzt die Verhaltensänderung, die Anpassung bei mir und uns beginnt. Erst jetzt geht das raus aus der Phase des geekigen Ausprobierens: „Oha, kennste schon das Neueste? Müssen wir unbedingt mal beim nächsten Jour Fix probieren…“ und weg von elitären Besonderheiten: „Nein, wir haben uns keine Videokonferenzsystem für x Tausende Euro geleistet, wir müssten deshalb schon persönlich zu ihnen kommen.“

Erstens haben zwei Milliarden Menschen Internet Zugriff, in der westlichen Welt knapp 80% der Bevölkerung*. Zweitens ist die Bedienung der Tools soweit, dass sie funktionieren und keine Spezialkenntnisse oder Bastelei oder besondere Infrastruktur und damit viel Geld erfordern, welche sich nur ein kleiner Teil der Bevölkerung leisten kann. Drittens ist die Bandbreite so stabil, dass Video, Sprache und Tools in „Realtime“ übertragen werden können.

Die Verhaltensänderung und die breite Akzeptanz dauert aber noch viel, viel länger… noch sind zB Facebook und Youtube beim Deutschen Patent und Markenamt für die Mitarbeiter gesperrt, vermutlich gibt es Ausnahmen für externe Berater und die Abteilungsdirektoren. So wie man früher (also noch bis in die 90iger) nur mit den Telefonen der Abteilungsleiter Ferngespräche führen konnte. Und noch gibt es die riesigen Rollouts von zB Microsoft Office in der neuesten Version, welches dann echt Dokumente in der Cloud (= Sharepoint;) speichern kann, wobei dazu der Speichern unter Dialog noch einen extra Tab bekommen hat, um das auch gaaaanz einfach zu machen. Ich glaube, Google hat für Google Doc’s nicht mal Schulungen im Angebot, die gehen davon aus, das das mittlerweile jeder benutzen kann… und wenn nicht, können die Leute ja Word Kurse besuchen, danach können sie auch Google Docs.

Das gleiche funktioniert übrigens auch mit Mindmapping, das ich sehr gerne zur Visualiserung und Strukturierung von Ideen benutze. Den alten Mindmanager, den ich nur alleine benutzen konnte, den habe ich nun gar nicht mehr installiert, seit ich von mindmeister erfahren habe.

Dazu gibt es Tools wie trello.com, die die Zusammenarbeit an ToDo Listen in das neue Zeitalter übersetzt haben.

So, mit diesen drei Anregungen verabschiede ich mich etwas abrupt lächelnd in den Tag, ich nehme nun den Metrobüs und begebe mich zum Flughafen. Ciao!

Einfach mal Machen…

Istanbul, 8:24, Tag 98

Heute habe ich geträumt, ich habe mich in der Dusche noch ganz klar dran erinnert… hab schon den Text entworfen und nun… ist nichts mehr da!

Beim Meditieren, in der Dusche, beim Autofahren, im Flieger oder beim Spazierengehen erlebe ich die sogenannten Heureka Momente. Ich bekomme Antworten auf Fragen, es entstehen Konzepte, Strukturen oder Gliederungen. Meist schreibe ich die dann schnell in mein iPhone, als Erinnerung oder gleich ToDo.

Eben kurz vor dem Meditieren habe ich eine Mail von Twine bekommen und gelesen, das Projekt bei kickstarter.com, welches ich unterstütze. Ich hatte das hier letzte Woche schon kurz vorgestellt.

Die fragen hier einfach ihre Unterstützer, also ihre zukünftigen Kunden, die bereits ein Produkt bestellt und bezahlt haben, welches bis jetzt nur als Prototyp existiert… und machen eine Umfrage in Excel – ähm natürlich in Google Spreadsheet. In dem anderen Excel, das im Netz ohne Windows und Installation und so, mit der Möglichkeit des öffentlichen, anonymen Zugriffs und damit der Zusammenarbeit von grossen Gruppen (hier mehr als 4.000 Menschen!) an einer einzigen Tabelle = Formular.

Wieder war ich sehr beeindruckt von dem gesamten Vorgehen:

  1. Die haben also eine Idee und kein Geld.
  2. Wenn sie Bestellungen im Wert von 35.000$ bekommen, dann fangen sie mit der Produktion an.
  3. Wenn Sie mehr Geld bekommen, können sie mehr Features bauen und schneller produzieren.
  4. Um günstig produzieren und testen zu können, fragen sie ihre Kunden um Unterstützung.

Dies alles wird dadurch ermöglicht, dass ihre Kunden alle im Internet und aktiv bei sozialen Netzwerken wie zB Facebook sind. Hier ein kleiner Ausflug, denn da musste ich doch grade mal nachschauen, was die aktuellen Zahlen so sagen…

79% der Deutschen sind im Internet, das sind 65 Mio, von denen etwa 19,5 Mio oder 30% einen Facebook Account haben. Zum Vergleich noch USA und Türkei:

78% der US-Amerikaner sind im Netz, das sind 245 Mio, von denen 157,4 Mio oder 64% Facebook haben.

44% der Türken sind im Netz, also 35 Mio von denen aber 30,9 Mio oder 88% bei Facebook sind.

Es ergeben sich doch völlig neue Möglichkeiten, wenn alle vernetzt und nur einen Klick von einander entfernt sind. Der Aufwand, um Menschen zu informieren und zur Unterstützung zu bewegen, ist so gering wie noch nie zu vor und sinkt ja weiter.

Eine Registrierung mit nur einem Klick zB mit so einen Button, wie den hier

und dann die Existenz von Plattformen wie kickstarter.com ergeben so tolle Möglichkeiten.

Die Schwelle, Menschen zum Mitmachen zu bewegen sinkt bzw. verschiebt sich auch immer mehr ins Netz. Stellt euch mal vor, ein Bettler auf der Strasse hätte ein Gerät, um Kreditkartenzahlungen zu akzeptieren: er würde eure Karte durchziehen, auf den Ausdruck warten, fragen, ob ihr einen Kuli hättet, dann würde er fragen, ob ihr vielleicht auch ein Buch hättet als Unterlage und dann dürftet ihr selber einen Betrag im vorgesehenen Feld einsetzen und 6 Wochen später würde ihm das Geld auf seinem Konto gut geschrieben werden, abzgl. 7,5% Abwicklungsgebühren für Bank und Kreditkartenfirma. Ok, ihr wisst wie’s wirklich läuft: er fragt nach dem Kleingeld in eurer Tasche. Weil das einfach, schnell, sinnvoll und die kleinste, mögliche Mühe für euch und kein Dritter involviert ist. So ähnlich läuft das auch im Netz, es ist einfach, schnell und sinnvoll und kostet keine Mühe mehr, irgendwo mit zu machen – sei es mit Geld oder mit Aufmerksamkeit, wie mit der neuesten Frage von den Supermechanicals nach meinem Router. Klick, ausfüllen und die Jungs wissen nun, welche Router ihre Kunden am häufigsten einsetzen.

Menschen sind  – wenn sie begeistert, beeindruckt sind oder auch wenn sie etwas wollen – natürlich bereit, ihre Aufmerksamkeit oder auch ihr Geld zu investieren. Und irgendwie finde ich, es war noch nie so einfach für sehr viele Menschen, andere zu informieren, zu fragen und zum Mitmachen zu bewegen.

Aber das etwas wirklich wollen, das einfach etwas machen, das selber erst mal in Bewegung kommen, das nimmt einem immer noch niemand ab. Das ist etwas, was sich nicht geändert hat.

Wünsche einen schönen Start in die neue Woche!