„Ja“ sagen. Ja zu allem, was passiert.

Wir haben bei mtc schon lange einen Wert: Sag Ja zum Kunden.

In der letzten Zeit bin ich damit unzufrieden. Etwas stimmt nicht mehr. Das unbedingte Ja Sagen zu Anfragen oder zu Eskalationen in Kundenprojekten wird mehr und mehr zum Problem. Wir haben Schwierigenkeiten die vielen Ja‘s unserer Kollegen zu verwalten, sie zu priorisieren und dann abzuarbeiten. Unsere Mitarbeiter überlasten sich, machen Überstunden, machen Fehler, halten manche Termine nicht. Sie werden dann auch schon mal unfreundlich oder manche werden krank. Nicht gut!

Mir aber fällt es schwer, diesen Wert aufzugeben und statt dessen auch einmal Nein zu sagen, wenn wir zum Beispiel überlastet sind. Ich habe etwas Angst, dass die Offenheit, die mit dem klaren Bekenntnis zum Ja einhergeht, dann verloren geht. Ich habe Furcht, dass wir dann so werden, wie alle anderen, die ihre eigenen Prozesse, Produkte und Vorstellungen über die des Kunden, dem wir eigentlich dienen, zu stellen.

Neulich war ich im Apple Store. Ich holte eine Bestellung persönlich ab, um Verpackung zu sparen und auch wegen des Erlebnisses. Das Display meines Telefons hat einen Minisprung und ich Apple Care+, Garantie und Serviceerweiterung für 160€ extra. Auf die Frage des Apple Store Mitarbeiters, ob er noch etwas für mich tun könne, zeigte ich im meinen Sprung und erzählte vom Status als Apple Care+ Kunde. Seine Antwort: „Nein, ich kann ihnen jetzt nicht helfen, Sie müssten nochmal zur Eingangstür, die Kollegen dort seien für mein Problem zuständig, man würde mich nochmal registrieren und mir die Schlange fürs Warten der Laufkunden zeigen oder aber, wenn ich das Formular in der Support App ausfüllen würde, dort gäbe es Termine für in zwei Wochen, dann könnte ich mich dann am Termin dort hinten in die kleinere Schlange einreihen.“. Dann lieber schnell zu Gravis ums Eck, dort gab es einen Termin in einer dreiviertel Stunde.

Auf dem Weg nach München. Ich sitze im Flieger und lese ein kleines Buch beim Start. Dort stand auf die Frage: „Wie findest Du Frieden?“ Die lachende, einfache Antwort: „Ich sage Ja. Ja, zu allem, was passiert.“

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Die Einsicht kam schnell. Sie war befreiend. Das Ja, der Wert aus der Gründerzeit unserer Organisation, darf natürlich nicht eingeschränkt werden. Das Ja darf nicht ausgesetzt, nicht zu einem Ja, aber werden.

Im Gegenteil! Das Ja muss ausgeweitet werden. Es darf sich auch auf unsere Organisation, vor allem darf es sich auch auf uns selbst beziehen. Wenn wir Bedenken haben, einen Auftrag anzunehmen, wenn wir überlastet sind, dann sagen wir auch dazu

Ja.

Ja, ich bin überlastet.

Ja, ich habe Bedenken, ob wir den Termin halten können.

Das Ja muss sich nicht nur auf den Kunden beziehen, sondern und vielleicht sogar zu erst mal auf uns selbst.

Sagen wir denn Ja, zu allem was uns passiert? Zu unseren guten, starken Seiten? Da fällt es sicher leichter.

Aber sagen wir auch Ja, zu unseren schlechten, schwachen Seiten? Sagen wir Ja, zu unseren Fehlern, zu unserer Unsicherheit, zu unserem Nicht Wissen?

Können wir Ja zu allem sagen, was uns passiert?

Das zu üben, ist mein Ziel. Ich träume davon, in einer Organoisation zu arbeiten, die nicht nur Ja, zu den Dingen, die den Kunden und uns uns in den Kram passen, sagt; sondern die auch Ja sagt. zu den Dingen, die uns nicht passen, nicht gefallen, die nicht gut sind.

Wie sollen wir friedlich, zusammen miteinander arbeiten, wenn uns das nicht gelingt?

Wollen wir es nicht wenigstens versuchen?

Die Fünf Schlüssel

Habe mich erinnert an Die fünf Gewissheiten. Sie bilden den Abschluss meiner Vorbereitung für das All Hands heute. Denn es soll um die fünf Schlüssel für erfolgreiche Teams gehen. Google hat eine Studie erstellt und viele seiner Mitarbeiter und Teams befragt und das ausgewertet und auf einem ihrer Blogs veröffentlicht.

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Können wir uns aufeinander verlassen? Ist die erste Frage, von der abhängt, ob wir als Team gut zusammen funktionieren. Liefern wir die nötige Qualität in der vereinbarten Zeit auch wirklich ab?

Sind die Aufgaben, die Rollen und Pläne für jedes Teammitglied klar? Mit dieser Frage kann ich beliebige Komplexität erzeugen. Auch hilft es, zu begreifen dass in der Antwort das Ergebnis liegt, Klarheit über die Aufgabe ist oft erst am Ende möglich. Es bleibt als Daueraufgabe, ein Teil des Prozesses ständig mehr Klarheit über die Aufgaben, die Rollen und die Planungen zu erzeugen.

Arbeiten wir an etwas, dessen Sinn und Bedeutung wir begreifen? Erkennen wir die Abhängigkeiten, die Auswirkungen unserer Arbeit? Nur wenn wir unsere eigene Tätigkeit in einem Team, in einer Organisation als sinnvoll begreifen, können wir gute Arbeit leisten.

Verstehen wir, dass unsere Arbeit auch eine echte Auswirkung hat? Wenn wir nicht erkennen können, dass unsere Arbeit unsere Organisation wirklich zum besseren verändert, sind wir nicht mit ganzem Herzen dabei, sind wir nicht gut.

Und der letzte und wichtigste Erfolgsfaktor:

Fühlen wir uns psychologisch sicher? Wenn wir Risiken, also die Verantwortung für unser Handeln selbst übernehmen, dann brechen wir sicher auch manche Regeln der Vergangenheit. Werden wir dafür blossgestellt, beschämt, verurteilt, bringen wir keine Leistung, können wir nicht gut arbeiten. Wenn wir uns offen und verletzbar zeigen können, wenn wir uns sicher fühlen, dann arbeiten wir effektiv zusammen.

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Eine schöne Studie!

 

Burger ohne Brot

Vergesse, was ich hier geschrieben habe. Jeder Tag fängt neu an. Frisch, unverbraucht, leer. Ein leeres Blatt. Ich bin voll. Wache mit meinen Träumen. Erinnerungen an gestern.

Überlegte gestern, überlegte eben: Erkennen? Helfen? Dienen? Meine Fragen, um in ein Gespräch zu kommen, um eine Beziehung zu erzeugen. Woran erkenne ich, dass etwas richtig ist? Woran erkenne ich, ob mein Handeln im Einklang mit meinen Zielen ist? Was ist das Warum? Was ist die Wurzel meines Handelns? Helfe ich jemand anderem? Wirklich? Diene ich der Sache, der Aufgabe, der eigentlichen Aufgabe?

Das erzeugt manchmal Unsicherheit. Verunsicherung. Ablehnung. Ignoranz. Widerstand. Unwohlsein. Aggression. Ärger. Böse Blicke. Traurigkeit. Aber oft finde ich auch Neugier, Erstaunen, Vorfreude, Spass, Mut, Übermut, Freude und Dankbarkeit.

Es ist immer beides. Das ist das, was wir oft nicht aushalten. Wir wollen Sonne, ohne Regen. Wir wollen Lachen, ohne Weinen. Wir wollen Erfolg, ohne Anstrengung. Wir wollen Arbeit, ohne Leistung. Wir wollen Leben, ohne zu sterben.

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Freundlich, Aufrichtig, Mut waren die nächsten drei Begriffe, die sich ergeben.

Der Zerrissenheit, der Tatsache, dass wir verloren sind, dass wir uns täuschen und so enttäuschen, kann ich mit freundlicher Aufrichtigkeit und Mut, Lebensmut begegnen.

Daran arbeite ich.

Es soll meine Entscheidung sein! Ich möchte die Millisekunden haben, den Atemzug spüren, der es mir ermöglicht, mit der gesunden, förderlichen Seite des Lebens in Kontakt zu sein.

 

 

 

Worte sind Wind

Ausweichen. Aufgeweicht vom Regen. Weniger Worte wollen.

Loyalität
Loyalität ist gegenüber den eigenen Werten nötig, nicht gegenüber Personen oder Organisationen! Gehorsamkeit, Unterwerfung ist niemals loyal. Ich unterwerfe mich nur der Aufgabe, die das Leben in diesem Moment an mich stellt. Dabei lasse ich die Vorstellung vom eigenen Selbst los. Nur die an mich gestellten Erwartungen sind mein Maßstab. Und meine Entscheidung für Liebe und Freundlichkeit und gegen „die dunkle Seite der Macht“ machen mich zu einem loyalen Mitmenschen. Sonst nichts!

Augenhöhe
Ein reines Gewissen, ein gerader Rücken, Selbsterkenntnis hilft. Wertung? Nein! Die eigene Aufwertung, die eigene Abwertung, das bewerten des Gegenüber verhindern Augenhöhe. Nur annehmen, was ist. Nur das erzeugt Augenhöhe. Vergleich? Nein! Auch das ist Wertung. Nur das Anerkennen unserer jeweiligen Einzigartigkeit ermöglicht Augenhöhe. Anzunehmen, was ist!

Respekt
Ich erwarte Respekt, fordert Erdogan. Er wird ihn nicht bekommen. Respekt kann man nur zollen, niemals fordern. Es ist nicht möglich. Gleiches gilt für Vertrauen. Respekt und Vertrauen sind die Folge, das Ergebnis, die Belohnung für unser Handeln, sind niemals Ursache, niemals Bedingung dafür.

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Es ist schwer. Es ist leicht. Es regnet. Nur jetzt. Nicht immer. Blaubeertorte hilft.

Es geht um Management Prinzipien. Es geht darum, wie wir zusammen arbeiten wollen und können. Welche Erfahrungen können wir teilen? Welche Mechanismen verstehen wir? Wie gut kennen wir uns selbst? Wieviel von unserer Umwelt nehmen wir tatsächlich wahr? Wieviel von unserer Umwelt stellen wir uns vor?

Wir alle erleben schwierige Situationen, erleben Probleme mit Kollegen, mit Kunden, mit Freunden, in der Familie, auf Arbeit. Das ist das Leben. Probleme verursachen unangenehme Gefühle, Knoten in unseren Gedanken, manchmal Schmerzen. Wir alle gehen damit unterschiedlich um. Lasst uns drüber reden, uns austauschen!

Lasst uns ein Stück des Weges gemeinsam gehen…

 

„Wir helfen gern!“ Naja…

Diesen Satz werde ich wohl immer mit den diesjährigen Strategietagen verbinden. Einmal im Jahr, meist im Februar oder März, fahren wir bei mtc mit ein paar Leuten für zwei Tage raus. Schon seit fast von Anfang an, seit 2008 machen wir das.

Jedes Jahr ist es etwas besonderes. Dadurch ist es mir sehr wichtig geworden. Zusammen mit dem Jahresauftakt und dem Sommerfest sind die Strategietage D I E drei Termine im Kalender von mtc.

Mit dem Hotel in Sommerfeld haben wir einen idealen Platz für uns gefunden. Nicht zu fancy, gutes Essen, direkt an einem ruhigen See, mit kleinem Spa, das ein  Schwimmbad und Sauna hat. Das Hotel hat drei Räume hinter dem Restaurant, die direkt neben einander liegen, ein grosser und zwei kleine. Die passen ideal zu unserem Dutzend Kollegen.

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(c) Christian Sonntag
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(c) Christian Sonntag
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(c) Matze Schmidbauer
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(c) Matze Schmidbauer
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(c) Matze Schmidbauer

Es sollte dieses Jahr um Kaizen gehen, um Veränderungen zum Besseren. Das ist schon lange Thema bei uns. Wie können wir Dinge erledigen, tun, einfach machen? Je größer wir werden, um so wichtiger erscheint es mir, dass wir uns weiter darauf fokussieren, Dinge einfach zu erledigen. Dass wir uns nicht nur mit uns selbst beschäftigen: mit unserer eigenen Wichtigkeit, den grossen Projekten, dem nächsten Workshop, Termin.

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Kai Zen

Es geht um das Ergebnis unseres Tuns. Haben wir heute jemandem geholfen (nicht gerettet)? Haben wir die Software, das Produkt, die Doku, unseren eigentlich Job heute besser gemacht (nicht fertig)? Haben wir einen Schritt in die richtige Richtung unternommen (nicht, sind wir angekommen)?

Aber wie beschäftigt man sich nun zu zwölft mit diesem Thema? Ohne das man sich gegenseitig Vorträge darüber hält.

Tony und ich hatten uns drei Fragen überlegt, nach und mit einigen Gesprächen zwischen Gregor, Gunnar und mir:

Woran erkennt man mtc? Was bedeutet es, zu helfen? Was bedeutet es, zu dienen?

Und zwischendrin haben wir zusammen diesen Film geschaut: „Jiro Dreams of Sushi“.

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Es gibt bei unseren mtc Stratgie Retreats immer gemeinsame Arbeit an den jeweiligen Fragen. In kleinen Gruppen mit wechselnden Teilnehmern. In einstündigen Blöcken. Eingestimmt durch ein paar Erinnerungen von mir und am Ende des ersten Tages unterbrochen durch den Film und abgeschlossen durch neue Vereinbarungen.

Mein Ziel dabei ist es in diesem Jahr gewesen, unsere Management Prinzipien zu erarbeiten und aufzuschreiben. Es geht um Begriffe, Sätze, Werte, Ideen die wir gemeinsam haben. Auf deren Bedeutung für uns, wir uns gemeinsam verständigen. Und an die wir uns im Alltag erinnern können: wenn wir uns sortieren, priorisieren und motivieren. Aber auch, wenn wir Konflikten begegnen, wenn wir fest stecken oder uns mal verloren fühlen.

Mit den Ergebnissen der Arbeit in diesem Jahr bin ich sehr zufrieden.

Eine grosse Präsentation ist daraus entstanden, die in den letzten vier Wochen immer weiter verbessert, ergänzt, verfeinert worden ist. Gestern wurde sie auf dem 4. mtc All Hands 2017 gehalten. Es sind schon einige viele Slides, viel Stoff für eine Stunde. Das empfinde ich als eine Herausforderung.

Parallel findet auch gerade eine Sitecore Schulung bei uns statt, so dass zehn unserer Kollegen eigentlich nicht beim All Hands dabei sein wollten. Das war spannend! Wenige Minuten vor dem Start um 11 kamen sie doch dazu. Normalerweise ist es immer so, dass eigentlich nur etwa die Hälfte unserer Kollegen es schafft, vor Ort zu sein. Ein paar weitere schauen noch beim Livestream zu, den wir seit langem schon mitlaufen lassen. Gestern war die Hütte voll und unsere Lounge platze aus allen Nähten, hab leider nicht genau gezählt, es waren sicher mehr als 50 unserer Kollegen anwesend.

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Nun noch zur Präsentation und unseren Management Prinzipien. Es sind am Ende 12 Prinzipien entstanden, jeweils drei für Erkennen, für Helfen und Dienen. Nach der Vorstellung haben wir gemeinsam darüber gesprochen. Das erste Mal überhaupt haben länger diskutiert. Wir dabei den Grill oben auf der Terasse fast vergessen und eine Viertelstunde überzogen. Das war ganz fantastisch!

Nun denn, klickt mal durch, wenn Ihr Interesse habt:

 

Mit dem Begriff Dienen hatten die meisten Kollegen echte Schwierigkeiten: eine eher negative, abwertende Definition erzeugte Ablehnung, Widerstand. Den im gemeinsamen Gespräch zu überwinden, hat uns richtig weiter gebracht. Die Prinzipien zum Dienen gefallen wir mir eigentlich am Besten.

Mit dem Satz: Wir helfen gern hatte ich die meisten Schwierigkeiten: als dieser Satz an der Wand stand, sträubte sich alles in mir. Ich erinnerte mich an Momente, in denen ich nicht gern geholfen habe, weil… tja, weil es keine echte Hilfe, sondern Rettung war. Nicht Rettung aus Not, sondern Rettung aus Bequemlichkeit, Gier oder vor Frust. Auch erinnerte ich mich an Momente, in denen mir geholfen wurde. Aber nicht, um meiner Selbst willen, sondern um etwas zu erhalten, einen Pluspunkt, eine Gegenleistung, ein Dankeschön.

Im Streit um diesen Satz: Wir helfen gern! entstand die Einsicht, in den Management Prinzipien nicht unsere Absicht, unseren Wunsch oder unser Ideal oder Anspruch an uns selbst zu formulieren. Es geht nicht darum aufzuschreiben, wie wir gerne wären, wie wir die Welt und uns gerne sehen würden. Sondern es geht vielmehr darum, unsere Einsichten zu formulieren und unsere Klarheit auszudrücken in sorgsam gewählten, wenigen Worten.

Und so wurde aus: Wir helfen gern unser §4 Wirkliche Hilfe bedeutet, das in diesem Moment notwendige zu tun. und Wirkliche Hilfe ist selten und wertvoll.

Das ist jetzt nur ein Beispiel von vielen, wie diese Prinzipien entstanden sind. In den nächsten Tagen und Wochen werden mein Team und ich sicher weiter an diesen Themen arbeiten. Uns vor allem überlegen, wie wir diese Prinzipien bei uns tiefer verankern können, wie wir sie präsentieren und in unserer Erinnerung wach halten. Ich glaube wirklich, dass sie uns bei unserer weiteren Arbeit helfen können. Und ich helfe doch wirklich gern. 🙂

 

 

 

 

Soziale Distanz

Berlin, 5:55, Tag 818

Heute Nacht habe ich schön erzählerisch geträumt. Bin mit einer Dreierlösung für irgend ein Problem aufgewacht, wusste mich aber schon beim Augen aufschlagen nicht mehr zu erinnern.

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Der Sonnenaufgang ist heute auch ruhiger und friedlicher. Aber grad eben erst, eine halbe Stunde nach Sonnenaufgang, fing das heutige Leuchten erst an. Eine Wolkenformation ist aufgezogen, welche wieder etwas Drama für den heutigen Moment der Verbindung erzeugt.

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Heute ist mtc All Hands Tag.

Ich bin, wie immer eigentlich, leicht aufgeregt. Das Konzept schon fertig, die Slides noch nicht, die Erinnerungsmail hab ich gestern nicht mehr geschrieben.

Schön ist, dass ich trotz der Aufregung nett zu mir und anderen bleiben möchte. Ich merke, dass ich zwar konzentriert, aber nicht genervt von Störungen bin. Auch lenke ich mich ab, mit allem möglichen Dingen, um der Fertigstellung der Slides zu entgehen, aber ich lächle bei Entdeckung dieses Verhaltens eher über mich, als mich ertappt zu ermahnen.

Na, das ist doch Fortschritt.

Gestern war ein grosses Thema, dass ich als Oberchef wohl oft zu nett und zu verständnisvoll sei. Die Putzfrau so: ich kenne keinen anderen Oberchef, der sein dreckiges Geschirr selber in die Küche bringt. Und weiter, der immer ohne Anzug sei und mit dem man normal reden kann. Mhh?

Das ist natürlich ein zweischneidiges Schwert, wie so vieles.

Manchmal spüre ich sehr stark, wie sich einige bei mtc danach sehen, dass sie gerne einen grossen, lauten, visonären Egomanen als Oberchef hätten, der sie vor allem Unbill der Technik und den Kunden schützt, sie aus allen Katastrophen errettet. Jemand der ihnen sagt, was sie machen oder nicht machen sollen, der sie bestraft, wenn sie Mist bauen und der sie belobigt, wenn sie ihren Job gut machen. Also nein, sie wollen natürlich nicht, dass man dies alles wirklich für sie/mit ihnen tut! Nein, sie wollen eigentlich nur jemand zum Oberchef haben, der dies für sie tut, aber nur genau dann, wenn sie es selbst wollen und brauchen. Ansonsten soll er bitte in seinem schönen Einzelbüro bleiben und nicht bei der Arbeit stören.

Ich hab das mal als soziale Distanz kennen gelernt.

Durch meine vielen Aufenthalte in der Türkei weiss ich, dass die dortige soziale Distanz zwischen Schichten in der Gesellschaft aber auch Organisationen und Familien viel größer ist, als bei uns. Durch meine Arbeit für viele Grosskonzerne weiss ich, dass die dortige soziale Distanz zwischen den Ebenen der Organisation viel größer sind, als bei uns, bei mtc. Zumindest äusserlich ist dort klar und deutlich zu erkennen, wer jeweils das Sagen haben möchte und die Verantwortung tragen sollte. Das orientiert und hilft sicherlich. Diese Rituale und Kategorien ermöglichen, zumindest erleichtern sie sicherlich manchmal das zusammen Leben und Arbeiten.

Aber sie sind für mich auch Quelle vieler Konflikte.

Aber ich mag es eben zu sehr, mir solche eigentlich unbewussten Verhaltensweisen bewusst zu machen. Zu versuchen, sie zu verstehen, sie bewusst einzusetzen. Dresscode, Pünktlichkeit, Agenda, Sitzordnung, Moderation, Stimmlage, Stile sind so die eher indirekten Instrumente. Anweisungen, Vorgaben, Strukturen, Prozesse, Entscheidungen, Aufgaben, Ziele sind direktere Instrumente. Oder Werkzeuge? Handwerkszeug? Nein, für mich sind es eher Instrumente zum Musik machen. Und nicht Werkzeuge, um ein Produkt zu erzeugen.

Hier breche ich oft unbewusst mit den Erwartungen meiner Kollegen und auch Kunden. Und zwar um etwas ganz Bestimmtes zu erreichen. Ich provoziere einen Mismatch, benutze eine zu schnell überwundene Distanz, erzeuge durch zu grosse Offenheit ein Unwohlsein.

Das strengt mich und andere oft an, aber ich habe keine Wahl. Es ist wie beim Leuchten am Morgen. Ich muss dann das Foto machen. Es ist wie kurz vor dem mtc All Hands. Ich bin dann aufgeregt.

Noch habe ich keine Wahl.

Ich lese mich grad selbst und finde mich doch naiv. Schreibe hier vor mich hin, über etwas, was nicht klar ist in mir, was mich beschäftigt und dem ich so Aufmerksamkeit, Raum und Zeit gebe. Dadurch entwickelt sich das Thema aber! Nur dadurch. Dort, wo wir hin schauen, verändert sich etwas. Nur dort.

Die Auflösung gestern war wunderschön. Eine kurzer Blitz der Einsicht.

Es geht um Selbstbewusstsein. Sich selbst bewusst sein. Es geht um Aufmerksamkeit und Achtsamkeit. Unser eigenes Ego erzeugt den Mismatch, die Provokation und den Konflikt. Es gibt kein Opfer. Es gibt keinen Täter. Es gibt nur mich. Ich bin Opfer und Täter zugleich. Mein Ego erzeugt die Differenzen, die Polaritäten, an denen ich mich reiben kann.

An den Nahtstellen, den Übergängen spüre ich besonders einfach, besonders intensiv, dass ich am Leben bin, dass ich lebendig bin.

Aber lebendig sein heisst auch immer, eine Wahl zu haben und sein Leben selbst zu gestalten. Im Licht von Aufmerksamkeit, nur im Licht von Achtsamkeit, nehmen wir wahr, was wirklich ist. Nur so können wir all die Vorstellungen, die Geschichten und die Erinnerungen auch als solche erkennen, als Konstrukte unseres Geistes, unseres Egos.

Dann können wir vielleicht sehen, dass es jedem so geht? Dass wir nicht allein damit sind, dass es nicht nur uns so geht? Vielleicht sehen wir dann, dass wir uns immer entscheiden können, wohin und worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten? Was wir achtsam betrachten, was wir durchlassen und einladen mit unserer Wahrnehmung?

Ich habe eine Wahl. Immer!

Wünsch Euch aufgeregt einen schönen Mittwoch!

Über Weises Führen…

Istanbul, 5:31 CET, Tag 594

Heute Nacht habe einen Tintenfischmann gesehen, als ich auf die Strasse trat. Sein Gesicht, wie aus Star Wars. Erst starrte ich kurz, ich wollte heraus finden, ob es sich um eine Show oder eine offizielle Sehenswürdigkeit handelte. Nein, es war nur ein Mann mit einem Gesicht wie ein Tintenfisch. Meine Kleine weckte mich. Später erinnerte mich der Wecker daran, aufzustehen

Gestern hab ich mir hier eine Playlist für Leadership erstellt. Es gibt zwar iTunes U, in denen Kurse von Universitäten kostenlos verfügbar sind. Ich hab das schon vor einer ganzen Weile entdeckt, aber nie wirklich reingeschaut. Beim letzten Flug hierher war es aber soweit, vorher die Vorlesungen und Kurse runterladen und man kann sich ganz bequem offline alles anschauen.

Eines meiner ersten Abos war das von TED – Leading Wisely, einer Auswahl von 11 TED Vorträgen zum Thema Leadership. Weil man in iTunes U ausser offline schauen, nicht viel mehr machen kann, habe ich mir die Playlist auf youtube erstellt.

Den Start machte ein Video von Itay Talgam, ein Dirigent, der am Beispiel von anderen, sehr bekannten Dirigenten deren Führsungstile erklärt: und deren Körpersprache hat mich dabei umgehauen.

Dann ging es weiter mit Simon Sinek und seinem Vortrag über die kleine Idee von Was? Wie? und Warum? Er erklärt in seinem Vortrag, warum uns manche Organisationen sympatisch sind und sehr erfolgreich. Es liegt daran, dass sie zuerst erklären, warum sie etwas tun, dann wie und was. Die überwiegende Mehrzahl aller Menschen und Firmen aber nur erklären kann, was sie tun. Einige können uns auch noch erläutern, wie sie etwas tun. Aber beim Warum reduzieren sich viele auf Lebensunterhalt, Geld verdienen.

Aber Geld zu verdienen ist eben nur ein Ergebnis, aber nicht der Zweck, der Sinn von Arbeit und von Unternehmen. Sicher gibt es Unternehmen, die nur für den Zweck des Geldverdienens gegründet wurden. Das Problem dabei ist aber, dass sie das natürlich nicht so direkt kommunizieren können. Man erkennt solche Firmen daran, dass sie im Marketing fast ausschließlich an unseren Geiz und Gier appellieren. Mir sind beim Anschauen die Probleme in meinem Leadership Seminar im letzten November wieder eingefallen, denn genau diese Aspekt des Warum spielen einfach eine zu kleine Rolle in unserer Gesellschaft. Dabei ist es doch so klar!

Als dritte und letzte Empfehlung dann noch Dan Pinks Talk über das Puzzle der Motivation. Er stellt ganz klar dar, dass Icentives, also Boni, Prämien oder ähnliches nur bei einfachen, klar geregelten Aufgaben funktioniert. Bei den unspezifischen Aufgaben unserer heutigen Zeit, die mehr Kreativität und Engagement verlangen, sind solche Incentives eher kontraproduktiv.

So, mit diesen drei Empfehlungen möchte ich diesen Freitagspost beschliessen.

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Wünsche Euch einen tollen letzten Arbeitstag in dieser Woche!