Zum Inhalt springen

Mit ‘libanon’ getaggte Beiträge

Einfach mal nichts machen…

Silivri, 8:32, Tag 282

Ich musste zum Flieger, Koffer schon gepackt, Anzug brauch ich nicht, ich will eh immer leger gehen. Es ist Aufbruchstimmung in dem Raum, der Wohnung. Die Bewohner sind alle verschwunden. Ich schaue mich um, muss gleich los. Dann kann ich hinter die Kulissen schauen und sehe, dass die Bewohnerin sich mit ihrem Hund versteckt hat. Den Eingang zum Versteck kann ich nicht entdecken, selbst in meinem Traum soll das vor mir geheim gehalten werden. Oben sieht es ganz normal, eher einfach, braun, grün, gelb eingerichtet aus. Das Versteck ist eine Art Hightechlabor, hermetisch abgeriegtelt, aber wohnlich, alles weiss und silbrig glänzend. Der Hund frisst, die Frau liest, ich schaue zu und muss doch gleich los. Das Taxi kommt nicht. Es weiss nicht wohin, ich kann es an die Kreuzung in der Nähe schicken, weiss aber die Adresse nicht, die Frau im Versteck kann ich auch nicht fragen, ich hab den Eingang ja noch nicht gefunden, bin allein in der fremden Wohnung mit dem Versteck und wache auf…

Hier noch zwei Videos aus Beirut von letzter Woche. Das erste ist ein Rundblick durch die Jounieh Bay, einmal von Norden nach Süden geschwenkt.

Und das zweite ist ein kurzer Schwenk durch den vollen Mittagsverkehr irgendwo zwischen Jounieh und Beirut in einer Art Gewerbegebiet aus dem 12. Stock gefilmt. Dem Land, das so viel Verkehr mit so vielen Autos hat, bei Spritpreisen um die 2$ je Liter, dem kann es doch nicht schlecht gehen…

Zu viel mehr reicht meine Kraft und Lust immer noch nicht, vielleicht lade ich noch ein ganz langes Video hoch, ich spiele hier etwas, lese viel. Ich glaub, ich mach wohl grade einfach mal Urlaub, einfach mal gar nichts und ich geniesse es doch sehr!

Nachtrag: hier noch ein 9 minütiges Video von der Abfahrt mit der Teleferique in die Jounieh Bay:

Der osmanische Beiteddine Palast im Libanon…

Silivri, 11:08, Tag 279

Würd‘ ich mich bloss erinnern, könnt ich jetzt meinen Traum aufschreiben. Ich habe den Schlaf wieder sehr genossen, bin erst um 2 dazu gekommen. Der Flieger hatte fast ne Stunde Verspätung. Der Bekannte, der mich abgeholt hat, dann auch noch mal.

Hier mein Lieblingsbild von gestern, als ich den osmanischen Beiteddine Palast besichtigt habe, der sich eineinhalb Stunden Autofahrt südlich von Beirut befindet. Die Dame fotografiert den Harem mit ihrem iPad und ich hatte das Glück, unverfänglich schräg hinter ihr, auch Fotos zu machen. 😉

Leider wurde grade das Beiteddine Festival veranstaltet und der Innenhof war zugeräumt mit Tischen und einem Laufsteg, auf dem Vorplatz war eine riesige Bühne mit Tribüne aufgebaut, das kannte ich auch schon aus Baalbek und scheint hier im Sommer üblich zu sein. Aber zum Glück übten die Models grade ihren Auftritt, das war wenigstens ein kleiner Ausgleich…

Der Palast ist ein Wunder aus Sandstein, hat mich voll an den Topkapi Palast in Istanbul erinnert, mit Harem, Hammam und schattigen, kühlen Grotten die zum Garten führen. Wer Fan grossartiger Handwerkskunst und oritentalischer Architektur aus dem 18. Jahrhundert ist, der kommt hier kaum wieder raus.

Man kommt so nah an alles ran, wie bei fast allen Museen und Palästen hier, mir fast unheimlich nah. Selten stehen mal Do Not Touch Schilder, die Gäste werden mit ein paar Seilen darauf hingewiesen, wo man nicht möchte, das man hingeht.

Es ist ein wunderbar entspannter Umgang mit diesen Resten der vergangenen Kulturen, die hier ihren Platz hatten.

In diesen Untergeschossen, die in den Garten führten, war es aufgrund der extrem dicken Wände wohl so angenehm kühl, auch ohne die sonst über allgegenwärtige Klimaanlage.

Der Palast ist strategisch günstig auf einem steilen Hügel angelegt, so dass man nach drei Seiten eine tolle Aussicht hat.

Drum herum gab es nicht so viel. Kleine Dörfer und Städte mit den hier überall sehr dominierenden Autowerkstätten. Sicher gibts ab und zu einen Klamottenladen oder anderes, aber neben den Schrottteilen und Autos, fallen nur noch Kinderspielzeug und Chipstüten und ab und an buntes Obst und Gemüse auf. Im Verhältnis: 2/3 Autowerkstätten, 1/3 der ganze Rest.

Aber auch die muslimisches Libanesen lieben das Grillen im Grünen. Auf dem Rückweg haben wir kurz angehalten an einem kleinen Fluss, der voll mit Plastetischen und Stühlen zum Grillplatz mit fliessendem Abwasch umfunktioniert worden ist. Dann wurde ich noch von Khaled zum Abendessen zu sich nach Hause eingeladen, was sehr lecker und auch sehr interessant war. Aber das sind irgendwie beides extra Posts und auch andere Bilder, die ich hier nicht reinmischen möchte.

Deshalb verabschiede ich mich mal mit einem Selbstportait am Bacchustempel in Baalbek lehnend von Euch…

und schliesse hiermit die Beirut/Libanon Reihe vorerst ab. Ich hoffe sehr, meine Reiseberichte und Eindrücke haben Euch gefallen? Über ein Like, einen Kommentar oder gar Eure Fragen würde ich mich sehr freuen!

Mleeta, Libanons Hisbollah Museum und der Bazaar in Saïda…

Beirut, 7:37, Tag 278

Gestern Abend bin ich ungewöhnlich zeitig ins Bett, habe beim langsamen Einschlafen geträumt, es im Tiefschlaf vergessen und bin heute morgen schön ausgeruht, traumlos aufgewacht.

Am Mittwoch in Baalbek hatte ich Khalid, den shiitischen Fahrer gefragt, was man denn noch so machen könne hier. Nach ein wenig nachdenken schlug er Mleeta vor, einen Tagesauflug auf einen Berg in den Südlibanon, die ehemalige von Israel besetzte Sicherheitszone.

Auf dem Berg hat die Hisbollah (Hezbollah, Hasbullah) aus einem ihrer ehemaligen Hauptcamps eine Art Kriegsmuseum gemacht, das an die Widerstandsbewegung 1985-2000 erinnert.

In 2010 wurde es eröffnet, besteht aus einer „The Abbys“ genannten Bereich, in dem zerstörte Israelische Panzer und Geschütze in Beton gegossen angeordnet sind. Ein spiralförmiger Weg führt immer tiefer in diese Kriegshölle hinein. Am Ende kann steht man zwischen den zerstörten Waffen.

Dahinter wurde zwischen den Bäumen „The Path“ angelegt, bis zu 7.000 Kämpfer waren hier früher versteckt in Tunneln und unter den dichten Bäumen. Der Weg zeigt Kampfstellungen weitgehend im Original-Zustand nachgebaut, alles von Stacheldraht umgeben und man kann einen alten Maschinengewehrbunker und zwei hunderte Meter lange Tunnelanlagen incl. der ausgestellter Aufenthalts-, Schlaf-, Gebetsräume besichtigen.

In einer Mehrzweckhalle wird ein 12 Minuten „Propaganda“ Film mit der Sicht der Hisbollah auf der Konflikt gezeigt, der mit den Worten „Isreal has fallen“ endet. In einer weitere Art Ruhmeshalle, werde Zitate von israelischen Politikern nach dem Rückzug aus der Sicherheitszone, vielerlei weiteres Kriegsgerät und auch eine Liste aller strategischen und taktischen Ziele in Israel gezeigt.

Weiter oben ein Berg auf dem Blumenbeete, eine hoher Flaggenmast und eine Tafel an die gestrobenen Martyrer erinnern soll. Und dann erwische ich grade diesen Moment:

Hier die offizielle Webseite von Mleeta, dann Wikipedia und ein Blogartikel darüber mit vielen Bildern, die ich auch gestern gemacht habe.

Nach dem wir dann von dem 1.000m hohen Berg Mleeta wieder an der Küste des Mittelmeeres runter gefahren waren, sind wir zum Mittagessen in Saïda geblieben und einmal durch den dortigen orientalischen Bazaar gelaufen.

Es waren nur ein paar schnelle Bilder im Vorbeigehen möglich, mit dem besten Falafel Libanons in der einen und der Kamera in der anderen Hand. Herrlich trotzdem, wie viel ursprünglicher, direkter und damit auch unglaublich schöner dieser Bazaar ist, zum Beispiel im Gegensatz zu dem von Touristen völlig überlaufenen Grossen Bazaar oder Gewürzbazaar in Istanbul.

Durch enge gerade Gassen schlängelt sich die Geschäfte in einem vielleicht 500x500m Areal der Altstadt von Saïda

Auch hier natürlich Kabelgewirr unter der Decke des Gemüsestandes.

Und der Fleischer kriegt grad Schafsköpfe geliefert – bähhh!

Hier eine Werkstadt für Shisha Pfeifenköpfe, der Meister findet sicher alles, was er braucht in Sekunden… wenn er nicht da ist, braucht er sich auch keine Sorgen machen, anderen sind im Chaos verloren.

Viele Singer Nähmaschinen, fast alle der sicher 20 Schneider und Schuhmacher des Bazaars, hatten eine.

Dann haben wir Nachtisch entdeckt, mhhhh!

Und hier ein Kaffeeofen… herrlich, oder? der Kaffee vom Holzkohlenofen…

Gestern war meine letzte Nacht in Beirut, heute spät abends geht’s zurück nach Istanbul für zwei weitere Wochen Urlaub, nicht mehr im chaotischen, wunderschönen Libanon, sondern im ruhigen Sommerhaus in Silivri. Ich werd viel Zeit haben für die Mädels, den Garten und die vielen Projekte, die auf meinem Laptop und im Netz auf mich warten. Danke an Romeo, Khalid und Abdul und die vielen anderen hier, die mit ihrer überwältigenden Gastfreundschaft diese intensive Woche Urlaub so angenehm, interessant und aufregend gemacht haben.

Elektrische Gebetskerzen, Notstrom, Lichtschwerter: ein Tag in Jounieh, nördlich von Beirut…

Beirut, 8:48, Tag 277

Geträumt von einem Spanferkelessen einer Ausbildungsklasse, unreal dicke Scheiben haben die anderen auf ihren Tellern, eine lange Tafel, dann Schnitt. Wir gehen durch einen Flugzeughangar, ein Auszubildender fühlt sich ungerecht behandelt. Seehofer ist dabei und will das klären und läuft zu jemandem, um die offizielle Beschwerde zu verfassen. Derjenige, ein Meister, kommt von seinem Flugzeug runter, schaut mich fragend an, ich weiss nicht, wie die Abteilung heisst, in der wir arbeiten, er lässt mich auflaufen, stellt sich dumm und sagt immer wieder, dass er das nicht kennt, und wie das denn richtig heissen würde. Seehofer steht neben mir, es ist mir unendlich peinlich und ich wache auf…

Hier noch ein paar Bilder von gestern hier aus Jounieh, nördlich von Beirut. Es war ein ruhiger Tag, der mit einem Ausflug zu einer Marienstatue, die auf einer hinter der Bay liegenden Hügelkette steht, startete. Um dort hin zu kommen, benutzt man die Teleferique genante Seilbahn. Ab 11 etwa hat sie offen, wir sind gleich mit der ersten Gondel hochgefahren.

Dort oben im Fusse der Maria, habe ich meine erste elektrische Gebetskerzenanlage gesehen.

Dann gab es ein traditionelles libanesisches Mittagessen mit rohem Fleisch, sehr lecker. Der Tag ging dann weiter in einer ultramodern designten Hookah Bar, ich kenn (nicht kann) jetzt drei Varianten Tavla, also Backgammon: die Klassische, dann eine Nicht-Rauswerf- und die Gefängnis-Variante.

In der Bay wird dieses Wochenende ein Festival veranstaltet, das durch überall an der Küste aufgestellte Strahler auf sich aufmerksam macht. Dazu werden dann mobile Generatoren an die Küste gefahren, die jeweils zwei dieser Strahler mit Strom versorgen.

Hier läuft übrigens alles über lokale „Notstromaggregate“. Eigentlich stehen an fast jedem grösseren Haus grosse brummende Diesel, manchmal mehrere auf einem Haufen, die über ein wirres Kabelgewirr mit den umliegenden Häusern oder Geschäften verbunden sind. Nur das die hier eben nicht „Not“strom sind, sondern entweder immer laufen, aber mindestens ein paar Stunden am Tag, weil in Beirut so ca. 3-4 Stunden am Tag der Strom abgestellt wird, im Rest des Landes gibt es nur 3-4 Stunden am Tag überhaupt Strom. Im Alltag merkt man ausser gelegentlichen 10sekündigen Stromaussetzern, vermutlich bis der Diesel anspringt und jemand einen Knopf drückt, aber eigentlich nichts davon.

Nun noch ein paar Eindrücke vom Sonnenuntergang und Lightsaber Festival in Jounieh gestern Abend.

Wünsche allen einen grossartigen Samstag…

Bäume sind Gedichte, die die Erde in den Himmel schreibt…

Beirut, 9:37, Tag 276

Beim Aufwachen habe ich meinem Traum beim Vergessen zugeschaut…

Der Baalbek Tag klingt noch in mir, eigentlich alles hier. Ich komme gar nicht nach, kann nicht verdauen. These are times of fast food and slow digestion schreibt der Dalai Lama mir heute. Ich nehme mir zu wenig Zeit für mich, um alles zu verdauen. Ich habe mich wohl vom Fast Food Takt Beiruts einfangen lassen. Bin gestern nach Jbeil umgezogen, weil ich nicht nur das Zentrum der Hamra Street erleben wollte, hier ist wieder alles so anders… aufregend!

Gleich geht mein Tag los, aber ich poste und kommentiere unbedingt noch ein paar Bilder von vorgestern! Gestartet wird mit etwas über 2.000m, dort gibt es bewässerte Kirschplantagen am Rande von Baalbeks Hochebene, es gibt wenig Köstlicheres!

Und das Bauchgluckern nach 1 Kilo Mundraub – einfach Herrlich! 😉

Dann wenige Minuten später, wenige Meter höher musste ich dort hochklettern und den Schnee anfassen! Hier in Middle East, Schnee, im Juli, vor 1 h noch bei 40 Grad im Schatten zerflossen… jetzt knapp über 0, aber immer noch im T-Shirt, weil die Sonne auch hier oben noch genügend wärmt auf der Haut.

Dann ein winzig kleiner Wald, der Wald von Gottes Zedern. Die Natur ist so voller Kraft und schon vor tausenden Jahren haben die Menschen diese Pracht benutzt für ihre Boote und Pyramiden. Auf dem letzten Bild eine ca. 4.000 Jahre alte Zeder. Es sind wunderschöne, kraftvolle, duftende Bäume. Und dass hier alles voll damit war, raubt mir immer wieder den Atem.

 

 

Hier ist Khalil Gibran geboren. Hier hat er bis zum Alter von 12 Jahren gelebt. Hier hat sein Vater bis zu seinem Tod gelebt. Ein winziger Raum, in einem Dorf kurz unterhalb des Zedernwaldes. In einem nahem Museum ist er bestattet. Wer ihn nicht kennt und deshalb nicht versteht, warum mir dieser Zufall so wichtig und wertvoll ist, dass ich ungeplant über sein Haus gestolpert bin, der liest einfach ein paar Zitate von ihm zum Beispiel hier oder einfach sein Buch Der Prophet.

Einer meiner Kindheitsträume hat sich erfüllt: Baalbek…

Beirut, 9:25, Tag 275 (noch 89 Tage)

Heute war die Nacht voller (falscher;) Vorurteile über eine grosse Behörde, mit der ich arbeite. Ein Meeting, Gespräche, aber alle so voller Andeutungen von Heimlichkeiten, Gefälligkeiten und Bevorzugungen, dass mir der Kopf schwirrte. Die Insolvenz eines befreundeten Unternehmens hab ich auch geschafft, einzubauen. Dann ein gemeinsamer Flug, der zu einer Zugfahrt, im Regionalexpress, dann der S-Bahn wurde, ein Wagon am Ende transportierte den Hubschrauber, der kurz vor Ankunft versteckt wurde, damit nicht zu sehr auffällt, welche Verschwendung dort herrscht.

Gestern ist für mich einer meiner Kindheitsträume in Erfüllung gegangen. Ich war in Baalbek!

Als Kind habe in einem der Roman der SF-Utopia Reihe von Baalbek gelesen, vielleicht in Nabou von Günther Krupkat, aber wahrscheinlicher in Wie Kapitän Nemo starb von Josef Nesvadba. Kann grad nicht nachschauen, bin ja unterwegs, und die Fan’s ostdeutscher utopischer Romane haben noch keine Zusammenfassungen ins Netz gestellt. Vielleicht hole ich das mal nach.

Na jedenfalls unternahmen die Protagonisten in dem Roman meiner Erinnerung, meinem Traum nach eine Reise zu den Tempelanlagen von Baalbek, weil sie dort die Auflösung des Rätsels um den Tod von Kapitän Nemo erwarteten.

Die Beschreibungen der Ausmasse, der riesigen Ausdehnung der Anlage, Fundamente von 30 x 80 Metern Länge, einzelne Säulen mit 60 Tonnen, Ecksteine mit 100 Tonnen Gewicht und der größte Stein der Welt, 1.000 Tonnen schwer, der noch im Steinbruch liegt, das Rätseln über die Herkunft all dessen, die Unmöglichkeit solcher Architektur vor 2.000 Jahren, die Unvorstellbarkeit, dass Krane damals diese Gewichte bewegten und 20 m Höhe hieven konnten. Vor 2.000 Jahren!

Das alles stand in dem Buch und sorgte dafür, dass ich davon zu träumen begann, einmal selbst in Baalbek zu stehen, um es mit eigenen Augen sehen zu können. Um selbst entscheiden zu können, ob es wirklich Ausserirdische gewesen waren, die dies getan hatten, um Landerampen für ihre Raumschiffe zu haben. Ein Nebeneffekt der Bauarbeiten, dass den Sumerern noch die Keilschrift zufiel und später, als sie wieder weg waren, begannen die Menschen, die Rampe als Heiligtum zu verehren und bauten Tempel darauf.

So kann es gewesen sein! Wirklich!

Das Ding haut mich aus den Socken. Es ist unfassbar grossartig, gewaltig! Zwei Stunden lang bin ich wie besoffen durch die Ruinen gelaufen. Habe irgendwie Fotos gemacht, aber einfach auch deshalb, weil es für mich keine angemessene Reaktion auf diesen Wahnsinn gibt. So hab ich einfach so getan, als müsste ich alles fotografieren. Nur so konnte ich auch wieder gehen.

Die verbliebenen sechs von vierundfünfzig – jeweils 60 Tonnen schweren – Säulen des Jupiter Tempels von Baalbek

 

Der kleinere aber weitaus vollständiger erhaltene Bacchus Tempel, gleich neben dem gewaltigen Plateau des Jupiter Tempels. Hier zwischen den sechs Säulen des Jupiter Tempels durch fotografiert.

 

Das erste Mal, dass ich froh war, andere Touristen mit aufs Bild zu kriegen, um die gewaltigen Ausmasse auf den Bildern erkennbar zu machen.

 

In den Himmel des Bacchus Tempels fotografiert, wie diese Steine da hochgekommen sind, unfassbar, unglaublich, ungeheuer!

 

Die Rückseite des Bacchus Tempels mit vielen umgefallenen Säulen, eine lehnt noch an die Tempelwand.

 

Hier ein letzer Blick auf die 6 Säulen des Jupitertempels mit Mensch…

 

Danke für die Tour an Halid, der mich gefahren und geführt hat. Ich hab mich trotz der mindestens 20 Strassensperren, die wir passiert haben, sogar mit – nah der syrischen Grenze – eingegrabenen Panzern immer super sicher gefühlt. Wie bei einer Fahrt durch die Türkei sah es aus, die Menschen alle freundlich, friedlich. Wie Menschen bei sich zu Hause eben so sind.

Der Tag gestern war noch so viel voller! Am höchsten Berg Libanons über den Pass mit über 3.000m, Hochgebirgskirschen geklaut, Schnee angefasst und Blumen neben dem Schnee fotografiert. Dann bin ich durch einen von drei noch verbliebenen Zedernwäldern gelaufen, dem „Wald von Gottes Zedern“. Und wieder könnte ich mich einen Schwall von Superlativen und Unmengen von Adjektiven loslassen. Vor den Römern waren alle Berge hier von solchen Zedernwäldern bedeckt, sich das vorzustellen, bewegt mich sehr tief! An einer viertausend Jahre alten Zeder habe ich 10 Minuten meditiert, das war richtig schön! Und dann weiter, habe ich ein Schild vom Geburtshaus Khalil Gibran’s gesehen, angehalten und mir sein Leben erzählen lassen von einer alten Dame vorm Haus. Und noch tausend Dinge mehr und wieder mal war klar, Zufälle gibt es nicht im Leben! Aber Bilder krieg ich davon grad nicht hochgeladen, das Internet sei grad kaputt, sagen hier alle…

Also dann, geh ich jetzt mal wieder los, auf ein Neues! Ich bin gespannt!

 

Ein bebilderter Ausflug nach Jeita und Byblos im Libanon…

Beirut, 8:15, Tag 274 (noch 90 Tage)

Verrückt geträumt, ein richtiger Spielfilm! Auf der Heimfahrt durch Brandenburger Alleen. Plötzlich Armee, mehrere Strassensperren, zuletzt ein Schild 6 km/h darf ich noch fahren. Ein Soldat winkt, ich solle bremsen. Ich seh von Ferne eine Kolonne, Armeefahrzeuge die Landstrasse queren, als ich näher komme, sind sie weg. Ich halte fast an, schaue vorsichtig rechts und links und quere die Stelle.

Weiter gehts, bis ich in Ganzow ankomme. Ein kleines Dorf. Ich fahre auf den Marktplatz und mache Fotos von den historischen Lehmwänden der Häuser (die wie im Dorf meiner Kindheit! aussehen). Ein Typ mit einem riesigen Pudelkopf drängt sich ins Bild und will unbedingt fotografiert werden, es spielen Kinder im inneren des Hauses. Dann im Arztwartezimmer. Oder eigentlich nur in einem Wartezimmer, in das auch ein Artzt gekommen ist, um die Wartenden zu untersuchen. Nicht mich, ich bin nur Zuschauer, Zugereister.

Wir sind im Vorraum eines hier lang berühmten Partyortes, bis ein stark geschminkter Clown, die obere Gesichtshälfte silbern, den Unterkiefer golden, sein Kopf sieht aus wie ein Ei, welches beim Sprechen am falschen Ende aufklappt, die gesamte Aufmerksamkeit auf sich zog. Wir schauen zurück zum Wartezimmer, als das gesamte Haus beginnt, zu qualmen. Es ist das Haus des Clowns, welches gerade abbrennt. Panik! Er springt aus seinem Fass, das seinen dicken Bauch bildete und in den Dorfteich, stopft das Fass in den Abwasserkanal, der sich unter Wasser befindet, springt hinterher und wird in letzter Sekunde wieder rausgezogen, als im Haus die Toilette explodiert und das Feuer damit gelöscht ist. Der Dorfpolizist kommt zu spät angerannt und fragt, wie es aussieht. Alle antworten durcheinander: Ja, unglaublich, aber es ist noch schlimmer, als beim letzten Mal! Ich wache auf…

Gestern sind wir nach Jeita Tropfsteinhöhlen und in die älteste Stadt der Welt nach Byblos gefahren. Da wir gleich nach Baalbek aufbrechen und ich wohl zu spät aufgestanden bin, hier einfach die Galerie eingefügt, in den Titeln der Bilder steht drin, was es ist.

Viel Spass beim Durchblättern!

Ein bebilderter Spaziergang durch Beirut…

Beirut, 8:44, Tag 273 (noch 91 Tage)

Heute ausgeschlafen von 9 bis 7 und meinen ersten Traum in Beirut geträumt, von einem Frisörnotdienst, weil auf meiner linken Kopfseite irgend jemand einfach mit der Schere die halbe Seite abgesäbelt hatte. Dann habe ich eine meiner alten Wohnungen leer räumen dürfen, was ich angeblich vergessen hatte. Ich ging im Geiste die Abbuchung vom Konto durch und wunderte mich, weil jahrelang keine Miete abgebucht wurde. Auch die Möbel erkannte ich nicht wieder, aber eine alte Laptoptasche fand ich, darin die defekten Vorgänger aller der Dinge, die ich heute in der Tasche hab. Der Hund meiner Kindheit tauchte auf und freut sich wie damals, mich zu sehen. ‚Geht’s Dir gut?‘ frag ich. ‚Jaaa‘ sagt er. ‚Jeden Abend bringt mir jemand Essen,‘ und dann viel leiser weiter ‚aber ich habe trotzdem immer Hunger.‘ und damit wache ich auf…

Gestern extrem city exploration. Von 9 bis 7 draussen unterwegs, Kopfschmerzen von der einen Shisha am Strand oder wahrscheinlicher von den Abgasen. Von einem Stadteil in den nächsten zu kommen, geht hier nur über enge Strassen voller Stau. Die Klimaanlage wird für Ausländer nur gegen Aufpreis angeschaltet, sonst wird Sprit gespart und mit offen Fenstern gefahren. Taxis sind Dauerhuper, weil sie immer neue Fahrgäste aufnehmen, die in die gleiche Richtung wollen. Dazu wird jedes Stoppen, sei es wegen Ampel oder Stau mit Protesthupen aller Autos begleitet. Der krasseste Typ war ein Fahrer, in einem uralten Toyota, dem beide Beine fehlten. Er hatte zwei wacklige Stangen an Gas und Bremse geschraubt. Oben klebte je ein Stückchen Blech und er bediente das Auto mit seinen Knien. Stoisch rauchte er eine nach der anderen und fuhr uns durch den Stau ins Zentrum, lies keinem anderen Auto auch nur einen winzigen Vorteil, ohne den unter Einsatz aller Mittel wieder auszugleichen. Kliché erfüllt!

Was mir noch aufgefallen ist: alle Bauarbeiter leben auf ihren Baustellen und haben es sich so gemütlich wie möglich eingerichtet. Für Baucontainer ist kein Geld und Platz da, es geht auch so. Habe sogar ans Baugerüst angeschraubte Satellitenschüsseln entdeckt.

Dann nervt natürlich die extreme Militärpräsenz überall hier. Das Militär ist ganz sicher ein wichtiger Arbeitgeber und auch ein grosser Sicherheits- und Machtfaktor, wobei solche Panzer schon eher selten im Stadtbild sind. Häufiger sind Militärposten an Gebäuden und auf Strassen, alle schwer bewaffnet.

Am Eingang zum Regierungsviertel, Downtown, lassen es sich diese drei hier zum Beispiel nicht nehmen – vor unseren(!) Augen – den Gurt ins Maschinengewehr zu legen und durchzuladen. Eine kindische Abschreckung, die aber bei mir zumindest, funktioniert. Mit mulmigem Gefühl schiebe ich die Mädels schnell an der Mündung vorbei.

Es gab wohl ein Ministertreffen, sagte uns ein Taxifahrer. Aber um zu relativieren, die deutschen Polizisten in voller Einsatzmontur sehen Robocop viel ähnlicher und sind damit irgendwie bedrohlicher, nur haben sie eben nicht so grosse Knarren dabei, wie die hier.

In Beirut wird man zum Schattenläufer. Da bin aber geübt durch das Regenschatten laufen in Berlin, da ich nie einen Schirm dabei habe. In der Sonne brauchste hier nicht zu laufen, das führt zu einem Anstiegt des Wasserverbrauchs auf sicher 1 liter/h.

Das nächste sind solche Kriegs- oder Zeitruinen, die es überall gibt in Beirut.

Und eine neugebaute Moschee im Zentrum, das aus schönem Sandstein aber auch total künstlich aussieht. Potsdamer Platz auf orientalisch eben, das Sony Center des Orients. Das mag ich irgendwie nicht.

Wie überall weiter Südlicher hat jeder Mc Donalds – also auch hier – einen Lieferdienst mit Mopeds, neu war mit die Rucksackauslieferung, hier im Bild.

Ausgeruht haben wir uns nach einem Tag im Taxi in der Stadt, dann abends am Strand. Ein winziges Shisha Cafe, mit grossartigem Blick auf Wellen und Angler im Schatten.

Mit letzter Kraftanstrengung dann zu Fuss zurück ins Hotel. Wir wollten einfach kein hupendes Taxi im Stau mehr, auch nicht für die fünf Minuten. Diese Entscheidung führte dann zu weiteren Attraktionen, hier Gerüstbaukunst vom Feinsten.

Und nebenan das Parkhaus ist ein Bestseller? Keine Ahnung, was das heissen soll.

Habe alles hier mit dem iPone aufgenommen, das fällt weniger auf, weil alle hier Telefon in der Hand haben. Denn mit einem Fotoapparat – auch mit meiner kleinen Olympus – fühle ich mich sofort misstrauisch als Verdächtiger beäugt.

Mit diesem Spaziergang durch Beirut verabschiede ich mich für heute morgen, noch ausgeruht, von Euch!

Ganz Beirut freut sich über Spaniens Sieg…

Beirut, 7:05, Tag 272 (noch 92 Tage)

Geträumt und vergessen. Wenig geschlafen. Lautes Hupkonzert bis weit nach Mitternacht, weil hier wohl alle Spanien Fans sind. Lärm zur Nacht ist immer eine interessante Übung. Dabei nicht unruhig zu werden, sondern einfach zu zuhören, ist immer wieder eine interessante Herausforderung.

Mir ist heute überhaupt nacht Schreiben hier, vielleicht fehlt mir meine Morgenroutine von zu Haus. Durch die späte Nacht, kann ich nicht so viel zeitiger vor den Mädels aufstehen. Nun poste ich einfach ein paar Bilder von gestern und verabschiede mich in einen neuen Tag!

 

Ach, meine zwei neuesten Sounds kann ich ja noch nachlegen. Erst mal der arabische Kommentator hier im Fernsehen, kurz vor dem

 

Und dann eine Minute Feierstimmung auf der Hamra Street.

 

So, nun aber! 😉

Erste Eindrücke von Beirut…

Beirut, 8:32, Tag 271 (noch 93 Tage)

Geträumt von einer Party, alle übernächtigt, keiner weiss mehr, was passiert ist. Zum Erholen geht’s nach oben, viele Treppen, ich laufe hinterher, wird schon alles richtig sein.

Es ist heiss in Beirut! Die Stadt lebt nachts mehr als tagsüber. Es ist eine Autostadt. Unser Hotel für die erste Zeit ist in einer Nebenstrasse der Hamra Street, einer sehr belebten Strasse echt mit Starbucks, Dunkin Donuts und sogar einem H&M. Grad sitz ich in Caribou Caffee, einem Starbucks Clone um die Ecke.

Gestern am Nachmittag ein langer Spaziergang nach der Besichtigung unserer vorher organisierten Apartments. Der Eigentümer eines 8 stöckigen Hauses, Pierre, zeigte uns seine Wohnungen. Er war sehr stolz, fast überheblich. Das erste hatte zwar einen tollen Ausblick, lag direkt über seiner eigenen Wohnung, war aber noch verdreckter und verfallener als das zweite, in einem kleinen Häuschen mit netten Amerikanern als Nachbarn. Nur soviel noch, wir suchen die nächsten Tage hier erst mal weiter, obwohl das Häuschen ginge vielleicht.

Ich bin Nachts noch mal los ans Meer gelaufen, das war sehr schön. Fühlen uns hier sicher, die Menschen sind alle freundlich, alle sprechen gutes Englisch. Es gibt verhältnismässig wenige Touristen. Ok, abends hier auf der Hamra Street sind schon einige unterwegs. Aber trotzdem, sie dominieren nie das Strassenbild.

Drei Reisetips zum Merken, erstens zur Fortbewegung. In Beirut bewegt man sich mit dem eigenen Auto oder Taxis, Busse habe ich noch nicht erkannt. Wenn ich richtig vermute, sind das mehr Kleinbusse, die überall halten und keinerlei Beschilderung für die Route haben. Beim Taxi gibt es zwei Modi: den Taxi Modus und den Service Modus, in dem noch weitere Fahrgäste auf dem Weg zum Ziel aufgesammelt werden dürfen und der nur 20% der normalen, exclusiven Fahrt kostet. Also: immer Service sagen, sonst kostet die 10-minütige Fahrt 10 statt 2$, aber erst nach dem Einsteigen, da die Fahrer auf unsere Frage Service? einfach immer mit Taxi? antworten.

Dann zweitens Internet. Es gibt eigentlich überall WLAN’s, die allerdings fast alle von IDM verwaltet werden. Man kriegt an der Kasse der Cafes kleine Schnipsel mit User/Passwort. Ich hab mir gestern aber noch zwei lokale SIM Prepaid Karten geholt, damit Seda und ich uns erreichen können in den nächsten drei Wochen, wenn sie ihr Praktikum macht. Dort sind 250MB pro Monat inclusive, die ich hier nur für die Orientierung und Foursquare nutzen werde, die Background Daten im Android kann man zum Glück abschalten! Und dazu noch fürs Laptop eine reine 3G-Datenkarte von alfa. Wir habe von den Amerikanern, die das Geld für ihr Leben hier im Netz verdienen, gehört, dass alfa zwar etwas teurer ist, aber die etwas bessere Netzabdeckung hat. Die Alternative wäre mtc touch, was mir vom Namen her ja sehr sympathisch ist. Die Kosten bei alfa für 500MB sind 20$ und einmalig 40$ für den USB Stick. Die Prepaidkarten kosten auch 40$ das Stück, sind dann aber schon mit ausreichend Frei Minuten/SMS für unseren Bedarf ausgestattet.

Zum Schluss noch Geld: ec-Automaten habe ich noch nicht gefunden, mit Kreditkarte kann man aber teuer Cash am Automaten bekommen, das funktioniert. Und für einen Dollar gibt es 1.500 libanesische Lira/Pfund, das ist etwas anstrengend zum Umrechnen. Aber man kann überall mit amerikanischen Dollar oder dem libanesischen Pfund bezahlen, die Kassen in den Restaurants drucken beides auf die Quittung und selbst die Taxifahrer können in beiden Währungen wechseln. Die Preisunterschiede sind zwar enorm, aber generell ist mein Eindruck, dass sogar hier im Zentrum alles weitaus günstiger ist, als in Istanbul oder Berlin.

So, und mit ein paar ersten Bilder von gestern verabschiede ich mich…

leicht lächelnd aus Beirut für heute von Euch!