Über die Reziproziätsfunktion von Automatons

Ich bin faul. Gehe nicht mehr raus für meine Sonnenaufgänge. Fühlt sich an, als ob das eine Ewigkeit her ist. Ist bestimmt gar nicht so lang.

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Heute Morgen leuchtet es mich wieder an, als ich meine Morgenroutine startete. Ein kurzer Blick von der Terrasse, der leider nicht unverstellt ist, bestätigte die Wahrnehmung.

Und eben das hier. Ein superhelles Leuchten neben mir am Küchentisch.

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Kommt nicht richtig rüber. Aber der Kirchturm leuchtet richtig, richtig hell. Wie eine gigantische Kerze.

Fühlt sich wieder komisch an. Hab ich jahrelang schon gemacht. Trotzdem kriecht eine kleine Sorge in mein Zwerchfell. Gut! Da kommt mir eine kurze Episode von gestern Abend  in den Sinn. Die passt hier ganz gut.

Also, irgendwann vor zwei Wochen bekomme ich einen Brief von einem Anbieter von Weiterbildungen für Führungskräfte. Sehr freundlich, professionell. Ich krieg den nur auf den Tisch, weil ein kleiner Kasten aus Holz dabei liegt, in dem sich erkennbar durch ein kleines Fenster, eine Dollarnote befindet.

Im Brief steht, der Dollar sei echt und dies sei eine Rätselbox. Ich sollte doch meine Führungskräfte auf ihre Schulungen schicken, dann würde ich das Rätsel des Geld verdienens lösen könne, oder so ähnlich. Es ging bestimmt auch um versteckte Potentiale. Eigentlich egal. Ich legte die Box an die Kaffeemaschine. Wir waren mehrmals kurz davor, den Werkzeugkoffer zu holen, aber übten uns dann doch in Geduld.

Na jedenfalls überfiel uns gestern jemand am Telefon und wollte unbedingt mich persönlich sprechen. Meine Teamassistentin reichte mir schon das Telefon durch das leer geräumte Büro (ihr erinnert Euch: Überschwemmung) und sagte mir einen Namen, den ich aber gar nicht kannte. Also lehnte ich ab. Die Überfallerin schrieb daraufhin wieder ganz professionell eine Mail, dass sie mich unbedingt wegen dem Schreiben sprechen müsse. Woraufhin sie eine freundliche Absage mit einem Verweis auf unsere Personalverantwortliche bekam. Mal schauen, wie es weiter geht. Soweit zum Kontext.

Nun zum Link zu meinem Blog. Ich schrieb gestern noch meinem Team, dass es doch ganz einfach sei, an ihnen vorbei an mich ran zu kommen. Man müsste sich nur ein wenig Mühe geben und würde relativ schnell bei meinem Blog landen. Hier könne man alles finden, um mit mir persönlich sprechen zu können.

Vorhin überlegt ich aber, ob es nicht usus, gelebte Praxis, höflich, o.s.ä. sei, den Vertriebsaufwand des Dienstleisters durch eine persönliche Kommunikation zu honorieren? Vermutlich funktioniert das wirklich erstaunlich oft. Eben weil es so ist, dass es eben üblich ist, wenn man eine halbwegs aufwendige Massenmail bekommt, doch zu antworten und persönlich abzusagen. Ignoranz ist doch schlimmste.

Grade denke ich an obdachlose Bettler, die wir auch allzuoft ignorieren, selbst wenn sie einen Heidenaufwand treiben, um unsere Aufmerksamkeit und Spende zu erhalten.

Dieses in uns Menschen eingebaute Prinzip der Reziprozität, ich schenke jemandem mein Lied, meinen Brief, meine Rätselbox und bringe ihn damit in eine Antwortschuld.

Facebook macht das ja auch mit seinen Videos: schau, unsere Programmierer haben sich echt Mühe gebeben, aus Deinen Schrottfotos ein tolles Video zusammen zu schneiden, mit Grafiken zu illustrieren und gar mit Musik zu unterlegen, jetzt share das doch bitte auch in Deinem Newsfeed. Ohahh, da werd ich grad aggressiv!

Nochmal, es funktioniert ja wirklich gut! Viele, viele sharen, klicken, spenden oder antworten und so entstehen dann sicherlich wirklich manch neue Beziehungen zwischen uns Menschen. Zumindest, interagieren wir miteinander auf dieser Basis.

In unserer industrialisierten Welt ist das vermutlich auch der Normalzustand der Interaktion zwischen Menschen. Aber ich denke grade, dass wir so zu Dingen auf dem Fliessband unseres Lebens werden, eher zu Automatons. Und wenn ich das bin, dann brauche ich tatsächlich eine Schulung!

Zurück zum Anfang! Wenn sich jemand wirklich Mühe gibt, ein Teil seiner Intention und seiner Motivation aus echtem Interesse an meiner Person besteht, dann kommt er immer an mich ran. Das ist ein erschreckender Gedanke. Aber er beschreibt einfach nur eine Lebensrealität. Selbst ein Zeugenschutzprogramm gibt keine absolute Sicherheit. Wir können uns nicht einigeln, verstecken und hoffen, dass uns nichts passiert. Solch ein Leben möchte ich nicht führen.

Wir können nur raus gehen und unser Leben leben. Und wir können uns nur jeden Moment neu entscheiden, ob wir aus Angst vor dem oder aus Freude über das Leben heraus handeln? Jeder auf seine Weise.

Die einen, in dem sie mir Briefe schicken und anrufen, weil sie davon überzeugt sind, dass mir ihre Dienstleistung fehlt und mir helfen, mich besser machen würde.

Die anderen, in dem sie die Briefe lesen und ablegen, weil sie die bewusste Entscheidung treffen, dass das Thema grad jetzt nicht dran ist.

Sollten wir der Mühe anderer, immer mit eigener Mühe begegnen? Hat das etwas mit Respekt und Wertschätzung zu tun? Sollten wir nicht werten? Nicht wissen!

Sondern sollten wir nicht für uns entscheiden, einfach weiter unserer Intuition zu folgen, für andere da zu sein, anderen zu helfen und dabei einfach unser Leben voll zu leben? Wie wird man dabei nicht verrückt?

Es ist ein Dschungel da draussen…

Berlin, 6:25, Tag 627

Heute Nacht hatte ich einen leichten Alptraum. Auf einer Dschungelfahrt mit dem Boot auf einem Fluss bemerkte jemand plötzlich kleine Blutegel an mir und zog sie mir einem Ploppen von meiner Haut. Einer war schon zu tief, links hinten am Rücken über den Nieren. Ich wachte kurz nach 2 auf, als jemand versuchte ihn rauszuholen und träumte davon sogar weiter, als ich mich wieder hinlegte. Erst ein Atem zählen und Lächeln beendete das zum Glück schmerzfreie rumpulen…

Es passiert so viel gerade, ich weiss gar nicht, wo ich anfangen soll. Diese Tage sind intensiv und lang und schön und produktiv! Ich könnte wieder nur Tagebuch schreiben und Euch von den fünf Treffen/Meetings/Abstimmungen gestern nacheinander erzählen. Na, ich picke mir nur eines raus:

Gestern mittag habe ich einen schönen Podcast mit meinem Freund Tony für GuerrillaFM aufgenommen: über meine 3 Schritte, 7 Ebenen und 2 Grundsätze bei (Preis)Verhandlungen mit dem Einkauf. Das könnte ganz gut geworden sein.

Das passt ausserdem extrem gut, weil ich -was der aufmerksame Leser schon weiss- eben gerade in diesen Tagen wieder mal eine grosse Runde beim Einkauf drehen darf und ich somit mitten im Thema stecke. Abonniert am besten gleich den Podcast in iTunes oder als RSS, sonst verpasst ihr das noch 😉

Oder schaut Euch das vorher erst mal an: denn Tony hat grade eben eine spitzenmässiges neues Design und Layout für GuerrillaFM gelauncht:

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Was auch toll ist, durch dem Podcast entsteht eine kostenlose, frei verfügbare Wissensbibliothek zum jederzeitigen Nachhören zu sehr viele Themen rund um einen sehr weit gefassten Marketingbegriff.

Seit vier Jahren schon erscheint dieser wöchentliche Podcast, den ich wirklich jedem empfehlen kann, der irgendwie noch im Berufsleben steckt, aber auch denen, die ihren Lebensunterhalt nicht mehr oder noch nicht verdienen müssen, seien diese 20m Marketing pro Woche ans Herz gelegt, denn…

…es ist ein Dschungel da draussen! 😉

 

Eine eiskalte Seifenblasenshow…

Istanbul, 6:05 CET, Tag 570

Heute Nacht hat eine Ex versucht, mich wieder zu kriegen. Wir hatten eigentlich ein gutes, entspanntes Verhältnis bis ich die kleinen Hinweise bemerkte, wie sie auf Kontakt mit mir wartete. Ich kam in der WG an und bis zum nächsten Morgen übersah ich sie, hoffentlich verstand sie nun. Einmal sah ich, wie Säulen für einen Palast aus Bäumen, die horizontal in der Erde wuchsen, geschnitten wurden und ich wachte ruhig vor dem Wecker auf…

Eigentlich doch eine tolle Idee: Sonntag Mittag, trotz besten Wetters für eine Stunde eine Seifenblasenshow in den Trump Towsers um die Ecke hier, 10min zu Fuss weg? Klar, das machen wir…

Ich kannte das dritte Untergeschoss schon von einem Spaziergang vor einem halben Jahr. Die Türken haben in den neuen Einkaufszentren fast immer eine ganze Etage nur für Kinder gebaut, mit Stunden-Kindergarten, Kino und allen Geschäften für Kindersachen, Spielzeug, etc. Man könnte meinen, das sei Kinderfreundlich, ist es aber nicht: es ist doch nur Shoppingfreundlich.

Gestern also sind wir in die Bubbleshow dort. Unglaubliche 60 TL Eintritt pro Person, der erste Schock, aber wir konnten ja nicht wieder umdrehen. Das Theater, in dem das statt fand vielleicht zu einem Drittel gefüllt. Eine junge Dame, Amerikanerin mit noch schlechterem türkisch als ich, macht alleine auf der Bühne Seifenblasen. Das konnte sie ganz gut, die Tricks und die Effekte funktionierten alle ganz wunderbar. Und es gab ein paar tolle Effekte und Überraschungen incl. einer wirklich gut gemachten Lasershow gegen Ende.

 

Das was mich aber erschreckt hat, war das unverholene Marketing mit und auf Kosten der Kinder. Für drei Tricks mit riesigen Seifenblasen wurden insgesamt 6 Kinder auf die Bühne geholt, die in quälend langen Minuten aus dem Publikum ausgesucht wurden, ein schönes Lächeln sei das entscheidende Kriterium, sagte die Dame.

Die Kinder wurden hoch geholt, in Ganzkörperseifenblasen gesteckt, am Ende bekamen Sie ein in Plastik verpacktes Seifenblasenspielzeug: diese Geschenkübergabe wurde als Teil der Show auf der Bühne zelebriert, schön viel Aufmerksamkeit, Beifall und Scherzen und vorherigem Fragen nach Name und Alter, damit es auch jeder mitbekam, wie toll das alles ist.

Von den vielleicht 100 Kindern im Theater waren nun 94 frustriert, dass sie nicht ausgewählt wurden, auf die Bühne konnten und ein Geschenk bekamen. Das ganze passierte drei mal hintereinander, damit es auch wirklich jedes Kind mitbekam und verstand, was hier passierte.

Nach einer halben Stunde gab es eine Pause in der ich bemerkte, was ich beim Reingehen übersehen hatte: die Tische voller in Plastik verpacktes Seifenblasenspielzeug und eine Fotoecke, bei der man sich für erneute Zahlung von 25 TL in einer Seifenblase fotografieren lassen konnte, was exakt dem auf der Bühne eben 3-fach gezeigten und mit Applaus und Geschenk belohnten Vorführung entsprach.

Ihr könnt Euch vorstellen, wie einige der 96 frustrierten, nicht ausgewählten Kinder ihre Eltern malträtierten um ein wenig auszugleichen, dass sie eben nicht ausgewählt worden sind, obwohl sie doch ein so tolles Lächeln hatten und es so sehr wollten.

So perfekt, so perfide und so offensichtlich hatte ich eine amerikanische Marketingmaschine noch nicht erlebt.

Es ging nicht im geringsten um die Kinder oder um das Erlebnis. Die gesamte Veranstaltung war wie eine Maschine, die nur darauf ausgerichtet ist, jedem möglichst viel Geld aus der Tasche zu ziehen. Alle die dort mitarbeiteten, ahnten das. Ich sah es ihren gelangweilten Gesichtern an. Selbst der 21-jährige Amerikanerin mit ihrem perfekten Lächeln, entglitt selbiges ab und zu und ich sah, dass es nur ihre Maske war, die Gleichgültigkeit und Abgestumpftheit versteckte. 

Sie verkaufen ihre Zeit, ihren Körper und ihre Seele und machten das nicht aus Liebe oder Leidenschaft, sondern weil sie den Job und das Geld brauchen und die Macher der Show damit reich, sehr reich werden.

Es ging nicht darum, dass wir eine tolle Zeit hatten. Es ging den Machern darum, möglichst viel zu verdienen. Es ging nicht, um die Kunst zu fragen, um den Austausch, das Geben und Nehmen zwischen Künstler und Publikum. Hier wurden nur die Kinder manipuliert, damit der Umsatz stimmt.

Abends dann, nachdem alle schon im Bett waren, habe ich noch ein wenig in den TED Talks gestöbert und das zweite Video war das hier, von Amanda Palmer, über die Kunst zu fragen. Das passt wieder mal so unglaublich:

Die Macher der Gazillion Bubbleshow beherrschen die Kunst zu Fragen eindeutig nicht (mehr)! Oder besser mit Amanda Palmers Worten: Sie haben die Frage beantwortet, wie sie Menschen zu bringen, für die Show zu bezahlen, statt es den Menschen nur zu zeigen!

I think people have been obsessed with the wrong question, which is, „How do we make people pay for music?“ What if we started asking, „How do we let people pay for music?“ ~Amanda Palmer at TED2013

 

Heizdecken und Langeweile auf dem 32. Mediengipfel in Berlin…

Berlin, 7:22, Tag 393

Heute Nacht habe ich von gestern Abend geträumt, aber der Traum ist verschwommen und verschwunden, als ich nach kurzer Nacht vom Wecker geweckt worden bin…

Dank Michael konnte ich gestern zum 32. Mediengipfel in Frank Gehry’s beeindruckender, wunderschöner DZ Bank am Potsdamer Platz gehen. Draussen sassen in der Kälte die hungerstreikenden, demonstrierenden Asylbewerber des #refugeecamps, drinnen gab es Häppchen und Sekt bei einem Treffen der Werbe- und Marketingleute.

Eigentlich sollte Amir Kassaei dort auf dem Podium sitzen, der hing wegen #Sandy in Brooklyn fest. So moderierte Hajo Schumacher (auch bekannt als Achim Achilles) nach einer respektlosen ich-bin-sooo-toll-kauft-alle-schnell-diese-super-Heizdecken-Präsentation des Gastgebers ein Podium mit vier Don Drapers der Agenturszene: Martin Blach (Zum goldenen Hirschen), Prof. Matthias Spaetgens (Scholz & Friends), Daniel Simon (Greenkern) und Frank Dopheide (dmarken).

Nur mal so vorweg: der Link der Ankündigung zum Mediengipfel auf der Homepage von media.net führte eben noch zu einer 404. Drei der vier Panelisten habe ich grade auf Twitter mit einer Google Suche Vorname Nachname Twitter partout nicht gefunden. Aber noch was: ich bin ja kein Werber und hatte wirklich keine Erwartungen an den Abend. Amir ist mit ein Begriff, vom Rest wollte ich mich überraschen lassen.

Nach dem ich durch die Heizdecken schon in leicht gereizter Stimmung war, stellte Amir kurz per Skype drei technologische Trends vor. Erstens die digitale Vernetzung, die die Grenzen zwischen Online und Offline aufheben wird. Dann einen sozialen Trend, bei dem er geänderte Wertesysteme, und Ansprüche der Menschen gegenüber Produkten und Marken beobachtet, einen stärkeren Wunsch nach Ehrlichkeit. Und drittens einen ökönomischen Trend, eine Notwendigkeit für ein neues Wirtschaftssystem und einen Kapitalismus der ein qualitatives, substantielles und nachhaltiges Wachstum erzeugt.

Es könnten meine Worte sein! Wenn die Trends eintreffen, wird die Welt auf den Kopf gestellt, auch die des Marketings.

Sein Fazit für den Start der Diskussion lautete: Marken müssten es in Zukunft schaffen, ein Netzwerk (kein Soziales Netzwerk!) für die Marken aufzubauen, um an jedem Punkt des Kontakts zum Konsumenten und Nutzer eine relevante, substantielle Erfahrung zu bieten. Also nicht nur etwas versprechen, sondern das auch bei jedem Kontakt echt einhalten. Kreativität in Agenturen kann nicht mehr eindimensional gesehen werden, sondern solle breiter gefasst werden: Marketing der Zukunft würde bedeuten, dieses Netzwerk zwischen Produzent und Konsument, zwischen Anbieter und Nutzer aufzubauen. Full ack!

Habe gerade wie zur Bestätigung das hier  in meinem Newsfeed gefunden:

Blind consumerism driven by spoon-fed corporate advertising is on its way out. Consumers are starved for a new type of corporate engagement, a new form of capitalism. We are realizing that there is little correlation between owning „stuff“ and being happy.

und war voll bei der Sache und freute mich sehr auf den Abend, zumal Hajo äusserst eine grossartige und witzige Moderation ablieferte.

Dann passierte das hier:

 

Die Podiumsteilnehmer gaben einfach Kontra, widersprachen und machten deutlich, dass sie von Amirs Thesen (also eher von ihm persönlich) nichts halten würden und das doch alles ok ist, alles schon bekannt sei und sich gar nichts gross ändern würde. Ja, es könnte sein, dass heute für Budget von 20mio niemand mehr erreicht werden würde. Ja klar, man müsse auch Online machen, aber das sei doch nur weiterer Kanal. Konvergenz sei nur ein weiteres Buzzword. Ja, in China passiert was, die kommen bald zu uns und fressen alles. Ja, Marken müssen ehrlich sein, aber das doch aber schon immer so,… etcblabla.

Aber wo war das Neue? Ich dachte, ich höre nicht richtig! Hajo mühte sich ab, wenigsten ein Stück weit dem Motto des Abends: Stürmische Zeiten/was ist Zukunft des Marketings zu entsprechen. Aber alle vier sahen wenig bis nichts Neues. Einer sagte gar: jetzt im Oktober stehen die Budgets fürs gesamte nächste Jahr doch schon fest… ein anderer wir machen doch Werbung für Produkte, die vor zwei Jahren entwickelt worden sind. Ich war entsetzt!

Nach einer Stunde war es vorbei, Hajo beendete das Drama mit der Frage nach dem Leitmedium der vier und legte mit Spiegel Online vor, weil der erste Befragte sich dumm stellte und nicht antworten wollte. faz, waz, handelsblatt, etc, alles print, seien ja schliesslich unsere Kunden. Einer erzählte erst gar, dass er jede Woche zwei grosse Einkaufstüten mit Altpapier der vielen von ihm abbonierten Leitmedien aus dem Haus tragen würde.

Hajo faste in seinem Schlusssatz sarkastisch zusammen: Print ist nicht tot! Die anderen nickten zustimmend. Oha!

 

Also für mich haben sich diese vier Agenturen dort oben als reine Handwerksbetriebe positioniert und sie waren stolz drauf und zufrieden damit.  Irgend etwas neues oder zukunftsweisendes ist von diesen vier Kreativen nicht zu erwarten. Als Vertreter der Kreativwirtschaft predigen sie ihren Kunden, man müsse sein Markenversprechen halten und sie zeigten gestern Abend das genaue Gegenteil. Meine Herren, sie haben mich gelangweilt! Aber ich muss zugeben, vor allem durch Amir und Hajo und die Gesellschaft von vielen Gleichgesinnten im Publikum habe ich mich trotzdem grossartig amüsiert… wenn sie mich lassen, werde ich wohl nächstes Jahr wieder dabei sein auf dem Mediengipfel! 😉

Was mich jeden Morgen aufstehen lässt: über meine Mission und über Marketing!

Istanbul, 7:30, Tag 347

Heute Nacht in einem Hochhausgewirr den Parkplatz eines Kunden, unseres Zieles gesucht, mehr umher geschaut, aber nirgendwo blaue P Schilder gefunden, überhaupt keine Ahnung entwickeln können, wo zu parken sei. Dann das gleiche von vorn, von einem anderen Standort aus, und dann immer wieder. Die Fahrten zwischen den Suchen habe ich ausgeblendet, es ging im Traum nur um das umherschauen zwischen den gläsernen Hochhäusern und den Plätzen dazwischen, alles übrigens menschenleer! Jetzt fällt mir wieder ein älterer Traum ein, der am Ziel in einem Parkhaus spielte, mit gewundenen Auffahrten, niedrigen Decken, aber davon habe ich heute Nacht nicht geträumt.

Bin mit leichten Halsschmerzen und zuer Nase aufgewacht, das hatte sich Aleyna gestern schon von der Schule mitgebracht, und an mich weitergereicht. Sich dann in der Morgenmeditation auf den Atem zu konzentrieren, ist bei einer Erkältung immer eine ganz besondere Herausforderung. Früher haben die Zigaretten überhaupt nicht mehr geschmeckt, heute ändert der Schnupfen die Atmung, so dass die Meditation erst mal nicht mehr schmeckt… krass!

Bin zum Glück wieder versöhnt etwas mit den Erregungswellen, deshalb soll es heute um kein neues iPhone und auch um kein krankes Schwein mehr gehen, sondern um meine Mission!

@heyamerrae Excellence is not an act, but a habit. // lovely card from the lovely @sarahkpeck

 

Seit Wochen schon versuche ich rauszukriegen, auf welcher Mission sind wir eigentlich. Oder haben wir gar keine? Ok, einfach einen guten Job machen, tolle Software entwickeln, echten Support leisten, ein nützliches Produkt haben, dabei mit eher Freunden als Kollegen zusammen arbeiten, Spass und Freude haben, Sicherheit fühlen, sich entwickeln können, das sind so die Dinge, die mir sofort einfallen. Das ist doch schon mal so etwas wie eine Mission!

Sie hat dazu geführt, dass wir mit fast 60 Leuten (58 bei der letzten Zählung, davon 32 fest Angestellte) in unserer Organisation mtc zusammen arbeiten. Und irgendwie ist es passiert, dass uns der Laden sogar gehört, also mir, zusammen mit einem mich wunderbar ergänzenden Partner. Geplant war das alles so nicht! Es ist einfach passiert, es ist das Ergebnis von langjährigem Machen, täglichem Tun, immer wieder, dran bleiben, nicht aufhören, nicht wegrennen, sondern stehen bleiben und das tun, was zu tun ist. Die vielen die geblieben sind, glauben wohl daran, dass das Leben/die Arbeit zusammen -in genau dieser Form- einfach besser ist, als allein oder woanders.

Was ich aber auch sehe ist, dass eigentlich ein Mangel bei unseren Kunden, ein Mangel an professioneller Unterstützung, an gutem Handwerk, an verlässlichen Mitarbeitern dazu geführt hat, dass wir ein Geschäft daraus machen konnten, dass uns andere dafür bezahlen, ihren Job besser als sie selbst zu machen. Dabei ist es einfach so, dass immer noch ca. 20% aller IT-Arbeiter in den grossen Konzernen von Dienstleistern wie uns stammen, trotz steigender Industrialisierung und massivem Outsourcing in mehreren Stufen und Wellen in den letzten 20 Jahren.

Eine hohe Anpassungsfähigkeit an die Strukturen und Ziele der Kunden ist dabei die Voraussetzung für eine langjährige Partnerschaft. Und genau deshalb heissen wir Moving Targets Consulting. Wir sind nicht wettbewerbsorientiert, nicht produktorientiert, wir sind nicht mal wirklich technologieorientiert (nur technologiebegeistert;). Wir sind wohl ganz einfach vor allem kundenorientiert. Dabei immer unauffällig, anschmiegsam, bescheiden und immer da, wenn es Probleme gibt, immer mit einer Idee einer Lösung, sich dabei niemals vor den Kunden drängelnd, wenn es um das Feiern der Erfolge geht, fast bis zum Verlust der eigene Marke, die eigenen Identität.

Was ich noch sehe, ist ein Mangel an qualitativ hochwertigen Informationen (über neue Patentveröffentlichungen) bei unseren Kunden, welcher dazu führt, dass wir ebenfalls dafür bezahlt werden, eigentlich frei verfügbare Informationen professionell zu indizieren, zu durchsuchen und für die Weiterverarbeitung aufzubereiten. Eine extrem hohe Verlässlichkeit, fast schon eine gewisse Trägheit, dabei extrem tiefes Nischenwissen gepaart mit der Fähigkeit einen Prozess, immer wieder genau gleich ablaufen zu lassen ist hier die Voraussetzung, um jeden Monat die Gehälter zahlen zu können.

Soweit so gut! Ich bin dankbar und riesig stolz darüber, was mein Team daheim in Berlin jeden Tag leistet, so dass wir seit unserem Start zu zwölft in 2006, nun fünf mal so gross sind oder noch dramatischer ausgedrückt um 500% gewachsen sind, was einem jährlichem, organischem Wachstum von etwa 25% entspricht. Ohne Zukäufe, ohne Fremdkapital, alles aus eigener Kraft finanziert und gemacht. Im letzten Jahr hat unsere Bilanzsumme die 1 Mio € übersprungen, in diesem Jahr knacken wir erstmals die 4 Mio € Umsatz, bei gleichbleibend guter Ertragslage.

Das schreibe ich hier heute wohl alles nur auf, weil irgend etwas in mir möchte, dass wir die Texte auf unserer Webseite endlich mal aktualisieren. Damit das, was auf unserer Homepage steht, und wie es dort aussieht, besser widerspiegelt, wie es auch wirklich ist. Denn wir sind doch so sehr eine Webcompany, wir sind immer Online, haben grosse Teile unserer Infrastruktur in der Cloud, entwickeln Lösungen nur noch im Web für unsere Kunden und uns, beraten und begleiten den digitalen Wandel, der überall stattfindet.

Aber all das ist bisher ohne eine ordentliche Webseite, also ohne klassische Werbung im Internet entstanden, und dies klingt jetzt irgendwie nach Old Economy. Aber unsere einziges Marketing war von Beginn an immer nur erst mal einen guten Job zu machen und dann den Kunden/unsere Partner darüber reden zu lassen.

Ich glaube wirklich daran, dass wir so weniger scheinen, als wir tatsächlich sind. Aber ich fand es immer besser, dass unsere Kunden, unsere Partner und und auch unsere Mitarbeiter uns eher unterschätzen, denn die Chancen, Erwartungen zu erfüllen und oft sogar überzuerfüllen, steigen damit ganz einfach.

Dies ist ein viel ehrlicheres Marketing, als umgekehrt, seine Ziele und Wünsche ins Web dieser Welt zu rufen, und dann deren Erfüllung hinterher zu hecheln, sich abzurackern und dabei oft genug auszubrennen. Es ist so viel besser, zu sein, was man ist, als ständig zu versuchen, das zu werden, was man gerne sein möchte!

Und ich weiss, wovon ich rede, denn in den ersten sieben Jahre meines Unternehmer seins bis 2005 habe ich genau das gemacht: wir sollten und wollten eine deutschlandweit tätige Unternehmensberatung mit xx mal mehr Mitarbeitern sein, als wir tatsächlich hatten, die immer alles können und alles wissen. Ich habe mir Fallstudien aus den kleinsten Projekten aus den Fingern gesaugt, die so erschienen, als ob wir es waren, die Grossprjekte, ja ganze Grossbanken vor dem sicheren Untergang durch Pleite bewahrt hätten. Auch wenn es nur einen Briefkasten in Stuttgart und Münster gab, hatte wir dort jahrelang ganze Niederlassungen. Bezeichnenderweise trudelten in den Briefkästen immer nur die Werbung anderer ein, aber keine erstgemeinte Anfrage, die zu einem Job, einem Geschäft führte. Im Gegenteil, durch diese extremen Übertreibungen entstand sehr viel Frust (bei mir).

Und ich habe mir beim Neustart in 2006 fest vorgenommen, genau damit aufzuhören. Es wird immer klarer, immer deutlicher! Vor allem, wenn ich an einige derjenigen denke, die seit dem Neustart nicht mehr dabei sind, denen vermutlich dieses Ziel fehlt, diese Motivation durch das  noch nicht vorhandene, das Unerreichbare. Also das ist schon mal keine Mission für uns/für mich.

Was ist es dann? Mir fällt immer wieder die glasklare Mission von Facebook ein: make the world more open and connected. Nach solch einem Satz suche ich wohl auch und ich warte darauf, dass sich irgend etwas in meinem Bauch manifestiert, was sich auch so einfach, verständlich und klar anhört. Etwas, für das sich lohnt, jeden Tag aufzustehen, etwas, dass alle begeistert, die daran mit arbeiten. Wenn ich den einen Satz finden möchte, dann versinke ich jedes mal in chaotischem Rauschen. Sicher, wenig später schon – egal, wo ich hinschaue- sehe und finde ich viele, viele Anregungen, sehe klarer, wie andere zwar eine Mission haben, aber dann eben doch (noch) keine truly mission driven company sind.

Aber vielleicht übernehme ich so lange, bis es mir gelingt, meine ganz eigene Mission zu formulieren, die dort oben. Denn sie gefällt mir wirklich! Ich spüre ganz klar, wie mich das ungeheuer anzieht, wie ich beobachten und vielleicht sogar daran mitarbeiten möchte, diese Welt zu einem offeneren und besser vernetzten Ort zu machen.

Mich interessiert ganz kolossal, wie die Mitarbeiter unserer Organisation, unserer Kunden und unserer Partner, wie die ganze Branche, das ganze Land, der ganze Kontinent, ja -die ganze Welt- offener, ehrlicher, transparenter, besser vernetzt, miteinander kommunizieren, arbeiten und leben.

Unser australischer Designer Brent, der seit Februar in unserem Team ist, schickte mir heute morgen dies hier:

It’s not about ideas. It’s about making ideas happen.

It’s through mistakes that you actually can grow. You have to get bad in order to get good.

There is no such thing as finishing or failing. It’s all about the doing.

Track your small wins to motivate big accomplishments.

Every team member who brings intelligence, experience and passion to their creations should be called an artist or designer.

Focus on the excitement and it will lead you through the obstacles.

It’s not about the amount of wealth you can accumulate, it’s about the impact and change you can create.

Everyone gets stuck in the process of creating. It’s the great among us who religiously practice getting unstuck.

Don’t hesitate in taking risks and testing out an idea that you’re passionate about.

To execute a vision, good or bad, you’ve got to tune out the noise.

Continue to reinvent. Keep things moving, changing, growing and always a little bit out of reach.

You don’t need anyone else’s permission to create. Greenlight yourself and get to work.

Die auf mich oft sehr weise wirkende Moneymachine Seth Godin schrieb gestern auch irgendwie über das Thema Change/Wandel durch die neue, breite Verfügbarkeit von digitalen Tools:

Just because you know how to use a piece of software or a device doesn’t mean that there isn’t an amateur who’s willing to do it for free, or an up and comer who’s willing to do it for less.

[If you want to get paid for your freelance work…] then you need to develop both skills and a reputation for those skills that make it clear to (enough) people that an amateur solution isn’t nearly good enough, because you’re that much better and worth that much more.

Und ich würde sogar hinzufügen, dass das nicht nur für die Arbeit von Freiberuflern gilt, sondern sogar für alle Dienstleistungen!

Dann habe ich mir gestern auch das erste Interview von Mark Zuckerberg seit dem Börsengang angeschaut. Den ersten Teil am Anfang fand ich besonders spannend, hier so etwa bei 5:00 spricht er über den Zusammenhang zwischen Mission und Geschäft:

Building a mission and building a buisness goes hand in hand. The primary thing I get excited about, is our mission. But from the very beginning, we had this healthy understanding, we need to do both!

Er erklärt weiter, dass es dazu zuerst natürlich ein tolles Team braucht und eigentlich alles miteinander verwoben ist, Mission, Team, Tools und Geschäft. Aber bei Minute 7:00 spricht er im Zusammenhang mit dem niedrigen Aktienkurs über sein Verständnis von Motivation und das daraus resultierende Marketing:

What really motivates people at Facebook is building stuff, they are proud of. Thats universal. What resonates with a lot of people: Ok, I’m building something and show this to my friends and my family and I’m going to be proud, to do that. One of the things we found, when we release apps […] it drives a lot of recruiting, because people come to us and say: I want to work at this place, because your guys build that, and your are doing one of the most interesting stuff out there.

Diesen Samstagspost möchte ich beenden mit einem Artikel von Thomas Knüwer über Marketing in Zeiten des digitalen Wandels, der mir in vielen Punkten aus der Seele spricht und auch weil ich in der nächsten Woche einen Workshop zum Thema Facebook bei einem sturzkonservativen Kunden in Hamburg habe:

„Marketing ist die Planung, Koordination und Controlling aller auf die aktuellen und potenziellen Märkte ausgerichteten Unternehmensaktivitäten.“ […] 

Das ist eine ganze Menge Holz. Noch dazu – wenn wir über digitales Marketing reden – in einem Feld, das noch immer jung ist und sich rasant verändert. Sich damit auseinanderzusetzen erfordert Zeit, Engagement, Schweiß und Tränen. All jene Dinge, die im Tagesablauf einer Unternehmensführungskraft knapp oder nicht gefragt sind. […]

Inzwischen ist den meisten Marketingverantwortlichen klar, dass sie doch irgendwie auf diesen Plattformen aktiv werden müssen. Was sie dort in den meisten Fällen machen: Werbung. Bevorzugt besteht diese Werbung aus Gewinnspielen und zu gewinnen gibt es vor allem iPads (auch hier ist Kreativität ein rares Gut).

Dabei ahne ich ja, dass sich der Artikel hauptsächlich an die Marketingverantwortlichen von grossen Firmen/Konzernen, den potentiellen Kunden von Herrn Knüwer richtet. Aber ich versuche wirklich hart, genau keine=zero Werbung und es anders und damit vielleicht besseres Marketing zu machen!

So, das ist jetzt aber ganz ganz schön viel Input für einen Samstag geworden. Irgendwie könnte ich noch weiter schreiben, ich hab ja noch so viel mehr gemacht. Ist schon superkrass (sorry, Jörg;), zu wie viel Krams so ein -durch Erkältungsfieber leicht aufgeheiztes- Hirn manchmal in der Lage ist, oder?

Wünsche Euch allen ein wundervolles Wochenende!

Marketing ist überflüssig, wenn…

Istanbul, 7:33, Tag 180

Heute bin ich aufgewacht und dachte so bei mir, für diesen Traum brauchst du dir nur ein Wort zu merken, um dich zu erinnern. Ach wenn ich mich jetzt nach Duschen und Meditation nur erinnern würde, wie dieses Wort war…

Gestern ist mir wieder mal aufgefallen, wie überflüssig Marketing manchmal ist.

Wir sind seit Jahren basecamp.com Kunde, einer kleinen, feinen Online Projektmanagement Software. Mit der manage – hauptsächlich ich – ein paar Projekte mit externen Mitarbeitern oder auch Kunden. Ich mag auch das Buch rework, der beiden Gründer sehr.

Mit basecamp, so steht auf der Homepage sind schon ca. 8 Mio Projekte angelegt worden von hunterttausenden Kunden. Seit kurzem gibt es eine völlig überarbeitete, moderne basecamp Version und ich habe alle unsere Projekte erfolgreich migriert und den alten Plan gekündigt, den Account gleich mit gelöscht – losgelassen. Wozu noch aufheben, dachte ich so bei mir.

Gestern dann wollte ich mich wieder mal kurz mit Alternativen zu unserem relativ schwergewichtigen selbstgehosteten Kundenverwaltungs Systemen umschauen, wir haben bei mtc von Microsoft Dynamics und auch noch ein Lotus Notes basierte Anwendung im Einsatz für unsere ca. 8.000 Adressen.

Immer wenn wir die Einladungen zum Sommerfest oder auch Weihnachten vor der Tür steht, gibt es in mir das Bedürfnis: dieses mal werden wir unsere Adressen aufräumen, überprüfen und in ein System überführen, das wirklich einfach ist und alle Funktionen bietet, die wir für diese Aktionen benötigen.

Zum Beispiel mit Mailchimp, von denen kriege ich bestimmt zwei Drittel aller Newsletter, und zwar die von den wirklich coolen Firmen. Und dann lege ich mir dort einen Account an oder logge mich wieder mal ein, und versuche meine 1.000 eigenen Kontakte zu importieren und die neuen Funktionen auszuprobieren.

Wie ich mich also gestern – mal wieder – mit Mailchimp beschäftige, fällt mir dort im Bereich Integration auf, dass man neben Google Apps nun auch Highrise, die leichtgewichtige Kundenverwaltung der 37signals Mädels&Jungs, in Mailchimp integrieren kann.

Grossartig, dachte ich so bei mir! Das probiertst Du jetzt mal aus und wollte mir einen 30 Tage Testaccount bei Highrise anlegen, bzw. meinen Account reaktivieren. Durch die Migration zum neuen Basecamp und die Löschung meines alten Accounts war dies aber leider nicht möglich. Die Funktion war einfach nicht vorhanden.

Also, klicke ich auf den Support Button auf der linken Seite und nachdem ich in den FAQ nichts gefunden habe, fülle ich ein klassisches Supportformular aus und schicke es ab. Ich erhalte innerhalb weniger Sekunden eine erste Bestätigung.

Ich hab das aber gar nicht so genau gelesen, das Thema hatte ich für gestern schon abgehakt und mir vorgenommen, wenn in ein paar Tagen oder Wochen die Antwort da ist, dann werde ich das in Ruhe austesten. Ein ToDo brauchte ich mir nicht anlegen, die Antwortmail sollte das triggern. Doch dann:

Halb sechs abends, keine 90min nach Arbeitsbeginn der 37signals Supporter und keine 6h nach meiner Anfrage habe ich schon eine Antwort und nicht nur eine Antwort, sondern mein Problem ist gelöst und ein Highrise Account ist für mich aktiviert.

Oha! Mich hat es kurz aus dem Sofa hochschnellen lassen, so beeindruckt und begeistert war ich. Denn genau so muss Kundensupport aussehen, genau das ist Marketing. Die Jungs brauchen wohl nicht mal Mailchimp, sondern die machen einfach ihren Job und das Marketing übernehmen ihre zufriedenen Kunden, so wie ich es gerade mit diesem Blogpost tue. Ich bewundere 37signals absolut für diese Leistung!

Ich bemerke sofort, dass ich nun nicht nur unsere Kundverwaltung modernisieren möchte, sondern auch noch unsere Supportprozesse. Es gibt so viel zu tun… und solche grossartigen Beispiele inspirieren mich sehr und geben mir viel Kraft, einfach anzufangen und immer weiter zu machen! Einfach weil ich sehe, dass es funktioniert.

Marketing ist überflüssig, wenn man einfach seinen Job macht. Oder positiver ausgedrückt, das bessere Marketing ist es, wenn es gelingt, die Erwartungen seiner Kunden zu übertreffen.

So, nun aber zuklappen… jetzt ist Wochenende!

And If you have any questions, just let me know and I’ll be happy to help. And have an awesome weekend!

Lose Gedanken über Marketing…

marketing soll sein: transparente quelle für inspiration und des lernens, es lässt uns einander zuschauen beim benutzen der bank, der firma, der software, des produktes, des services….

marketing wird so sein, dass man bekannten, die einem etwas empfehlen beim benutzen desselben zuschauen kann, deren profil überprüfen un dabei feststellen kann, ob sie wirklich experten für das thema sind, man kann dann fühlen, ob sie authentisch sind.

marketing erfolgt in wellen, wie memes, die durch das internet wie dna geistern, sich fortsetzen, ständig mutieren, sich verteilen und teilen.

das wissen über gute lösungen zu gemeinsamen problemen wird immer größer. wir finden heute einfacher die anderen, die das gleiche problem haben. wir googlen sie, wir fragen unser netzwerk danach, wir suchen die öffentlichen informationen der freunde unserer freunde unserer freunde ab.

wir sind alle über 4,74 ecken miteinander verbunden, hat facebook für 2011 herausgefunden. das ist erschreckend wenig, das heisst doch: dass ein freund von mir einen freund hat, der wiederum einen freund hat, der jemanden kennt, der mit dem präsidenten der usa befreundet ist. und das im statistischen mittel, es kann also sein, dasss ihn ein freund kennt oder ich auch über 6 ecken, keine verbindung zu ihm finden kann.
das trifft auch auf probleme oder lösungen zu. wenn irgend jemand auf der welt das problem schon mal hatte, vor dem ich grade stehe, dann sind wir nur 4,74 hops von demjenigen entfernt.

ich sehe nur, dass wir entscheidungen wohl leichter, beruhigter, entspannter treffen, wenn wir mit dem strom schwimmen, wenn wir nichts neues, revolutionäres, noch nie dagewesenens tun, sondern einfach das, was mir ein freund empfohlen hat, was ihm auch geholfen hat, ihn irgendwie reich, berühmt oder zumindest einen moment lang glücklich gemacht hat.

aber wir passen auf, wenn wir uns in unbekannte gewässer begeben, wenn wir neues ausprobieren. wir schalten die aufmerksamkeitskamera an, passen besonders gut auf, sind ganz vorsichtig, dokumentieren alles, prägen uns alles besonders gut ein. und vor allem: wir erzählen dann den anderen von unseren abenteuern. wir zeigen die bilder, drucken sie aus, halten vorträge, schreiben bücher, werden geehrt, gefilmt, verfilmt, damit auch alle davon erfahren, von unserem glück, unserem unglück, der schläue oder dummheit, und eigentlich nur um zu wissen, wie wir uns entschieden haben. um es anderen zu ermöglichen, auch entscheiden zu können, ob sie das risiko eingehen wollen. die anderen können so sehen, wie es ausgegangen ist, auf der timeline vor und zurück spulen und auf ein scheinbar objektives gedächtnis zurück greifen.

ein gedächtnis, in denen alle noch so kleinen details abgelegt sind, denn irgend etwas war ganz sicher von bedeutung, ja entscheidender bedeutung.

mich interessiert wirklich, wie bekannte und freunde, die ich für bestimmtes verhalten bewundere oder auch nur einfach kenne, manche dinge in echt tun, die ich auch tue oder tun will: der hat einen job und so viel geld, wie ich auch gern hätte, wie überweist der sein eigentlich sein geld, welche musik hört der eigentlich, welche kreditkarten hat er, und wo kauft der online ein, ach der kauft gar nicht online ein, der geht in die mall, usw.

und genauso dieses erlebnis wird marketing in der zukunft leisten, genau so wird uns gutes marketing in der zukunft erreichen. es geht darum, glaubhaft transparenz zu erzeugen. und wirklich gutes marketing ist schon heute genau so, es kommt uns nur nicht als marketing vor oder hat vermutlich nicht diese bezeichnung.

ich sehe schon skandale, die vielleicht dazu führen werden, dass doch mehr menschen ehrlich bei werbung für produkte sind und nur für dinge werben, die sie auch wirklich selbst benutzen oder zumindest mal benutzen wollen. das machen die amis vor, sie stellen blogger an, bezahlen sie, damit sie weiter über das bloggen, was sie interessiert, was sie benutzen, toll finden und machen damit indirekt ein unglaublich authentisches marketing für ihre firma und deren produkte. aber sie machen uns auch das genaue gegenteil dessen vor, mit affiliate netzen, seo und allen anderen irgendwie (google) adwords basierten formen der algorithmischen werbung im netz.

dabei werden negativ effekte genauso berücksichtigt werden, denn auch wenn negativ über themen, lösungen, produkte gesprochen wird – werde die beiträge mit den positiven berichten schneller gefunden werden. vor allem natürlich im vergleich zu produkten, über die gar nicht oder nur positiv gesprochen wird. alle skandale lohnen sich von diesem standpunkt aus, weil es schnell und einfach aufmerksamkeit für das produkt, das thema erzeugt.

genauso wird es mit produkten sein, mit dingen, die wir kaufen und dann verbrauchen oder benutzen, aber auch mit diejenigen, die wir in der firma einsetzen, die wir im büro auf unserem computer benutzen, um bestimmte probleme zu lösen. egal, ob positiv oder negativ, die reale erfahrung zählt mehr und mehr.

wir gehen auf konferenzen von menschen, die vermutlich das gleiche oder ähnliche problem haben und hören denjenigen zu, die dafür lösungen versprechen. wenn wir glück haben, dann können wir dort andere finden, die diese lösungen bereits ausprobiert haben und von ihren erfahrungen mit dem produkt berichten. und es wird immer jemand geben, die irgend etwas zum ersten mal oder anders macht. genau die werden wir immer leichter finden können.

ich möchte sehen können, wie andere menschen in meiner situation in der vergangenheit gehandelt haben, als sie das produkt noch nicht hatte, als sie es dann hatten und auch nachdem sie es eine weile benutzt haben.

denn wenn ich das wüsste, dann könnte ich einen unterschied erzeugen.

ich würde ja eher etwas anders machen können als meine vorgänger, und zwar viel eher. und je besser ich die anderen finden kann, desto besser kann ich mich vergleichen. je mehr daten ich zur verfügung habe, um so interessanter wird das experiment für mich. dann kann ich immer mehr unterschiede (=unsicherheiten) ausschliessen, die nicht überein gestimmt haben. ich kann das risiko des unbekannten minimieren, länger leben, mehr tun…

unsere gesellschaft strebt genau deshalb immer zu einer höhere transparenz, zu einer anderen „privatsphäre“ hin.

jeder mensch geht heute schon jeden moment einen handel ein: wieviel von mir will ich in der situation preisgeben, wieviel von meinem geld, von meinem wissen, von meiner aufmerksamkeit, von meinen daten, um das gewünschte zu bekommen?

wieviel muss ich geben, um einen schritt weiter gehen zu können? wenn ich doch endlich die anderen finden kann, die jetzt grade, gestern, letzte woche, letztes jahr oder letztes jahrzehnt das gleiche problem hatten, wie ich?

ich müsste mindestens folgende information bekannt geben:

ich! suche! dich!

also selbst findbar machen, dass ich dieses spezifische problem habe. und je spezifischer ich das problem beschreibe, um so wahrscheinlicher finde ich den richtigen menschen oder die richtigen finden mich.
voraussetzung dafür ist, das jemand anders das auch so gemacht hat in der vergangenheit und sich ebenso vernetzt hat und aufgeschrieben hat oder auf meine frage reagiert, wie er denn das problem gelöst hat.

je länger man also einheitliche suchanfragen und die suchen, mit den ergebnissen der suche verknüpft, um so schlauer werden wir alle. und das ist beleibe keine neue erkenntnis oder revolution! vor allem nicht für bibliothekare, lehrer, spezialisten… aber

mit den heute verfügbaren tools führt das dazu, dass uns zB googles suchmaschine relevantes in etwa so definiert: andere, die nach diesem wort gesucht haben, haben am häufigsten auf folgendes geklickt und sind danach am seltensten zurück gekommen.

einfach weil sie diese information messen, speichern und auswerten (=lernen) können. google kann so statistisch nachweisen, dass ein zusammenhang besteht zwischen der zeit die zwischen dem klick auf das suchergebnis und der erneuten suche nach diesem wort besteht. je länger diese zeitspanne ist, je zufriedener war der benutzer der suchmaschine.

wenn man diese daten nun noch verknüpfen könnte mit dem lebenslauf, mit der ausbildung, mit dem alter, der firma, der größe der firma, der anzahl der kinder, eben mit beliebigen faktoren, von denen ich(!) denke, dass sie relevant sein könnten, dass sie die lösung sind, die lücke, der zusammenhang, den bisher noch niemand gesehen hat?

gute entscheidungen würden sich schneller weiter verbreiten, besonders gut verbreiten sich natürlich einfache probleme und die lösungen, die sich leicht erzählen lassen, die sich einfach teilen lassen, weil und jetzt tausend gründe: w-lan verfügbar war, und bloggen ging, flickr erfunden war in das die die leute kostenlos bilder laden können u.u.u.

aber auch diese aufmerksamkeit, der aufwand der betrieben wird, um entscheidungen abzusichern, ist begrenzt. je effizienter die daten, entscheidungen, das wissen ist, um so bessere entscheidungen können wir alle treffen und so schneller entwickeln wir uns weiter.

wir alle treffen jeden tag, tausende und abertausende winzig kleine einzelentscheidungen, die sich zu unserem leben summieren. dabei investieren wir unsere zeit, unsere aufmerksamkeit in dinge, die uns nützen, um weiterleben zu können.

dass wir versuchen zu erinnern, wie wir oder zu erfahren wie andere das schon mal gemacht haben, ist damit ein grundbedürfnis. von dieser leistung hängt weitestgehend der erfolg unseres eigenen überlebens ab.

wir versuchen immer, uns zu vergleichen, uns unserer identität durch vergleich zu vergewissern… ja, wir sind der herr, (im vergleich) mittleren alters, mit dem (im vergleich) etwas längeren haar und dem (im vergleich) unkonventionellen auftreten. aber nur wenn der meme stark genug ist, dann wird er weiter erzählt: dieser herr hat folgende entscheidung getroffen, als er heute morgen in der von mir beschrieben situation was, er hat – vielleicht unbewusst – folgendes produkt benutzt, gekauft, beantragt, installiert, gelöscht, folgendes getippt, die maus dort oder dahin bewegt, dies oder jenes davor oder danach gegessen hat.

und diese information, wird nur dann weiter getragen, wenn der impact, die auswirkung, die wir dem ereignis, der erkennnis zuschreiben viel grösser ist, als der aufwand zur verbreitung selbst. je kleiner das ereignis, je kleiner der aufwand, um so unwahrscheinlicher ist es, dass diese situation, davor dieses ereignis in seinen zusammenhängen dokumentiert ist. aber je größer die auswirkungen, umso mehr hilfen, ratgeber, investitionen in die weiterverbreitung der information gibt es bereits.

durch das internt, durch cloudcomputing und die immer weiter gehende sozialisierung der anwendungen erfolgt eine starke ausdehnung der verfügbaren informationmenge zu einer stark wachsenden anzahl von ereignissen, die bisher gar nicht oder nur zufällig dokumentiert worden sind, weil die dokumentation dieses wissens bisher keine lebensgrundlage bot.

tl;dr

die zunehmende vernetzung und verdatung ermöglicht ein verändertes, authentisches marketing auf basis tatsächlicher handlungen bekannter.