Schlagwort: Meditation

Tagebuch Teil II

Meditation

Istanbul, Tag 1128

Feiertag, Freitag. Heute lass ich’s laufen. Aufgewacht und von ganz konkreten Arbeitsproblemen geträumt, die anders verliefen, Erkenntnisse brachten und vertieften.

Heute gibts ein Bild von mir von unserem diesjährigen Meditationsretreat, das letztens in meinen Nachrichten aufgetaucht ist. Danke, Tony, für diese Aufnahme.

Arne

Heute morgen auf dem Kissen hatte ich eine zweite kleine Eingebung. Hatte mir ja vorgenommen, mir hier in Istanbul über die Zukunft von unserem Patentinformationsgeschäft Gedanken zu machen. Wie genau wollen wir das in den nächsten Jahren machen, was brauchen wir dafür. Was soll das System können. Es ist sehr anstrengend auf der einen Seite, weil ich viel zu viel darüber weiss. Und es ist sehr leicht auf der anderen Seite, weil es da ist und wir das nach unserem Willen gestalten können ohne gänzlich davon abhängig zu sein. Nun habe ich schon länger die Idee, dem Geschäft einen neuen rechtlichen Rahmen zu geben und heute morgen kam ein Durchbruch. Ein Gefühl, nun genau zu wissen, was zu tun ist, dass es genauso gehen könnte.

Das gibt immer wieder Mut, das ist der Ausweg aus der gestrigen kognitiven Dissonanz. In solchen Momenten fühle ich mich im Einklang mit mir und meiner Umwelt. Ich weiss, dass das schnell vorbei gehen kann und sich in den Details wieder abschwächen, wenn nicht verlieren wird. Aber solche klaren Momente möchte ich gerne würdigen. Mit Meditation oder meditativen Tätigkeiten schaffe ich mir ein Umfeld, in denen solche Erkenntnisse aus meinem Unterbewusstsein an die Oberfläche kommen. Manchmal gelingt es dann, sie fest zu halten, kurz nur, um die Richtung seines Lebens zu ändern, sein Schicksal selbst zu gestalten.

Meditation macht Mut.

 

Tagebuch Teil II

Ignoranz

Berlin, 8:01, Tag 976

Heute Nacht gut geschlafen, mit einem schönen, intensiven Traum aufgewacht. Seit ich die hier nicht mehr ausbreite, hab ich ihn schnell vergessen lassen. Heute morgen schon eine Stunde meditiert, erst vierzig Minuten allein. Sehr konzentriert, aber auch wieder Gedankenketten nachgehend. Dann mit einem Kollegen noch zwanzig Minuten hinterher, diesmal mit halbgeöffneten Augen.

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Ein Thema, welches hoch und wieder kam, war meine Ignoranz. Eines der drei Gifte, sagen die Buddhisten. Wir wählen oft, nicht genau hin zu schauen. Ich mach das ganz oft. Ich habe die Techniken, ich habe die Einsicht, um in meinem Alltag, in meinem Leben nicht wissend, liebevoll zu handeln und ignoriere diese Fähigkeiten. Meist unbewusst. Ich lenke mich ab, gehe in den Autopiloten, mache dies, mache jenes, bin beschäftigt, busy.

Ich halte es oft nicht aus, bin sehr ungeduldig und kann nicht annehmen, was ist. Ich kann nicht annehmen, was nicht ist. Und meine Ignoranz, also meine Fähigkeit, Dinge, Andere, Gefühle, Gedanken bewusst oder unbewusst zu ignorieren (nicht los zu lassen), stresst mich eigentlich.

Bei der Meditation lernte ich, wie ich trotz alles Zwickens in den Beinen, trotz der vielen Gedanken und Gefühle, immer wieder zu meinem Atem zurück kehren. Ihn einfach zählen, ist die Aufgabe, die eigentliche Aufgabe. Und auch in unserem Alltag geht es immer wieder darum, zu unserem Atem, zu uns selbst zurück zu kehren, zur eigentlichen Aufgabe.

Das im Alltag ist viel schwerer, als auf dem Meditationskissen. Aber Aufgeben gibt es nicht, jeder Tag ist brandneu, jeden Tag kann ich es neu versuchen. Jeden Tag, versuche ich es wieder!

Wünsch Euch einen achtsamen Mittwoch.

Tagebuch Teil II

Passiver Konsum

Berlin, 7:29, Tag 969

Heute Nacht gut geschlafen, wild geträumt, mit Gedanken an meine Süchte aufgewacht und unruhig meditiert. Eine kleine Erkenntnis kam hoch. Davor schon und auch danach nochmal stärker: die Verbindung meiner Neigung zu stofflichen Süchten und Facebook, Twitter, Spiegel Online und Tumblr. Werde heute mal auf Entzug gehen.

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Habe meine Homescreen auf dem iPhone schon umsortiert. Meine Bookmarks gelöscht. Bin keiner der sich abmeldet, warum auch? Die Werkzeuge sind nur Werkzeuge. Es kommt immer auf denjenigen an, der sie wofür benutzt. Die Umsortierung und Löschung dient nur als Hilfe zur Aufmerksamkeit.

Passives Konsumieren macht für mich den Unterschied zwischen Sucht und „normalem“ Leben aus.

Mein Lieblingscomedian Louis CK hat das mal wunderbar zusammengefasst in einem kleinen Stück über seine Süchte. Er würde niemals Drogen nehmen. Damit er dann, wenn er sie nimmt, richtig Spass daran hat. Sonst wären sie ja doch nur wieder ein weiteres Problem in seinem Leben. Und davon hat er ja schon genug.

Für mich finde ich viel Weisheit in diesen kurzen drei Minuten. Für mich ist es genau so. Wenn man Facebook & Co ständig benutzt, immer offen hat, immer wenn man einmal kurz nichts zu tun hat, darin passiv rumliest, ist es nur „another pain in the ass“. Ich lese und lese und merke nicht, was ich mir da antue, was ich aufnehme.

Am Morgen merke ich das noch am deutlichsten. Die Qualität meiner Meditation hängt sehr stark davon ab, was ich vorher tue. Wenn ich Facebook oder Spiegel lese, wird sie oberflächlich, zerfasert und einfach unruhiger. Wenn ich aber einen kurzen spirituellen Text von zB Thich Nhat Hanh lese, habe solche wohlüberlegten Worte eine ganz andere Wirkung.

Ich lese dann meist ein oder zwei Seiten aus Transformation at the Base. Heute morgen zufällig passend über unsere Wahrnehmungen. Die Buddhisten unterscheiden achtzehn Formen unserer Wahrnehmung. Unserer sechs Sinne (Augen, Ohren, Nase, Schmecken, Körper und Bewusstsein) haben jeweils direkte, dann konstruierte Wahrnehmungen und drittens reine Vorstellungen. Direkte Wahrnehmungen sind extrem selten in unserem Alltag. Wir leben in unseren Vorstellungen von den Dingen die uns umgeben, haben keinen Zugriff auf deren wahre Natur. Wir können nicht vollständig erfassen, was der Computer auf dem wir schreiben oder lesen wirklich ist.

Wenn ich mich mit solchen Gedanken dann hinsetze, gelingt es mir leichter, mich zu konzentrieren, und mich an das Wesen der Meditation zu erinnern.

Wünsch Euch irgendwie befreit einen schönen Mittwoch.

Tagebuch Teil II

Mein Weg

Berlin, 7:58, Tag 966

Heute Nacht schön geschlafen, zeitig hoch. Schon vierzig Minuten meditiert, den ruhigen noch leeren Sonntagmorgen genossen.

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Habe an Bekannte gedacht, mit denen ich mich schnell und stark verbunden hatte und denen ich nun immer noch nicht antworten kann auf ihre Mails. Menschen, die ich auf den ersten Blick sehr bewundert, deren Bekanntschaft ich gesucht habe. Als ich näher kam, war ich wohl enttäuscht. Wenn ich die Schwächen an anderen sehe, die keine haben sollten, brauche ich Zeit. Es gibt Erwartungen und Regeln, bei der Kommunikation zwischen Bekannten, die ich immer und immer wieder brechen möchte. Vermutlich um heraus zu finden, wie ehrlich und wie vorurteilsfrei andere sein können.

Gestern war hier Riesendemo gegen TIPP und ich bin nicht hin. Haben gefaulenzt und haben am Nachmittag ruhig eingekauft und sind etwas draussen Essen gewesen.

Gestern morgen ist Ankara ein schrecklicher Anschlag verübt worden, den ich wenige Minuten später auf Twitter entdeckt habe. Hundert Menschen sind gestorben, die sich für ein Ende von Konflikten eingesetzt haben. Bin traurig. Ein langer Artikel über Verlust und Trauer fand mich gestern noch. Mag ihn gar nicht hier verlinken.

Finde gerade meine Erinnerung an meinen Weg mit der Meditation zurück. Habe über den Tag verteilt viele Gedankenblitze, an die Zeit, wie es damals war, als es noch neu für mich war. Wie sehr ich überrascht, wie sehr entschlossen ich schon einmal gewesen bin.

Heute habe ich schon so viel davon integriert, dass ich es nur noch selten bemerke und wieder mal sehr streng mit mir bin. Wünsche mir manchmal, diese grossen Schritte, diese Begeisterung der Entdeckung zurück. Erzeuge mir das ab und zu, in dem ich jemandem der mich danach fragt, die wirklich einfache Meditationstechnik zeige. Dauert ja nur fünf Minuten und man beherrscht die grundlegende Technik. Dann ist es nur noch zu tun.

Spüre wieder das Verlangen, noch achtsamer in meinem Alltag zu sein: rein, nur im Moment, dann annehmen, was ist. Aushalten, nicht zu wissen. Liebevoll, freundlich Handeln. Sehe grade sehr viel, wann ich das nicht erreiche. In 99,98% meines Tages bin ich das nicht: werte, reagiere, lenke mich ab, renne weg, dämpfe, unterhalte mich. Achte nicht darauf, was ich tue, bin nicht im Moment.

Die Reflektion, das darüber Nachdenken, das Sehen, was ist… ist immer mein erster Schritt gewesen. Die Veränderung passiert von allein, wenn man diese 5min Technik erst einmal drauf hat und immer wieder anwendet. Ein paar mal bewusst Atmen, ein und aus, dabei den Kopf leeren: wenn ich einatme, weiss ich das einatme, wenn ich ausatme, weiss ich das ich ausatme. Das reich schon. Es dreht sich dann alles von allein, Stück für Stück, unmerklich. Erst im ehrlichen Rückblick können wir es sehen.

Und trotzdem, es hört nie auf. Die Aufgabe ist nicht abzuschliessen. Es kommen ständig neue Probleme, neue Herausforderungen. Das macht mich traurig, das lässt mich verzweifeln. Und doch gibt es keinen anderen Weg. Einatmen, Ausatmen.

Und los!

Schönen Sonntag Euch.

Tagebuch Teil II

Späte Kurzmeldung

Berlin, 7:38, Tag 956

Ein schöner, ruhiger Morgen nach einem wilden Traum. Bin noch leicht erschöpft, aber ausgeschlafen und ruhig entschlossen.

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Gestern einen Kickoff für die wichtigste Ausschreibung unserer Firma seit langem. Habe versucht, die Grundlagen für die nächsten vier Wochen Arbeit zu legen, für Ziele und Struktur und Status. Jetzt loslassen. Keine Angst. Nur Vertrauen und Entschlossenheit.

Am Nachmittag gab es noch eine Lektion in Sachen Aufgeben. Aus Angst vorm Frei sein, aus Angst vor Kontrollverlust, verkrampfen wir uns. Die Muskeln verhärten, die Augen weiten sich, wir sind gelähmt, unfähig zu handeln. Uns auf solche Momente vorzubereiten, ist eine schöne Aufgabe. Ohne Zwang. Ohne Druck. Ohne Täuschung. Glaubst Du an Dich? Möchtest Du es lernen? Was, wenn man tief drin, kein Ja findet, sondern nur ein Ja, aber…?

Dann ist es noch nicht so weit! Dann ist man selbst noch nicht so weit, für diese Stufe, diese Lektion im Leben. Aber ich bin gewiss, die Chance wird wieder kommen. In der ein oder anderen Form.

Heute morgen dann habe ich genau meine Anleitung für einen Einstieg in Meditation hier gefunden. Genau so hat es mir mein Freund und Lehrer beigebracht. Genau so bringe ich es anderen bei, die mich danach fragen.

Nun ist es schon später Nachmittag geworden, mit dem offenen Fenster hier. Wünsch Euch noch einen schönen Abend.

Tagebuch Teil II

Überwältigt

Berlin, 7:10, Tag 938

Heute zeitig hoch. Habe gestern versucht, zeitig einzuschlafen, hat nicht ganz geklappt. Der Tag war schön. Haben wieder mal richtig schön gespielt. Klettern. Im Sand Schätze gesucht. Hat Spass gemacht. Dann noch ein ruhiger Spaziergang mit der Liebsten. Es ist schön, dass wir zusammen hier sind.

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Heute morgen eine lange Meditation geplant. Das letzte Drittel dann nicht mehr im Sitzen. Es wurde sehr intensiv. Fast extrem. Die Gedanken wurden tief und tiefer und die Gefühle stark und stärker. Die Rückkehr zum Atem der letzte Rettungsanker. Bin noch so überwältigt, dass ich hier jetzt schnell schreibe. Und dann wieder zurück kehre, weg von diesem Fenster.

Wünsch Euch einen ruhigen Sonntag!

Tagebuch Teil II

Im Moment sein

Berlin, 6:41, Tag 925

Heute ist Schulanfang für unsere Kleene. Bin etwas aufgeregt für sie, aber sie macht das schon. Das erste mal Füller, Turnbeutel und Pausenbrot. Gab es in der Türkei nicht.

Sonst ist  nicht viel passiert, wir haben weiter geräumt und geplant, einen Fahrradausflug übers Tempelhofer Feld gemacht. Danach Indisch gegessen, Kuchen im Golightly hinterher. Ruhiger Sonntag. Die neue Woche, die nun bevor steht, ist die erste im neuen Setup.

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Bin doch wieder hoch aufs Dach über den angelehnten Notausgang. Habe auch oben meditiert. Die Temperaturen sind grad genau richtig. Für im T-Shirt früh um 6 draussen sitzen. Wunderbar.

Die Gedanken flogen nur so von Thema zu Thema. Die Rückkehr zum Atem, zu diesem Moment, weg von den Träumen, Sorgen, Wünschen, Wollen, Müssen ist immer wieder ein Erlebnis.

Immer wieder merke ich, dass das viele Denken, Erinnern, Planen meine Unruhe, meine Ungeduld ausmacht. Und genau dort lasse ich meine Energie. Da liegt die Reserve. Da liegt alles Potential.

Wenn ich dort oben sitze, brauche ich nichts weiter tun, als die Wolken und die aufgehende Sonne betrachten.

Wenn ich die Treppen runterkomme, brauche ich an nichts anderes denken, als das Treppen steigen.

Wenn ich hier sitze, brauche ich nichts anderes tun, als in mir zu lesen.

Alles hat doch seine Zeit.

Unser zurück Erinnern können, unser vorwärts Denken können macht alles oft so kompliziert. Es ist oft kein Tool für mich, sondern Last. Weil ich es zu viel mache. Nicht in Balance bin, nicht auf dem Mittelweg gehe. Immer wieder in die Extreme abdrifte.

Und weil das so ist, hole ich jetzt Schrippen. Und tue nur das. Versuche, alles zu sehen, was mir dabei passiert. Einfach nur das. Nicht mehr. Und nicht weniger!

Wünsche Euch einen achtsamen Tag.