Meditation

Gestern Nachmittag hab ich mich auf die Bank vor der Dorfkirche gesetzt für ein Telefonat. Dann schaute ich hoch und sah genau dieses Bild hier.

Und war auf einmal sehr dankbar! Sehr Dankbar, dass ich auf diesem Fleck der Welt zum Leben gekommen bin, zu diesem Zeitpunkt in der Weltgeschichte. Ich hätte es nicht besser treffen können! Es ist perfekt und ich bin so froh darüber. Wir haben hier doch alles, was wir brauchen. Eher zu viel, eher nur ungleich verteilt.

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Ich bin so froh über mein Umfeld, meine Familie, meine Freunde, mein Team bei mtc, über all die Menschen, die ich kenne. Ich wachse in und an meinem Umfeld! Die täglichen Herausforderungen, die Widerstände, die vielen schönen Momente, die tollen Beziehungen, die anstrengenden Beziehungen, Beziehungen überhaupt. Ich hab solch ein Glück gehabt in meinem Leben mit meiner Sangha, meiner Gemeinschaft!

Und dann bin ich so froh über die tollen Lehrer und Meister, die ich in meinem Leben schon treffen konnte. Ich verneige mich vor ihrer Gabe, ihr Können und Wissen an andere weiter geben zu können. Und bin sehr dankbar, dass ich so oft schon als Schüler gewählt worden bin und mich unter Aufsicht und Obhut von diesen Lehrern entwickeln konnte.

Klingt jetzt alles ein wenig pathetisch, aber vor jeder Meditation, jeden Morgen hier zu Hause auf meiner kleinen Decke und meinem kleinen Kissen, verneige ich mich drei Mal.

Mir ist das jetzt, wenn ich es so aufschreibe, peinlich.

Aber ich sage jeden Morgen drei mal mich verneigend Danke: danke bei meinen Lehrern, danke bei meiner Familie, meiner Firma und ich sage danke beim Universum, also der Welt und bei allen und allem, die ich nicht kenne.

Drei kurze Momente an jedem Morgen! Die mich halten, die mich verbinden mit dem, was wirklich wichtig ist, die mir klar machen, was für ein privilegiertes, aussergewöhnlich, glückliches tolles Leben ich doch leben darf.

Aller Schwierigkeiten, aller Probleme, allem Leid zum trotz!

Einmal am Tag den Augenblick, all meine Gedanken und Gefühle und meinen Körper auf das ausrichten, was ich alles habe, was alles gut ist. Mich davor verneigen und kurz innehalten. Und dann in den neuen Tag, in das neue Jahr, in mein Leben starten…

 

Jeden Morgen wachen wir auf. Jeden Morgen beginnt ein neuer Tag. Ein brand neuer Tag. 24h neue Stunden. Meine Morgenroutine hilft mir durch den Start. Jeden Morgen gleich, jeden Morgen anders. Der gleiche Ablauf, ein anderes Erleben. Mal fällt es schwer, mal leicht.

Das Aufstehen.

Mein Wecker klingelt zeitig. Halb 5 schon in diesen Tagen. Einfach so. Nicht weil ich es muss, sondern weil ich es möchte. Ich muss gar nichts. OK, vielleicht die Pausenbrote für die Kleene bis halb 8. Vielleicht ein Kaffee ans Bett, wenn die Liebste aufstehen möchte. Aber das würde ich alles auch schaffen, wenn ich 10 vor 7 aufstehen würde.

So um die 6h brauche ich, um gut zu funktionieren. Ab 7h 30m habe ich genug Schlaf. Alles darüber hinaus ist für mich Wochendende, purer Luxus oder auch Krankheit. Das heisst, ich versuche schon um 9 im Bett zu sein. Da bleibt kein Platz für Fernsehen, aber ein Buch im Kindle geht immer.

Der Sport

Täglichen Frühsport habe etwa zu der Zeit begonnen, als ich hier aufhörte täglich zu schreiben. Gefühlt ist das etwas über ein Jahr her, Februar 2016.

Seit Ende 2015 reite ich am Wochenende eine Stunde und hatte meine schwache Kondition bemerkt. Viel Muskelkater jeden Montag und Dienstag, viel Schwitzen, schnell erschöpft. Letztes Jahr hab ich auch wieder mit Karate Training begonnen. Hier ein ähnliches Bild. Kaum Kraft, viel und schnell müde.

Jeden Morgen Liegestütze und Seilspringen war die Antwort. 3x3min Seilspringen. Und die 20 Liegestütze, die ich damals grad so schaffte. Das war der Start. Ich denk, die Liegestütze kamen zuerst, ein paar Wochen oder Monate vor dem Seilspringen.

Die Veränderungen seit dem sind dramatisch. Aber der Schlüssel ist: jeden Tag! Jeden! Klar gab es mal einen Ausfall, vielleicht zwei mal im Monat. An anderen zwei mal habe es nicht früh, sondern erst im Laufe des Tages geschafft. Aber sonst. Jeden Tag.

Der Praktikabilität wegen ist das Seilspringen heute ein Hüpfen auf der Stelle. Wichtig dabei: keine Schuhe auf einem dünnen Teppich, sonst gibt es Probleme mit den Sehnen.

Und Liegestütze: tja, mit 5 x 30 Liegestützen im letzten Sommer wurde es schnell langweilig, zeitaufwendig und fühlte sich nicht mehr gut an. Ich war am Aufgeben. Hier war der Trick: langsamer werden. Heute mache ich nur 3 x 10 Wiederholungen, aber so langsam, dass ich wirklich jeden Morgen an meine Grenze komme. Und ich variiere: nehme die Hände zusammen, mal auseinander, mal diagonal versetzt. Und seit neuestem planke ich zusätzlich, also halte einfach, ohne Bewegung. 6min aktuell, 8 x 45sec. Das ist der Kracher! Wirklich. Hier bin ich erst im zweiten Monat der täglichen Übung und mein Körpergefühl, meine Muskelkraft hat sich nochmal dramatisch verändert. Das planken war bislang auch das Anstrengendste. Ne, eigentlich war auch das Seilspringen am Anfang super schwer.

Bildschirmfoto 2017-04-04 um 06.21.08Die Überwindung, der Widerstand, die Selbstsabotage, die Bequemlichkeit, die Anstrengung. All das erfahre und übe ich in den ersten 30min nach dem Aufstehen. Jeden Tag, seit über einem Jahr.

Die Meditation

Dann wird geduscht, angezogen und entweder fahre ich in den Dojo in der Firma oder ich setze mich zu Hause hin. Bereite meine Decke auf dem Boden aus, rücke mein Sitzkissen zurecht. Zünde ne Kerze an und setze mich. Diese Routine habe ich jetzt vielleicht schon 5 oder 6 Jahre lang. Jeden Morgen 20min Sitzmeditation.

Hier muss ich streng sein mit mir. Über die Zeit kenne ich alle meine Ausreden, alle meine Ausflüchte, es nicht zu tun. Ich kenne auch alle meine Taktiken, mich zur Meditation hinzusetzen, und dann doch nur zu träumen oder zu planen, zu arbeiten. Mit den Jahren habe ich all das an mir selbst erlebt. Aber irgend etwas, mein Umfeld, mein bester Freund, die Technik an sich, die lange Tradition, und meine eigenen Erfahrungen, zieht mich so an, dass das tägliche Sitzen dazugehört wie Duschen oder Zähneputzen.

20 Minuten. Jeden Tag. Hinsetzen. Augen zu. Atem zählen. That’s it.

Meine Entwicklung hier verläuft auch in Wellen. Die Achtsamkeit, die Klarheit entwickeln sich unterschiedlich. Die Unachtsamkeit und das Unklare wird dabei nie und nicht weniger, die Felder verschieben sich nur immer weiter.

Die Atemtechnik halte ich einfach. Das reine Zählen (Einatmen 1, Ausatmen 2 bis 10, dann von vorn) am Anfang ist ergänzt worden. Erst durch Timing: wann trifft der Atem auf die Nasenspitze? Was passiert dabei? Was verändert sich durch die Beobachtung? Oder auch: wann kommt der Impuls zum Einatmen genau? Wo entsteht der Impuls? Und aktuell durch den Ort: tief in den Bauch einatmen, kurz warten, tief aus dem Bauch ausatmen. Damit habe ich über die Zeit diese vier einfachsten Atemtechniken jeweils etwa ein Jahr lang geübt.

Das Schreiben

Nun, das habe ich im letzten Jahr nicht mehr gemacht. Ich habe gelesen, viel Facebook, Feedly den Newsreader, Spiegel Online oder auch mal ab und zu Bücher im Kindle. Lange Zeit habe ich jeden Morgen nur für mich Tagebuch geschrieben, viele Tage auch hier öffentlich. Was sich aus diesem Neustart grad entwickelt weiss ich grad nicht.

Das Foto

Das hätte ich fast vergessen. Neben dem Tagebuch, habe ich ja auch jeden Morgen u.a. zur Illustration auch ein Foto vom Sonnenaufgang gemacht.

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Der Start

Jetzt geht der Tag los, mit Radio an, Frühstück machen, ins Büro gehen, fahren, Kalender auf, Todo Liste raus, Mails gelesen. Denn nach dieser Routine erst, entfaltete sich das leere Blatt des neuen Tages. Bereit, um beschrieben und bemalt, ausgefüllt zu werden. Was auch immer wirklich passieren mag!

Istanbul, Tag 1128

Feiertag, Freitag. Heute lass ich’s laufen. Aufgewacht und von ganz konkreten Arbeitsproblemen geträumt, die anders verliefen, Erkenntnisse brachten und vertieften.

Heute gibts ein Bild von mir von unserem diesjährigen Meditationsretreat, das letztens in meinen Nachrichten aufgetaucht ist. Danke, Tony, für diese Aufnahme.

Arne

Heute morgen auf dem Kissen hatte ich eine zweite kleine Eingebung. Hatte mir ja vorgenommen, mir hier in Istanbul über die Zukunft von unserem Patentinformationsgeschäft Gedanken zu machen. Wie genau wollen wir das in den nächsten Jahren machen, was brauchen wir dafür. Was soll das System können. Es ist sehr anstrengend auf der einen Seite, weil ich viel zu viel darüber weiss. Und es ist sehr leicht auf der anderen Seite, weil es da ist und wir das nach unserem Willen gestalten können ohne gänzlich davon abhängig zu sein. Nun habe ich schon länger die Idee, dem Geschäft einen neuen rechtlichen Rahmen zu geben und heute morgen kam ein Durchbruch. Ein Gefühl, nun genau zu wissen, was zu tun ist, dass es genauso gehen könnte.

Das gibt immer wieder Mut, das ist der Ausweg aus der gestrigen kognitiven Dissonanz. In solchen Momenten fühle ich mich im Einklang mit mir und meiner Umwelt. Ich weiss, dass das schnell vorbei gehen kann und sich in den Details wieder abschwächen, wenn nicht verlieren wird. Aber solche klaren Momente möchte ich gerne würdigen. Mit Meditation oder meditativen Tätigkeiten schaffe ich mir ein Umfeld, in denen solche Erkenntnisse aus meinem Unterbewusstsein an die Oberfläche kommen. Manchmal gelingt es dann, sie fest zu halten, kurz nur, um die Richtung seines Lebens zu ändern, sein Schicksal selbst zu gestalten.

Meditation macht Mut.

 

Berlin, 8:01, Tag 976

Heute Nacht gut geschlafen, mit einem schönen, intensiven Traum aufgewacht. Seit ich die hier nicht mehr ausbreite, hab ich ihn schnell vergessen lassen. Heute morgen schon eine Stunde meditiert, erst vierzig Minuten allein. Sehr konzentriert, aber auch wieder Gedankenketten nachgehend. Dann mit einem Kollegen noch zwanzig Minuten hinterher, diesmal mit halbgeöffneten Augen.

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Ein Thema, welches hoch und wieder kam, war meine Ignoranz. Eines der drei Gifte, sagen die Buddhisten. Wir wählen oft, nicht genau hin zu schauen. Ich mach das ganz oft. Ich habe die Techniken, ich habe die Einsicht, um in meinem Alltag, in meinem Leben nicht wissend, liebevoll zu handeln und ignoriere diese Fähigkeiten. Meist unbewusst. Ich lenke mich ab, gehe in den Autopiloten, mache dies, mache jenes, bin beschäftigt, busy.

Ich halte es oft nicht aus, bin sehr ungeduldig und kann nicht annehmen, was ist. Ich kann nicht annehmen, was nicht ist. Und meine Ignoranz, also meine Fähigkeit, Dinge, Andere, Gefühle, Gedanken bewusst oder unbewusst zu ignorieren (nicht los zu lassen), stresst mich eigentlich.

Bei der Meditation lernte ich, wie ich trotz alles Zwickens in den Beinen, trotz der vielen Gedanken und Gefühle, immer wieder zu meinem Atem zurück kehren. Ihn einfach zählen, ist die Aufgabe, die eigentliche Aufgabe. Und auch in unserem Alltag geht es immer wieder darum, zu unserem Atem, zu uns selbst zurück zu kehren, zur eigentlichen Aufgabe.

Das im Alltag ist viel schwerer, als auf dem Meditationskissen. Aber Aufgeben gibt es nicht, jeder Tag ist brandneu, jeden Tag kann ich es neu versuchen. Jeden Tag, versuche ich es wieder!

Wünsch Euch einen achtsamen Mittwoch.

Berlin, 7:29, Tag 969

Heute Nacht gut geschlafen, wild geträumt, mit Gedanken an meine Süchte aufgewacht und unruhig meditiert. Eine kleine Erkenntnis kam hoch. Davor schon und auch danach nochmal stärker: die Verbindung meiner Neigung zu stofflichen Süchten und Facebook, Twitter, Spiegel Online und Tumblr. Werde heute mal auf Entzug gehen.

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Habe meine Homescreen auf dem iPhone schon umsortiert. Meine Bookmarks gelöscht. Bin keiner der sich abmeldet, warum auch? Die Werkzeuge sind nur Werkzeuge. Es kommt immer auf denjenigen an, der sie wofür benutzt. Die Umsortierung und Löschung dient nur als Hilfe zur Aufmerksamkeit.

Passives Konsumieren macht für mich den Unterschied zwischen Sucht und „normalem“ Leben aus.

Mein Lieblingscomedian Louis CK hat das mal wunderbar zusammengefasst in einem kleinen Stück über seine Süchte. Er würde niemals Drogen nehmen. Damit er dann, wenn er sie nimmt, richtig Spass daran hat. Sonst wären sie ja doch nur wieder ein weiteres Problem in seinem Leben. Und davon hat er ja schon genug.

Für mich finde ich viel Weisheit in diesen kurzen drei Minuten. Für mich ist es genau so. Wenn man Facebook & Co ständig benutzt, immer offen hat, immer wenn man einmal kurz nichts zu tun hat, darin passiv rumliest, ist es nur „another pain in the ass“. Ich lese und lese und merke nicht, was ich mir da antue, was ich aufnehme.

Am Morgen merke ich das noch am deutlichsten. Die Qualität meiner Meditation hängt sehr stark davon ab, was ich vorher tue. Wenn ich Facebook oder Spiegel lese, wird sie oberflächlich, zerfasert und einfach unruhiger. Wenn ich aber einen kurzen spirituellen Text von zB Thich Nhat Hanh lese, habe solche wohlüberlegten Worte eine ganz andere Wirkung.

Ich lese dann meist ein oder zwei Seiten aus Transformation at the Base. Heute morgen zufällig passend über unsere Wahrnehmungen. Die Buddhisten unterscheiden achtzehn Formen unserer Wahrnehmung. Unserer sechs Sinne (Augen, Ohren, Nase, Schmecken, Körper und Bewusstsein) haben jeweils direkte, dann konstruierte Wahrnehmungen und drittens reine Vorstellungen. Direkte Wahrnehmungen sind extrem selten in unserem Alltag. Wir leben in unseren Vorstellungen von den Dingen die uns umgeben, haben keinen Zugriff auf deren wahre Natur. Wir können nicht vollständig erfassen, was der Computer auf dem wir schreiben oder lesen wirklich ist.

Wenn ich mich mit solchen Gedanken dann hinsetze, gelingt es mir leichter, mich zu konzentrieren, und mich an das Wesen der Meditation zu erinnern.

Wünsch Euch irgendwie befreit einen schönen Mittwoch.

Berlin, 7:58, Tag 966

Heute Nacht schön geschlafen, zeitig hoch. Schon vierzig Minuten meditiert, den ruhigen noch leeren Sonntagmorgen genossen.

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Habe an Bekannte gedacht, mit denen ich mich schnell und stark verbunden hatte und denen ich nun immer noch nicht antworten kann auf ihre Mails. Menschen, die ich auf den ersten Blick sehr bewundert, deren Bekanntschaft ich gesucht habe. Als ich näher kam, war ich wohl enttäuscht. Wenn ich die Schwächen an anderen sehe, die keine haben sollten, brauche ich Zeit. Es gibt Erwartungen und Regeln, bei der Kommunikation zwischen Bekannten, die ich immer und immer wieder brechen möchte. Vermutlich um heraus zu finden, wie ehrlich und wie vorurteilsfrei andere sein können.

Gestern war hier Riesendemo gegen TIPP und ich bin nicht hin. Haben gefaulenzt und haben am Nachmittag ruhig eingekauft und sind etwas draussen Essen gewesen.

Gestern morgen ist Ankara ein schrecklicher Anschlag verübt worden, den ich wenige Minuten später auf Twitter entdeckt habe. Hundert Menschen sind gestorben, die sich für ein Ende von Konflikten eingesetzt haben. Bin traurig. Ein langer Artikel über Verlust und Trauer fand mich gestern noch. Mag ihn gar nicht hier verlinken.

Finde gerade meine Erinnerung an meinen Weg mit der Meditation zurück. Habe über den Tag verteilt viele Gedankenblitze, an die Zeit, wie es damals war, als es noch neu für mich war. Wie sehr ich überrascht, wie sehr entschlossen ich schon einmal gewesen bin.

Heute habe ich schon so viel davon integriert, dass ich es nur noch selten bemerke und wieder mal sehr streng mit mir bin. Wünsche mir manchmal, diese grossen Schritte, diese Begeisterung der Entdeckung zurück. Erzeuge mir das ab und zu, in dem ich jemandem der mich danach fragt, die wirklich einfache Meditationstechnik zeige. Dauert ja nur fünf Minuten und man beherrscht die grundlegende Technik. Dann ist es nur noch zu tun.

Spüre wieder das Verlangen, noch achtsamer in meinem Alltag zu sein: rein, nur im Moment, dann annehmen, was ist. Aushalten, nicht zu wissen. Liebevoll, freundlich Handeln. Sehe grade sehr viel, wann ich das nicht erreiche. In 99,98% meines Tages bin ich das nicht: werte, reagiere, lenke mich ab, renne weg, dämpfe, unterhalte mich. Achte nicht darauf, was ich tue, bin nicht im Moment.

Die Reflektion, das darüber Nachdenken, das Sehen, was ist… ist immer mein erster Schritt gewesen. Die Veränderung passiert von allein, wenn man diese 5min Technik erst einmal drauf hat und immer wieder anwendet. Ein paar mal bewusst Atmen, ein und aus, dabei den Kopf leeren: wenn ich einatme, weiss ich das einatme, wenn ich ausatme, weiss ich das ich ausatme. Das reich schon. Es dreht sich dann alles von allein, Stück für Stück, unmerklich. Erst im ehrlichen Rückblick können wir es sehen.

Und trotzdem, es hört nie auf. Die Aufgabe ist nicht abzuschliessen. Es kommen ständig neue Probleme, neue Herausforderungen. Das macht mich traurig, das lässt mich verzweifeln. Und doch gibt es keinen anderen Weg. Einatmen, Ausatmen.

Und los!

Schönen Sonntag Euch.

Berlin, 7:38, Tag 956

Ein schöner, ruhiger Morgen nach einem wilden Traum. Bin noch leicht erschöpft, aber ausgeschlafen und ruhig entschlossen.

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Gestern einen Kickoff für die wichtigste Ausschreibung unserer Firma seit langem. Habe versucht, die Grundlagen für die nächsten vier Wochen Arbeit zu legen, für Ziele und Struktur und Status. Jetzt loslassen. Keine Angst. Nur Vertrauen und Entschlossenheit.

Am Nachmittag gab es noch eine Lektion in Sachen Aufgeben. Aus Angst vorm Frei sein, aus Angst vor Kontrollverlust, verkrampfen wir uns. Die Muskeln verhärten, die Augen weiten sich, wir sind gelähmt, unfähig zu handeln. Uns auf solche Momente vorzubereiten, ist eine schöne Aufgabe. Ohne Zwang. Ohne Druck. Ohne Täuschung. Glaubst Du an Dich? Möchtest Du es lernen? Was, wenn man tief drin, kein Ja findet, sondern nur ein Ja, aber…?

Dann ist es noch nicht so weit! Dann ist man selbst noch nicht so weit, für diese Stufe, diese Lektion im Leben. Aber ich bin gewiss, die Chance wird wieder kommen. In der ein oder anderen Form.

Heute morgen dann habe ich genau meine Anleitung für einen Einstieg in Meditation hier gefunden. Genau so hat es mir mein Freund und Lehrer beigebracht. Genau so bringe ich es anderen bei, die mich danach fragen.

Nun ist es schon später Nachmittag geworden, mit dem offenen Fenster hier. Wünsch Euch noch einen schönen Abend.