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Mit ‘Meditation’ getaggte Beiträge

Leeres Blatt

Jeden Morgen wachen wir auf. Jeden Morgen beginnt ein neuer Tag. Ein brand neuer Tag. 24h neue Stunden. Meine Morgenroutine hilft mir durch den Start. Jeden Morgen gleich, jeden Morgen anders. Der gleiche Ablauf, ein anderes Erleben. Mal fällt es schwer, mal leicht.

Das Aufstehen.

Mein Wecker klingelt zeitig. Halb 5 schon in diesen Tagen. Einfach so. Nicht weil ich es muss, sondern weil ich es möchte. Ich muss gar nichts. OK, vielleicht die Pausenbrote für die Kleene bis halb 8. Vielleicht ein Kaffee ans Bett, wenn die Liebste aufstehen möchte. Aber das würde ich alles auch schaffen, wenn ich 10 vor 7 aufstehen würde.

So um die 6h brauche ich, um gut zu funktionieren. Ab 7h 30m habe ich genug Schlaf. Alles darüber hinaus ist für mich Wochendende, purer Luxus oder auch Krankheit. Das heisst, ich versuche schon um 9 im Bett zu sein. Da bleibt kein Platz für Fernsehen, aber ein Buch im Kindle geht immer.

Der Sport

Täglichen Frühsport habe etwa zu der Zeit begonnen, als ich hier aufhörte täglich zu schreiben. Gefühlt ist das etwas über ein Jahr her, Februar 2016.

Seit Ende 2015 reite ich am Wochenende eine Stunde und hatte meine schwache Kondition bemerkt. Viel Muskelkater jeden Montag und Dienstag, viel Schwitzen, schnell erschöpft. Letztes Jahr hab ich auch wieder mit Karate Training begonnen. Hier ein ähnliches Bild. Kaum Kraft, viel und schnell müde.

Jeden Morgen Liegestütze und Seilspringen war die Antwort. 3x3min Seilspringen. Und die 20 Liegestütze, die ich damals grad so schaffte. Das war der Start. Ich denk, die Liegestütze kamen zuerst, ein paar Wochen oder Monate vor dem Seilspringen.

Die Veränderungen seit dem sind dramatisch. Aber der Schlüssel ist: jeden Tag! Jeden! Klar gab es mal einen Ausfall, vielleicht zwei mal im Monat. An anderen zwei mal habe es nicht früh, sondern erst im Laufe des Tages geschafft. Aber sonst. Jeden Tag.

Der Praktikabilität wegen ist das Seilspringen heute ein Hüpfen auf der Stelle. Wichtig dabei: keine Schuhe auf einem dünnen Teppich, sonst gibt es Probleme mit den Sehnen.

Und Liegestütze: tja, mit 5 x 30 Liegestützen im letzten Sommer wurde es schnell langweilig, zeitaufwendig und fühlte sich nicht mehr gut an. Ich war am Aufgeben. Hier war der Trick: langsamer werden. Heute mache ich nur 3 x 10 Wiederholungen, aber so langsam, dass ich wirklich jeden Morgen an meine Grenze komme. Und ich variiere: nehme die Hände zusammen, mal auseinander, mal diagonal versetzt. Und seit neuestem planke ich zusätzlich, also halte einfach, ohne Bewegung. 6min aktuell, 8 x 45sec. Das ist der Kracher! Wirklich. Hier bin ich erst im zweiten Monat der täglichen Übung und mein Körpergefühl, meine Muskelkraft hat sich nochmal dramatisch verändert. Das planken war bislang auch das Anstrengendste. Ne, eigentlich war auch das Seilspringen am Anfang super schwer.

Bildschirmfoto 2017-04-04 um 06.21.08Die Überwindung, der Widerstand, die Selbstsabotage, die Bequemlichkeit, die Anstrengung. All das erfahre und übe ich in den ersten 30min nach dem Aufstehen. Jeden Tag, seit über einem Jahr.

Die Meditation

Dann wird geduscht, angezogen und entweder fahre ich in den Dojo in der Firma oder ich setze mich zu Hause hin. Bereite meine Decke auf dem Boden aus, rücke mein Sitzkissen zurecht. Zünde ne Kerze an und setze mich. Diese Routine habe ich jetzt vielleicht schon 5 oder 6 Jahre lang. Jeden Morgen 20min Sitzmeditation.

Hier muss ich streng sein mit mir. Über die Zeit kenne ich alle meine Ausreden, alle meine Ausflüchte, es nicht zu tun. Ich kenne auch alle meine Taktiken, mich zur Meditation hinzusetzen, und dann doch nur zu träumen oder zu planen, zu arbeiten. Mit den Jahren habe ich all das an mir selbst erlebt. Aber irgend etwas, mein Umfeld, mein bester Freund, die Technik an sich, die lange Tradition, und meine eigenen Erfahrungen, zieht mich so an, dass das tägliche Sitzen dazugehört wie Duschen oder Zähneputzen.

20 Minuten. Jeden Tag. Hinsetzen. Augen zu. Atem zählen. That’s it.

Meine Entwicklung hier verläuft auch in Wellen. Die Achtsamkeit, die Klarheit entwickeln sich unterschiedlich. Die Unachtsamkeit und das Unklare wird dabei nie und nicht weniger, die Felder verschieben sich nur immer weiter.

Die Atemtechnik halte ich einfach. Das reine Zählen (Einatmen 1, Ausatmen 2 bis 10, dann von vorn) am Anfang ist ergänzt worden. Erst durch Timing: wann trifft der Atem auf die Nasenspitze? Was passiert dabei? Was verändert sich durch die Beobachtung? Oder auch: wann kommt der Impuls zum Einatmen genau? Wo entsteht der Impuls? Und aktuell durch den Ort: tief in den Bauch einatmen, kurz warten, tief aus dem Bauch ausatmen. Damit habe ich über die Zeit diese vier einfachsten Atemtechniken jeweils etwa ein Jahr lang geübt.

Das Schreiben

Nun, das habe ich im letzten Jahr nicht mehr gemacht. Ich habe gelesen, viel Facebook, Feedly den Newsreader, Spiegel Online oder auch mal ab und zu Bücher im Kindle. Lange Zeit habe ich jeden Morgen nur für mich Tagebuch geschrieben, viele Tage auch hier öffentlich. Was sich aus diesem Neustart grad entwickelt weiss ich grad nicht.

Das Foto

Das hätte ich fast vergessen. Neben dem Tagebuch, habe ich ja auch jeden Morgen u.a. zur Illustration auch ein Foto vom Sonnenaufgang gemacht.

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Der Start

Jetzt geht der Tag los, mit Radio an, Frühstück machen, ins Büro gehen, fahren, Kalender auf, Todo Liste raus, Mails gelesen. Denn nach dieser Routine erst, entfaltete sich das leere Blatt des neuen Tages. Bereit, um beschrieben und bemalt, ausgefüllt zu werden. Was auch immer wirklich passieren mag!

Meditation

Istanbul, Tag 1128

Feiertag, Freitag. Heute lass ich’s laufen. Aufgewacht und von ganz konkreten Arbeitsproblemen geträumt, die anders verliefen, Erkenntnisse brachten und vertieften.

Heute gibts ein Bild von mir von unserem diesjährigen Meditationsretreat, das letztens in meinen Nachrichten aufgetaucht ist. Danke, Tony, für diese Aufnahme.

Arne

Heute morgen auf dem Kissen hatte ich eine zweite kleine Eingebung. Hatte mir ja vorgenommen, mir hier in Istanbul über die Zukunft von unserem Patentinformationsgeschäft Gedanken zu machen. Wie genau wollen wir das in den nächsten Jahren machen, was brauchen wir dafür. Was soll das System können. Es ist sehr anstrengend auf der einen Seite, weil ich viel zu viel darüber weiss. Und es ist sehr leicht auf der anderen Seite, weil es da ist und wir das nach unserem Willen gestalten können ohne gänzlich davon abhängig zu sein. Nun habe ich schon länger die Idee, dem Geschäft einen neuen rechtlichen Rahmen zu geben und heute morgen kam ein Durchbruch. Ein Gefühl, nun genau zu wissen, was zu tun ist, dass es genauso gehen könnte.

Das gibt immer wieder Mut, das ist der Ausweg aus der gestrigen kognitiven Dissonanz. In solchen Momenten fühle ich mich im Einklang mit mir und meiner Umwelt. Ich weiss, dass das schnell vorbei gehen kann und sich in den Details wieder abschwächen, wenn nicht verlieren wird. Aber solche klaren Momente möchte ich gerne würdigen. Mit Meditation oder meditativen Tätigkeiten schaffe ich mir ein Umfeld, in denen solche Erkenntnisse aus meinem Unterbewusstsein an die Oberfläche kommen. Manchmal gelingt es dann, sie fest zu halten, kurz nur, um die Richtung seines Lebens zu ändern, sein Schicksal selbst zu gestalten.

Meditation macht Mut.

 

Ignoranz

Berlin, 8:01, Tag 976

Heute Nacht gut geschlafen, mit einem schönen, intensiven Traum aufgewacht. Seit ich die hier nicht mehr ausbreite, hab ich ihn schnell vergessen lassen. Heute morgen schon eine Stunde meditiert, erst vierzig Minuten allein. Sehr konzentriert, aber auch wieder Gedankenketten nachgehend. Dann mit einem Kollegen noch zwanzig Minuten hinterher, diesmal mit halbgeöffneten Augen.

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Ein Thema, welches hoch und wieder kam, war meine Ignoranz. Eines der drei Gifte, sagen die Buddhisten. Wir wählen oft, nicht genau hin zu schauen. Ich mach das ganz oft. Ich habe die Techniken, ich habe die Einsicht, um in meinem Alltag, in meinem Leben nicht wissend, liebevoll zu handeln und ignoriere diese Fähigkeiten. Meist unbewusst. Ich lenke mich ab, gehe in den Autopiloten, mache dies, mache jenes, bin beschäftigt, busy.

Ich halte es oft nicht aus, bin sehr ungeduldig und kann nicht annehmen, was ist. Ich kann nicht annehmen, was nicht ist. Und meine Ignoranz, also meine Fähigkeit, Dinge, Andere, Gefühle, Gedanken bewusst oder unbewusst zu ignorieren (nicht los zu lassen), stresst mich eigentlich.

Bei der Meditation lernte ich, wie ich trotz alles Zwickens in den Beinen, trotz der vielen Gedanken und Gefühle, immer wieder zu meinem Atem zurück kehren. Ihn einfach zählen, ist die Aufgabe, die eigentliche Aufgabe. Und auch in unserem Alltag geht es immer wieder darum, zu unserem Atem, zu uns selbst zurück zu kehren, zur eigentlichen Aufgabe.

Das im Alltag ist viel schwerer, als auf dem Meditationskissen. Aber Aufgeben gibt es nicht, jeder Tag ist brandneu, jeden Tag kann ich es neu versuchen. Jeden Tag, versuche ich es wieder!

Wünsch Euch einen achtsamen Mittwoch.

Passiver Konsum

Berlin, 7:29, Tag 969

Heute Nacht gut geschlafen, wild geträumt, mit Gedanken an meine Süchte aufgewacht und unruhig meditiert. Eine kleine Erkenntnis kam hoch. Davor schon und auch danach nochmal stärker: die Verbindung meiner Neigung zu stofflichen Süchten und Facebook, Twitter, Spiegel Online und Tumblr. Werde heute mal auf Entzug gehen.

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Habe meine Homescreen auf dem iPhone schon umsortiert. Meine Bookmarks gelöscht. Bin keiner der sich abmeldet, warum auch? Die Werkzeuge sind nur Werkzeuge. Es kommt immer auf denjenigen an, der sie wofür benutzt. Die Umsortierung und Löschung dient nur als Hilfe zur Aufmerksamkeit.

Passives Konsumieren macht für mich den Unterschied zwischen Sucht und „normalem“ Leben aus.

Mein Lieblingscomedian Louis CK hat das mal wunderbar zusammengefasst in einem kleinen Stück über seine Süchte. Er würde niemals Drogen nehmen. Damit er dann, wenn er sie nimmt, richtig Spass daran hat. Sonst wären sie ja doch nur wieder ein weiteres Problem in seinem Leben. Und davon hat er ja schon genug.

Für mich finde ich viel Weisheit in diesen kurzen drei Minuten. Für mich ist es genau so. Wenn man Facebook & Co ständig benutzt, immer offen hat, immer wenn man einmal kurz nichts zu tun hat, darin passiv rumliest, ist es nur „another pain in the ass“. Ich lese und lese und merke nicht, was ich mir da antue, was ich aufnehme.

Am Morgen merke ich das noch am deutlichsten. Die Qualität meiner Meditation hängt sehr stark davon ab, was ich vorher tue. Wenn ich Facebook oder Spiegel lese, wird sie oberflächlich, zerfasert und einfach unruhiger. Wenn ich aber einen kurzen spirituellen Text von zB Thich Nhat Hanh lese, habe solche wohlüberlegten Worte eine ganz andere Wirkung.

Ich lese dann meist ein oder zwei Seiten aus Transformation at the Base. Heute morgen zufällig passend über unsere Wahrnehmungen. Die Buddhisten unterscheiden achtzehn Formen unserer Wahrnehmung. Unserer sechs Sinne (Augen, Ohren, Nase, Schmecken, Körper und Bewusstsein) haben jeweils direkte, dann konstruierte Wahrnehmungen und drittens reine Vorstellungen. Direkte Wahrnehmungen sind extrem selten in unserem Alltag. Wir leben in unseren Vorstellungen von den Dingen die uns umgeben, haben keinen Zugriff auf deren wahre Natur. Wir können nicht vollständig erfassen, was der Computer auf dem wir schreiben oder lesen wirklich ist.

Wenn ich mich mit solchen Gedanken dann hinsetze, gelingt es mir leichter, mich zu konzentrieren, und mich an das Wesen der Meditation zu erinnern.

Wünsch Euch irgendwie befreit einen schönen Mittwoch.

Mein Weg

Berlin, 7:58, Tag 966

Heute Nacht schön geschlafen, zeitig hoch. Schon vierzig Minuten meditiert, den ruhigen noch leeren Sonntagmorgen genossen.

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Habe an Bekannte gedacht, mit denen ich mich schnell und stark verbunden hatte und denen ich nun immer noch nicht antworten kann auf ihre Mails. Menschen, die ich auf den ersten Blick sehr bewundert, deren Bekanntschaft ich gesucht habe. Als ich näher kam, war ich wohl enttäuscht. Wenn ich die Schwächen an anderen sehe, die keine haben sollten, brauche ich Zeit. Es gibt Erwartungen und Regeln, bei der Kommunikation zwischen Bekannten, die ich immer und immer wieder brechen möchte. Vermutlich um heraus zu finden, wie ehrlich und wie vorurteilsfrei andere sein können.

Gestern war hier Riesendemo gegen TIPP und ich bin nicht hin. Haben gefaulenzt und haben am Nachmittag ruhig eingekauft und sind etwas draussen Essen gewesen.

Gestern morgen ist Ankara ein schrecklicher Anschlag verübt worden, den ich wenige Minuten später auf Twitter entdeckt habe. Hundert Menschen sind gestorben, die sich für ein Ende von Konflikten eingesetzt haben. Bin traurig. Ein langer Artikel über Verlust und Trauer fand mich gestern noch. Mag ihn gar nicht hier verlinken.

Finde gerade meine Erinnerung an meinen Weg mit der Meditation zurück. Habe über den Tag verteilt viele Gedankenblitze, an die Zeit, wie es damals war, als es noch neu für mich war. Wie sehr ich überrascht, wie sehr entschlossen ich schon einmal gewesen bin.

Heute habe ich schon so viel davon integriert, dass ich es nur noch selten bemerke und wieder mal sehr streng mit mir bin. Wünsche mir manchmal, diese grossen Schritte, diese Begeisterung der Entdeckung zurück. Erzeuge mir das ab und zu, in dem ich jemandem der mich danach fragt, die wirklich einfache Meditationstechnik zeige. Dauert ja nur fünf Minuten und man beherrscht die grundlegende Technik. Dann ist es nur noch zu tun.

Spüre wieder das Verlangen, noch achtsamer in meinem Alltag zu sein: rein, nur im Moment, dann annehmen, was ist. Aushalten, nicht zu wissen. Liebevoll, freundlich Handeln. Sehe grade sehr viel, wann ich das nicht erreiche. In 99,98% meines Tages bin ich das nicht: werte, reagiere, lenke mich ab, renne weg, dämpfe, unterhalte mich. Achte nicht darauf, was ich tue, bin nicht im Moment.

Die Reflektion, das darüber Nachdenken, das Sehen, was ist… ist immer mein erster Schritt gewesen. Die Veränderung passiert von allein, wenn man diese 5min Technik erst einmal drauf hat und immer wieder anwendet. Ein paar mal bewusst Atmen, ein und aus, dabei den Kopf leeren: wenn ich einatme, weiss ich das einatme, wenn ich ausatme, weiss ich das ich ausatme. Das reich schon. Es dreht sich dann alles von allein, Stück für Stück, unmerklich. Erst im ehrlichen Rückblick können wir es sehen.

Und trotzdem, es hört nie auf. Die Aufgabe ist nicht abzuschliessen. Es kommen ständig neue Probleme, neue Herausforderungen. Das macht mich traurig, das lässt mich verzweifeln. Und doch gibt es keinen anderen Weg. Einatmen, Ausatmen.

Und los!

Schönen Sonntag Euch.

Späte Kurzmeldung

Berlin, 7:38, Tag 956

Ein schöner, ruhiger Morgen nach einem wilden Traum. Bin noch leicht erschöpft, aber ausgeschlafen und ruhig entschlossen.

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Gestern einen Kickoff für die wichtigste Ausschreibung unserer Firma seit langem. Habe versucht, die Grundlagen für die nächsten vier Wochen Arbeit zu legen, für Ziele und Struktur und Status. Jetzt loslassen. Keine Angst. Nur Vertrauen und Entschlossenheit.

Am Nachmittag gab es noch eine Lektion in Sachen Aufgeben. Aus Angst vorm Frei sein, aus Angst vor Kontrollverlust, verkrampfen wir uns. Die Muskeln verhärten, die Augen weiten sich, wir sind gelähmt, unfähig zu handeln. Uns auf solche Momente vorzubereiten, ist eine schöne Aufgabe. Ohne Zwang. Ohne Druck. Ohne Täuschung. Glaubst Du an Dich? Möchtest Du es lernen? Was, wenn man tief drin, kein Ja findet, sondern nur ein Ja, aber…?

Dann ist es noch nicht so weit! Dann ist man selbst noch nicht so weit, für diese Stufe, diese Lektion im Leben. Aber ich bin gewiss, die Chance wird wieder kommen. In der ein oder anderen Form.

Heute morgen dann habe ich genau meine Anleitung für einen Einstieg in Meditation hier gefunden. Genau so hat es mir mein Freund und Lehrer beigebracht. Genau so bringe ich es anderen bei, die mich danach fragen.

Nun ist es schon später Nachmittag geworden, mit dem offenen Fenster hier. Wünsch Euch noch einen schönen Abend.

Überwältigt

Berlin, 7:10, Tag 938

Heute zeitig hoch. Habe gestern versucht, zeitig einzuschlafen, hat nicht ganz geklappt. Der Tag war schön. Haben wieder mal richtig schön gespielt. Klettern. Im Sand Schätze gesucht. Hat Spass gemacht. Dann noch ein ruhiger Spaziergang mit der Liebsten. Es ist schön, dass wir zusammen hier sind.

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Heute morgen eine lange Meditation geplant. Das letzte Drittel dann nicht mehr im Sitzen. Es wurde sehr intensiv. Fast extrem. Die Gedanken wurden tief und tiefer und die Gefühle stark und stärker. Die Rückkehr zum Atem der letzte Rettungsanker. Bin noch so überwältigt, dass ich hier jetzt schnell schreibe. Und dann wieder zurück kehre, weg von diesem Fenster.

Wünsch Euch einen ruhigen Sonntag!

Im Moment sein

Berlin, 6:41, Tag 925

Heute ist Schulanfang für unsere Kleene. Bin etwas aufgeregt für sie, aber sie macht das schon. Das erste mal Füller, Turnbeutel und Pausenbrot. Gab es in der Türkei nicht.

Sonst ist  nicht viel passiert, wir haben weiter geräumt und geplant, einen Fahrradausflug übers Tempelhofer Feld gemacht. Danach Indisch gegessen, Kuchen im Golightly hinterher. Ruhiger Sonntag. Die neue Woche, die nun bevor steht, ist die erste im neuen Setup.

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Bin doch wieder hoch aufs Dach über den angelehnten Notausgang. Habe auch oben meditiert. Die Temperaturen sind grad genau richtig. Für im T-Shirt früh um 6 draussen sitzen. Wunderbar.

Die Gedanken flogen nur so von Thema zu Thema. Die Rückkehr zum Atem, zu diesem Moment, weg von den Träumen, Sorgen, Wünschen, Wollen, Müssen ist immer wieder ein Erlebnis.

Immer wieder merke ich, dass das viele Denken, Erinnern, Planen meine Unruhe, meine Ungeduld ausmacht. Und genau dort lasse ich meine Energie. Da liegt die Reserve. Da liegt alles Potential.

Wenn ich dort oben sitze, brauche ich nichts weiter tun, als die Wolken und die aufgehende Sonne betrachten.

Wenn ich die Treppen runterkomme, brauche ich an nichts anderes denken, als das Treppen steigen.

Wenn ich hier sitze, brauche ich nichts anderes tun, als in mir zu lesen.

Alles hat doch seine Zeit.

Unser zurück Erinnern können, unser vorwärts Denken können macht alles oft so kompliziert. Es ist oft kein Tool für mich, sondern Last. Weil ich es zu viel mache. Nicht in Balance bin, nicht auf dem Mittelweg gehe. Immer wieder in die Extreme abdrifte.

Und weil das so ist, hole ich jetzt Schrippen. Und tue nur das. Versuche, alles zu sehen, was mir dabei passiert. Einfach nur das. Nicht mehr. Und nicht weniger!

Wünsche Euch einen achtsamen Tag.

Tratschtanten

Bizimköy, 6:32, Tag 908

War sehr warm heute Nacht. Wenig Wind, viel Schweiss.

Heute mal ein anderes Bild. Habe wieder keinen Unterschied entdecken können, beim Sonnenaufgang heute morgen. Nach fünf Minuten warten auf eine Krähe oder eine Elster, bin ich an den Strand zur Meditation.

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Das lustige an den Türken ist ja ihre Unbekümmertheit!

Ein Beispiel: Ich setze mich an den Strand, der ca. 3km breit ist und in viele verschiedene circa 50m Abschnitte unterteilt ist. Und dabei suche ich mir genau die Stelle aus, an der gleich zwei ältere Damen ihr Morgenbad nehmen werden. Ich sitze auf dem Kissen am Strand und sie kommen zielstrebig angelaufen, packen ihre Handtücher und Badelatschen in drei Metern Entfernung neben mich. Und gehen genau vor mir -die ganze Zeit schnatternd- ins Wasser.

Während ich wie ein Buddha mit geschlossenen Augen daneben meditiere und meinen Rücken durchstrecke, um meinen Konzentrationsbemühungen auch äusserlich Ausdruck zu verleihen.

Was für eine Übung. Ich überlegte kurz, ob ich den Platz wechseln sollte und nahm dann doch die Herausforderung an. Nach ein paar Atemzügen merkte ich, dass die Wellen am Strand ein ähnlich monotones Geräusch machen, wie die Stimmen der beiden tratschenden Damen im Wasser. Nach weiteren Momenten der Konzentration auf meinen Atem, verschwanden die Stimmen und ich war wieder gefangen in meinen eigenen Gedanken.

Mir fielen in Vorbereitung auf meine Vorträge zwei Geschichten ein.

Solche Geschichten, die einem normalerweise einfallen, wenn man mitten in der Nacht wach wird, einen absoluten Geistesblitz und nichts zu schreiben neben sich hat. Um dann am nächsten Morgen noch eine Erinnerung an das Gefühl der Erkenntnis zu haben, aber nicht mehr zu wissen, worum es ging. Oder, falls man es sich doch aufgeschrieben hat, die Genialität der Worte einfach nicht mehr zu begreifen.

Es soll bei meinen Vorträgen ums Scheitern gehen. Also etwa so:

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Nun will ich aber in den Vorträgen keine anderen „gescheiterten“ Existenzen, wie Michael Jordan zitieren, deren Scheitern hierzulande ja kaum bekannt ist oder irgend eine Rolle spielen würde.

Also dachte sich mein Bewusstsein vorhin, mir ein paar Geschichten aus meinem Leben einzuspielen. Sozusagen als Anregung. Warum? Keine Ahnung!

Vielleicht weil Ärger (über tratschende Damen) doch irgendwie mir Scheitern (bei der Platzwahl für meine Morgenmeditation) verknüpft ist? Oder weil ich vielleicht gestern erst diesen Artikel hier gefunden habe. „Through failure you find out who the survivors are.“ ist noch das beste Zitat, der Rest ist eher so lala. Aber mich interessiert zur Zeit der Grundgedanke.

Aber, nun aber zur Meditation am Strand und den Geschichten:

Vor 26 Jahren fiel ja die Mauer und die DDR scheiterte krachend. Eine für mich wichtige Erkenntnis dabei war ja: egal, was sie Dir erzählen, morgen kann alles anders kommen. Eine gesunde Skepsis gegenüber Regierungen, Politikern und Medien begleitet mich seit dem.

Zwei Jahre vorher passierte folgendes: ich beschwerte mich beim System über das Versagens eines ihrer Teilnehmer. Wir sollten im Kuhstall, in dem ich mit 16 anfing zu arbeiten, eine Grundeinweisung, ja Grundausbildung bekommen. Dauer zwei Wochen. Danach würden wir im Schichtdienst mitarbeiten.

Nun war es so, dass wir vom ersten Tag an voll mitarbeiteten und entsprechend gestresst waren. Als dann irgend jemand mal wieder über Planerfüllung und Erfolge laberte, konterte ich mit der Realität des Scheiterns unserer Ausbilder, die uns einfach nicht grundausgebildet hatten.

Daraufhin entzog das System unseren Ausbildern die Prämie, die uns darauf hin noch bescheidener behandelten. Und alle(!) Beteiligten waren sauer! Auf mich! Das System: weil es nun Stress mit der Realität hatte. Meine Ausbilder: weil sie weniger Kohle hatten. Meine Mitauszubildenden: weil sie noch mehr getriezt wurden.

Das war die erste Geschichte! Nun zur Zweiten:

Zwei Jahre nach dem Mauerfall in einer westdeutschen Sparkasse passierte etwas ähnliches. Ich war in der Wechselabteilung, einem Relikt aus frühkapitalistischen Zeiten. Der dortige Ausbilder war 56 und seit 40 Jahren bei der Sparkasse und seit 37 Jahren in der Wechselabteilung. Er machte noch alles mit Stift und Kassenbüchern. Benutzte aber schon mechanische Rechenmaschinen, sogar die mit einem zweifarbigem Bonstreifen. Als ich kam, war ich komplett faszniniert. Ich versuchte alles zu lernen, scheiterte aber immer wieder an der mir eigenen Schnelligkeit und der daraus resultierenden Ungenauigkeit. Diese, gepaart mit fehlender Übung, und ich durfte wochenlang nichts in das Kassenbuch eintragen. Er fand, Tipp-Ex zerstörte die Schönheit seiner Aufzeichnungen.

Nun hatte ich ja im Osten gelernt, dass Beschwerden beim System zum Sauersein aller Beteiligten führte. Und zwar auf mich.

Diesmal beschwerte ich mich also nicht. Kein Wort über die Irrelevanz der Ausbildung in dieser Abteilung. Statt dessen schaltete ich nach Feierabend den zugedeckten, unbenutzten Rechner auf einem der Schreibtische in seinem Zimmer an.

Das Ergebnis dieser Aktion war, dass wenig später die Wechselabteilung geschlossen wurde und ich belobigt wurde. Das Programm auf dem Computer, rechnete die Wechsel automatisch ab. Aufwand: halbe Stunde pro Woche.

Es gab nur noch einen, der sauer auf mich war: der Herr, der nun nach über 37 Jahren einen anderen Job hatte und in der Kreditabteilung manuell Darlehen verlängern musste.

Er war im übrigen Millionär, wie ich wenig später per obl Abfrage im 3270 Terminal illegal herausfand. Weil? Er wohnte noch bei Papa und fuhr einmal jährlich in den Urlaub: nach Oldenburg, zur Besichtigung der Landeszentralbank. Sonst hatte er keine Ausgaben und alles, alles Geld, was er verdiente in Sparkassenprodukten und Berlin Darlehen angelegt.

Ok, die Geschichten lassen sich nicht vergleichen. Einmal ging das System eines ganzen Landes unter, ein andermal nur die Abteilung einer Bank. Aber meine aufgefrischte Erkenntnis aus diesen zwei Erinnerungen: Beschwerden beim System bringen Ärger. Computer anschalten und benutzen bringt Lob.

Mhh, diese beiden Erlebnisse fielen mir also vorhin ein, als ich neben den schwimmenden Tratschtanten meditierte. Machen jetzt, nachdem ich sie aufgeschrieben habe, überhaupt keinen Sinn mehr für meine Vorträge. Aber das ist ja immer so, bei solchen Geistesblitzen. 😉

Und nun wünsch ich Euch noch einen schönen Freitag, ohne viel Ärger!

Fliegende Fische

Istanbul, 6:28, Tag 827

Heute Nacht habe ich geträumt, aber beim sehr zeitigen Wach werden vergessen, wovon. Statt dessen habe ich diesen elendig langen Artikel gelesen, über den Zustand und die Zukunft des Journalismus im Angesicht von Facebook. Wichtigster Satz für mich: „Ohne Text gelingt die Institutionalisierung nicht.“ Ansonsten, der Artikel hat eine klare Meinung und beschreibt die Situation gut.

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Das sehr zeitige Aufstehen war begleitet von einigen Einsichten. Für den gestrigen Feiertag hatte ich mir viel vorgenommen und nichts davon gemacht. Heute aber sehe ich, warum. Und heute sehe ich auch, dass es nicht nötig war, das zu tun, was ich mir für gestern vorgenommen hatte. Es ist auch nicht nötig, dass ich mich deswegen schlecht fühle. Und trotzdem fällt es mir schwer, das zu ändern. Diese Dynamiken, diese Prozesse, die da in mir ablaufen, wenn ich statt zum Excel doch den Browser aufmache oder Nichts oder was ganz anderes tue, sind schon sehr spannend zu beobachten.

Was mich zum eigentlich Thema bringt. Da setze ich mich doch vorhin aufs Kissen und erinnerte mich an meinen gestrigen Post, der mir sehr wichtig, sehr stark vorkam. Und mir fiel ein, dass der Umgang mit den Ursachen unserer negativen Gefühle eine Grundlage haben sollte, eine Grundlage braucht.

Ohne diese Grundlage ist das Geschreibe nicht verständlich. Ohne diese Grundlage macht das alles keinen Sinn. Es fühlt sich vielleicht richtig an, aber es ist mehr mein Gefühl. Ihr habt vielleicht, bestimmt keine Verbindung zu dieser Art Umgang mit den Ursachen.

Ich erkläre mich einigen auf diese Weise schon eine ganze Weile.

Und es funktioniert oft nicht. Es funktioniert nicht!

Dabei fühlt es an, als ob eine Möve dem Fisch erklärt, wie Fliegen geht: Einfach deine Flossen ausbreiten und abstossen. Siehst du? Geht doch! Ach, wie Du bist immer noch im Wasser? Irgendwas machst Du bestimmt falsch.

Und ich erklär das nur so, weil das Bild sonst damit enden würde, dass die Möve ersäuft.

Eine der grundlegenden Dinge dabei ist die Meditation! Das zur Ruhe kommen, das Stoppen des unaufhörlich Beschäftigtseins, das Sitzen, das Nichtstun. Wenn wir es nicht schaffen, zu stoppen, anzuhalten und uns mit dem zu Verbinden, was jetzt grad passiert, klappt es nicht.

Wenn ich sitze, dann sitze ich! Wenn ich gehe, dann gehe ich! Wenn ich schreibe, dann schreibe ich! Ich merke, dass ich sitze, gehe oder schreibe. Wenn ich an einer roten Ampel warten muss, dann mach ich nur das.

Erstens: diese grundlegende Fähigkeit nenn ich mal Achtsamkeit oder Aufmerksamkeit. Wenn wir nicht wahrnehmen können, was um uns herum genau jetzt passiert, dann sind wir gar nicht wirklich vorhanden, dann leben wir nicht. Worauf sich unsere Aufmerksamkeit richtet, das existiert für uns. Alles andere nehmen wir nicht wahr. Wenn wir uns an einer roten Ampel ärgern, dann existiert dieser Ärger für mich, dann bin ich dieser Ärger und nicht ein Mensch, der an einer roten Ampel wartet. Es ist wie das Licht einer Taschenlampe im Dunkeln. Dort wo der Lichtkegel hin scheint, das taucht aus dem Dunkel auf, das existiert für uns. Das was kein Licht bescheint, sehen wir nicht, das existiert nicht für uns oder nur in unserer Vorstellung, Erinnerung.

Zweitens: das zweite wichtige Element ist Konzentration. Achtsamkeit allein genügt nicht, es erfordert unsere Konzentration bei der Sache, bei einer Sache zu bleiben. Ohne die Fähigkeit unsere Aufmerksamkeit auf eine Sache, ein Ding, konzentrieren zu können, lassen wir uns treiben, schwimmen wir so vor uns hin. Die Konzentration ist dabei wie die Batterie in der Taschenlampe. Nur mit vollen, starken Batterien, kann das Licht der Aufmerksamkeit scheinen und die Dinge so beleuchten, wie sie wirklich sind. Ohne Konzentration, ohne die Fähigkeit, uns konzentrieren zu können, flackert unsere Aufmerksamkeit wie eine schwache Kerze im Wind mal hier mal dort hin.

Drittens: untrennbar mit Konzentration verbunden ist das dritte grundlegende Element, die Erkenntnis. Konzentrierte Aufmerksamkeit erzeugt Einsicht. Erkenntnisse und damit Wissen und Erfahrung sind nur möglich, wenn wir uns mit einer Sache intensiv beschäftigen und auseinander setzen. Ohne, dass wir uns konzentrieren auf genau diese eine Sache, klappt das nicht. Binsenweisheit, eigentlich!

Aufmerksamkeit – Konzentration – Einsicht.

Stabilität und Konstanz scheint unser Streben zu gelten, scheinen unsere Ziele oder Wünsche zu sein, aber so ist unsere Welt definitiv nicht eingerichtet. Konstanter Wandel, ständige Veränderung sind eher die Kennzeichen unseres Lebens. Was eben noch galt, stellt sich schon jetzt als Illusion, als blosser Wunsch heraus. Nur mit Aufmerksamkeit und Konzentration sind wir in der Lage, dies auch jetzt zu erkennen.

Schon wieder viel geschrieben. Viele Worte der Bestätigung, der Reflexion, auf der Suche nach meinem Weg.

Als ich heute morgen lange auf dem Kissen sass und meinen Atem zählte, kamen mir viele Ideen. Dringende Ideen. Wichtige Sachen, die unbedingt zu erledigen sind. Ich erlaube mir, das aufzuschreiben. Es befreit und erleichtert mich, dass auch alle Sorgen, alle Probleme dem ständigen Wandel unterworfen sind.

Gestern noch unlösbar, heute schon irrelevant.

Wünsche Euch voller Tatendrang einen produktiven Freitag!