Schlagwort: samstag

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Tagebuch Teil II

Erst Putzen, dann Reiten, dann Schauen.

Heute Nacht viel, sehr viel geträumt. Von Gerald aus Landgrafroda. Ein richtiger Spielfilm über ein Wiedersehen nach so vielen Jahren, nach über 30 Jahren. Ruhiger, schöner Morgen. Aber wir sind zeitig zum Reiterhof.

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Heute war um 10 Uhr schon Sonderstunde: Putzen, Halftern, Satteln. Eine Stunde haben wir Winterfell von Baron geholt bis ein Riesenberg davon in der Ecke lag. Die zweite Stunde habe ich den Schwanz oder Schweif sortiert. Alle Haare einzeln auseinander geflöht. Meditation pur. Notiere: Pferde haben mehr Geduld als Menschen. Danach war das Reiten ein wirkliches Vergnügen.

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Erst im Schritt lockern, aber nicht sehr lange. Dann im leichten Trab alle Übungen selbstständig gemacht. Während dessen haben wir über Alkohol gesprochen, einfach weil ich gestern ein paar Flaschen Wein für die Familie eines Freundes kaufen durfte und ich mich an die Zeit, die zwanzig Jahre, vor 2009 erinnert habe.

Dann wurde es schnell ernst und ich sollte die Reiterfaust machen, noch an der Longe, und noch im leichten Trab. Das klappte ganz hervorragend.

Dann wurde ich freigelassen und sollte immer an der Wand lang spazieren, im Schritt. Alles gut, dachte ich. Gleich ist die halbe Stunde sicher wieder vorbei. Aber dann sollte ich antraben. Das erste Mal. Das erste Mal allein, nicht an der Leine, sondern allein in der Reithalle antraben. Die Aufregung nahm mir die Lockerheit, so dass das leichte Traben nicht so richtig gelang und ich mit dem Allerwertesten gegen den Sattel klatschte. Aber ansonsten, herrlich. Wieder ein Grinsemoment. Trotz des unrunden Sitzes. In dieser etwas höhere Geschwindigkeit durch die Halle zu reiten, macht richtig Spass. Hab mich ans Motorrad fahren erinnert. Ein bisschen kann man sich auch beim Reiten in die Kurven legen. Wenn man dann ein wenig langsamer hoch und runter wippt (wie man es beim leichten Trab ja macht), dann stoppte meine Inka gleich von allein. Hat echt tolle Sensoren in ihrem Rücken. Puhhh.

Schön wars!

Danach sind wir noch im Tierheim vorbei. Das ist ja ein architektonisches Kleinod. Und eine riesige Anlage. Wirklich richtig weitläufig. Hier der Blick auf den Katzentrakt.

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Wir spielen mit dem Gedanken, uns einen Hund anzuschaffen. Bin mir noch nicht wirklich sicher, aber eigentlich haben wir alle drei richtig Lust. Schon mehrere Monate quengelt die  Kleene, und so richtig recherchieren und damit beschäftigen wir uns nun schon eine Woche damit. Wenn das weiter anhält und uns allen weiter Spass und gute Laune macht, dann wird das wohl dieses Mal wirklich was.

Ich hatte als Kind eine richtig tollen Gefährten, allerdings lebten wir auch aufm Dorf. Leider habe ich, als ich mit 16 ins Internat ging, zu ihm den Kontakt verloren. Das ist ne Entscheidung fürs Leben, wir überlegen uns das jetzt weiter erst mal alles richtigrichtig gut und suchen während dessen entspannt weiter.

Die Zeit mit den Tieren zu verbringen, erdet mich grade sehr und sind in wenigen Monaten schon ein wichtiger Ausgleich zu dem sonstigen Beschäftigungen in meinem Leben geworden. Richtig gut!

 

 

 

Tagebuch Teil II

Motivationstraining

Berlin, Tag 1143

Ausgeschlafen, zeitig hoch, Frühstück und dann auf zum Reiten. Heute Doppelstunde.

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Hat richtig Spass gemacht. Hab ganz in Ruhe das Pferd fertig gemacht. Die sind jetzt so staubig, noch mit Winterfell, kriegt man kaum sauber ohne feuchtes Handtuch.

Dann im Schritt konnte ich alle Gleichgewichtsübungen fast ohne Anweisung der Trainerin machen. Hab einfach angefangen, alle Übungen, an die ich mich erinnerte von alleine abzuspulen. Apfel pflücken, Hände schräg hoch, dabei Oberkörper – nicht die Hüfte – drehen, als ob man einen Hechtsprung vom Pferd machen will, vorne rechts links, vorne überkreuz, hinten rechts links abklopfen. Pferd umarmen. Und dann auf ausdrücklichen Wunsch der Trainerin, das früher (pah! vor 4 Wochen;) sehr unangenehme, Bein übern Hals in den Damensitz und dann wieder versuchen, die Hände überall hin zu kriegen, nur nicht an den Hilfsgurt.

Das ganze dann nochmal wiederholt im Trab. Also nicht im Damensitz, aber ohne in den Bügeln zu sein. Dafür als Hilfe vorher noch ein Rekalibrieren des Gleichgewichtssinns: zehn mal die Augen erst im Uhrzeigersinn viertel, halb, dreiviertel, um kreisen lassen. Dann entgegen dem Uhrzeigersinn wieder zehn mal. Hammer, was das ausmacht. Ist so, als ob in einem ein Schwungrad angestellt worden ist und man nun überhaupt nicht mehr runterfallen kann, so rein physikalisch gesehen. Das Ding merk ich mir! Muss ja auch bei der Drohne den Kompass ständig neu kalibrieren: mit einem Drohnentanz. Das das bei mir selbst auch geht, tss! 🙂

Noch ein schicke Übung war die Dehnung meiner Hals und Nackenmuskeln: erst mal rechts und links schauen, wie weit das Blickfeld ist und den Punkt merken, den man grade so sehen kann. Dann die, Hand vors Auge heben, am Handgelenk locker runterklappen lassen, das Handgelenk anschauen und erst mit der Hand langsam rechts und links drehen, so weit man eben kommt und dann seitenverkehrt nochmal, Hand nach rechts und die Augen links. Alles zehn mal. Wenn man danach nochmal versucht, weit nach rechts und links zu schauen, geht das etwa ne viertel Drehung weiter. Unglaublich, wie weit sich so ein alter Nacken noch drehen kann.

Danach letzter Akt im leichten Trab und dabei dann wieder ein magischer Moment: ich glaub, ich war total eins mit dem Pferd, voll im Takt. Ich konnte im leichten Trab im Rhythmus des Laufens des Pferdes, vorne, hinten, oben, überall abklopfen in zwei verschiedenen Geschwindigkeiten, ganz schnell also immer wenn ich oben und unten war, oder hinten abklopfen, wenn ich oben war, vorne abklopfen, wenn ich unten war. Das aber sowas von mühelos, dass es mich so richtig breit grinste.

Danach durfte ich zur Belohnung wieder ein paar Runde alleine durch die Halle, diesmal die Zügel im Westerngriff nur in der rechten Hand, um zu sehen und zu lernen, wie man ein Pferd über die jeweilige Aussenseite lenkt.

Man zieht nämlich nicht am rechten Zügel, wenn man rechts abbiegen will. Das weiss ich jetzt. Das denken nur Anfänger und machen die armen Pferde damit kaputt und wundern sich, warum die bockig sind. Viel, viel natürlicher ist es, wenn man den äusseren Zügel „anlegt“ und den inneren Zügel locker lässt. Also beim Rechts abbiegen, den linken Zügel nach rechts ziehen, und den rechten Zügel einfach locker lassen. Dabei noch den äusseren Unterschenkel mit nach hinten ziehen, passierte bei mir heute ganz natürlich. Und so drückt eine Wand aus Zügel, der am Hals anliegt, und Unterschenkel das Pferd in die gewünschte Richtung. Hah!

Es war das erste mal in meinem kurzen Reiterleben, dass sich ein Abbiegen natürlich und richtig angefühlt hat. Damit war das ein richtiges Motivationstraining heute. Und ich freu mich dermassen auf das, was da noch kommt.

Wird ja sicher nicht weniger anstrengend oder leichter, aber die Belohnungen durch solche Gänsehaut- oder Aha Momente ab und zu machen aber jeden Schweisstropfen, Muskelkater und Unsicherheit mehr als wett.

Ob ich nun schon diesen Sommer, oder erst nächsten oder übernächsten zu meinem Traum eines freien Ausrittes im Galopp über die Wiesen komme, völlig egal. Aber dass ich da jetzt weiter dran arbeite und dran bleibe, das habe ich ich heute ganz klar bemerkt.

Dabei schlepp ich seit gestern sogar eine leichte Erkältung mit mir rum, aber die merk ich eigentlich nur im Bett, oder wenn ich zur Ruhe komme. Auch spannend, wie man sich gesund fühlt – wenn man Spass hat, etwas macht, etwas liebt, ein Ziel hat.

Hui, ist jetzt fast ein Tschakka Post geworden. Wer weiss, was da für Drogen da beim Reiten ausgeschüttet werden. Sind Endorphine, glaub ich, die machen sowas wohl.

Also, bei Erkältung empfehle ich ne Reitstunde bei Carola, Endorphine, statt Aspirin Complex mit Ephedrine. Hilft viel besser! 🙂

Tagebuch Teil II

Privilegiert

Istanbul, Tag 1129

Heute intensivste Träume seit langem. Zum Schluss kurz vorm Aufstehen mein Büro mit meinen Kollegen leer geräumt, wir sind nur umgezogen, ich hatte die neuen Räume noch nicht mal gesehen. Und musst gleich am nächsten Tag auch nach Istanbul reisen.

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Gestern noch spät mit der Familie Essen gewesen, entsprechend unruhig war wohl mein Schlaf mit vollem Bauch. Der Neffe erzählte von seinen zwei Monaten Sibirien, er studierte dort Musik bis der russische Flieger von den Türken abgeschossen wurde. Danach wurde er raus geekelt, einmal bekam er eine Anzeige wegen falschen Überquerens der Strasse, einmal sass er vier Stunden auf dem Polizeirevier, weil ein Freund die Frage ob er wirklich Musiker sei, nicht beantworten wollte. Später wurde ihm klar gemacht, dass ein Visa eh nicht verlängert werden würde. Habe mich gleich so sehr an Najda’s Buch erinnert, dass ich gestern auch noch fertig gelesen habe.

Und bei allem zieht sich grad durch, dass ich merke, wie extrem privilegiert ich bin. Was für ein Riesenglück ich habe, so zu arbeiten, wie ich arbeite. Wie sehr frei ich doch bin. Wie sehr ich das mache, was ich grade möchte. Auch wenn ich mich dabei oft unglücklich und eingeengt und schlecht fühle. Das zählt nicht, das ist nur das verzogene Kind in mir.

Sei dankbar für die Freiheiten, die Du hast.

Tagebuch Teil II

Reisetag

Noch Berlin, Tag 1122

Heute Nacht von an einer Tankstelle sehr aggressiven Bettlern geträumt, die mich über den Platz jagten. Das Helfen wurde nicht belohnt, sondern bestraft. Eine Folge der riesigen Unterschiede. War zeitig wach, bin aber noch liegen geblieben.

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Gleich geht der Flieger, ich muss noch packen. Ein leicht mulmiges Gefühl habe ich. Nicht wegen den Gefahren, eher wegen der erneuten Rückkehr zu unserem alten Leben. Und auch wegen der komischen Stimmung im Land. Hier berichtet Hasnain Kazim gerade über seinen Abschied von Istanbul. Er endet damit, dass es viel Lobenswertes zu berichten gibt.

Ich spüre gerade beim Schreiben meine eigene Selbstzensur im Kopf, die mich daran hindert mich aufzuregen über die offensichtlichen Ungerechtigkeiten und das hier auch auszudrücken.

Sich selbst seine Werte bewusst zu machen und sich dafür zu entscheiden, sie auch zu leben, das Gute zu denken und das Schlechte nicht größer zu machen. Die Gräben nicht zu vertiefen, sondern Brücken zu bauen. Jeden Tag, in jedem Gespräch, in jedem Kontakt zu anderen. Das kann ich machen. Und nur das.

Tagebuch Teil II

Ruckzuck

Berlin, Tag 1110. Heute kurze Nacht. Bin zeitig wach geworden und hab beschlossen, nicht wieder einzuschlafen.

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Die im Retreat gestarteten Veränderungen haben gestern Nachmittag einen schönen Push bekommen, eine Bestätigung, einen Katalysator. Erst blieb ich cool und freundlich, dann habe ich mich doll erschrocken, dann wurde ich traurig und wenig später überflutete mich eine Tatkraft, eine Lust am Gestalten, am Machen. Das war, in einem Satz, mein gestriger Abend. Der zog sich über knapp drei Stunden hin. Danach habe ich mich von Jeff Bridges in The Big Lebowski in den Schlaf saufen lassen.

Auch jetzt bin ich noch hin und hergerissen, zwischen manno! und okeeee… aber gleich gehts erst mal los zum Reiten. Oh, die Zeit rennt, ich muss los. Bis später, schönen Samstag Euch.

 

 

Tagebuch Teil II

Pause

Berlin, 20:34, Tag 1103
Heute gibts zu viel zu berichten, deshalb mach ich ne Pause.

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Wünsch Euch nen schicken Abend.

Tagebuch Teil II

Samstagspaue

Berlin, 8:58, Tag 1096

Heute ausgeschlafen und irgendwie fühle ich mich zerschlagen. Mach mal Pause.

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Schönes Wochenende!