Horseman Diaries

Seit im Oktober 2018 kenn ich Pferdeflüsterei oder Natural Horsmanship. In goldenem Herbstwetter in den Ruhner Bergen bei Schwerin hatte ich einen Kurs gebucht.

Meine Frau und meine Tochter wollten in den Herbstferien alleine nach Istanbul. Ich wollte nicht mit, habe nach einem Reitkurs gesucht. Der Ferienkurs bei Weinzierl Horsemanship war ausgebucht, also geht auch eine Woche vorher? Kurze Rücksprache mit der Liebsten: mach doch. Jeah!

Meinen Charlie lies ich abholen und fuhr Samstag hinterher und nach dieser einen Woche war mein Leben nicht mehr so wie vorher.

Sofort haben wir die Camppferde am ersten Abend schon auf eine 10ha grosse Weide gelassen, alle zusammen. Das Gefühl, als die Pferde realisierten, dass sie frei sind und über die Wiese galloppierten, werde ich nie vergessen. Uwe fragte, ob ich mit der Drohne filmen könne. Später beim Abendessen erzählten wir von uns: aber nichts über Pferde, sondern über Drogen, Sex und Weltrevolution.

Die Woche verlief wie ein Rausch. Das Camp war durchgetaktet, das Leben halbwegs organisiert. Neben dem Essen gibt es vormittags Roundpenarbeit, Nachmittags dann auf Trail- oder Reitplatz, am späten Nachmittag ein Ausritt. Jeden Tag.

Beim zweiten Ausritt bog Uwe vor mir einfach vom Weg ab und ich war in meinem Element. Trabend zwischen den Bäumen hindurch cruisend. Unter mir ein Pferd in seinem Element, sich seinen Weg suchend, mir vertrauend. Es war das zweite Mal, dass ich tief berührt, tief geflasht war.

Ich muss zugeben, wir hatten irre Wetterglück. Ein goldener Herbst, mit T-Shirt Wetter, langer Dämmerung, mild, leuchtend, der ganze Wald müde von dem langen heissen Sommer.

So, nun aber! Ich fahre heute mit Uwe nach Nizza auf ein Männerwochenende mit seinen Freunden und am Sonntag fahre ich für vier Monate nach Neu Drefahl, in die Ruhner Berge.

Bin ja nicht aus der Welt. Inszeniere das nicht wirklich gross, habe habe natürlich eineiges organisiert, dass meine physische Abwesenheit von Familie und Firma keine allzu grossen negativen Auswirkungen haben wird.

Bin nicht aus der Welt, hab mein Telefon dabei, werde aber keine @mtc.berlin Mails lesen, mich aus Slack abmelden, einfach damit ich etwas Abstand kriegen kann. Möchte mich die nächsten Wochen und Monate darauf konzentrieren, in einer völlig anderen Umgebung mit einer völlig anderen Gruppe von Menschen zu leben und zu lernen.

Ich werde nicht zurück kommen. Oder anders: meine größte Angst ist es, nicht zurück zu kommen.

Ok, das klingt jetzt zu hart.

Aber es ist doch so, dass der Arne, der geht, eben nicht wieder zurück kommen wird. Denn ich werde mich hoffentlich entwickelt und verändert haben.

Meine größte Herausforderung für die nächste Zeit wird sicher sein, dass ich mich selbst mit nehme, mit all meinen Erfahrungen, Erinnerungen und Gewohnheiten und Muster.

Dass ich hier los lasse, in den Moment finde, bewusst meinen Tag in dieser gänzlich anderen Umgebung, ohne meine von mir ordentlich eingerichtetes und jahrelang, jahrzehntelang optimiertes Leben, dass ich nicht zum Sklave meiner Widerstände, meine Abneigungen, meiner Zuneigungen werde, das wünsche ich mir. Ich möchte viel und oft in den Moment finden und dann das tun, was jetzt dran ist, ohne zu werten und zu urteilen.

Und klar, ich wünsche mir am meisten, dass ich heile bleibe. Die Arbeit mit fünfzig Pferden im Wald ist eine körperliche Herausforderung, die von den Risiken weit über denen meines normalen Bürosjobs mit den täglich gleichen Wegen liegt.

Und ich wünsche mir, dass ich die Methode Natural Horesemanship a al Weinzierl, das Weinzierl Horsemanship üben, üben, üben kann, um dann damit meinen eigenen Weg finden zu können.

Im Moment sein, einen Plan haben, nicht werten. Das sind Grundsätze der Methode, die ich schon seit dem Oktoberwochenende verstehen konnte. Dazu Balance zwischen Vertrauen und Respekt finden. Parelli sagt Horsemanship ist: Love, Language and Leadership.

Mit einem lauten Yiiiiiihaaa!!! verabschiede ich mich nun von meinem alten Leben und begrüße mein Neues!

Ruhe

Lange ist es hier ganz ruhig. Letzte Woche habe ich mein Jetzt und mein Über mich aktualisiert. Beides hat mich lange beschäftigt. Vor allem beim Schreiben des Über mich fühlte es sich an, wie ein Finden nach langer Suche. Bin jetzt zufriedener mit dem Blog hier, also zufriedener mit mir.

Meine morgendliche Schreibmeditation ist dem Frühstück mit meinen beiden Damen zum Opfer gefallen. Vor 7 fällt es mir schwer, zu schreiben. Nach 8 möchte ich schon mit der Arbeit starten. Nur, dass ihr wisst.

Heute morgen bin ich vor dem Sonnenaufgang an den Strand. Bin in Çeşme, einem türkischen Urlaubsort eine Stunde weg von İzmir. Darf gleich einen Workshop moderieren. Naah, eher eine Vorlesung geben. 32 Teilnehmer, aus der türkischen Patentinformations- und Techtransferszene.

DSCF1910.jpg

Fühle grade eine aufgeregte Ruhe. 6:57 war es genau, als die Windstille hier endete. Eine leichte Brise nur, die Wellen kräuselten sich. Es wurde sofort kühler. Und wenig später schob sich die Sonne hinter den Hügeln hervor.

Tag 1018

Berlin, 8:35

Traumreich geschlafen, zeitig hoch, ruhiger Morgen. Es wurde schnell voll im Büro, ein paar fangen zeitig an, andere machten sich gemeinsam auf den Weg zum Kunden.

Ich bin schon eine Runde im Kiez gelaufen.

IMG_9958

Morgen ist wieder mtc All Hands, noch hat mich keine Inspiration gebissen, aber eventuell haben wir einen tollen Gastredner, Francis Kéré unser Nachbar und Freund möchte den Fortschritt in seinem Heimatdorf vorstellen, den wir als Firma auch finanziell seit Jahren unterstützen.

Das gestrige Service Management Board Meeting lief gut, aber auch etwas faserig, hatte eine Präsentation vorbereitet, die allgemein unseren Fortschritt in den Teilbereichen vorstellte, wir haben die Herausforderungen, unsere Schwierigkeiten klar angesprochen. Der Kunde lobte uns, aber trotzdem stellt sich bei mir keine Zufriedenheit ein.

Heute wird ein ruhiger Tag, ein paar Adminaufgaben, das morgige All Hands und den Rest des Tages kann ich mich dem Aufräumen, dem Klären widmen. Meine Motivation ist gemixt, bin gespannt, wie es läuft.

Wünsch Euch einen stressfreien Dienstag.

 

Tag 1016

Berlin, 8:17

Heute Nacht gut geschlafen, zeitig hoch und ne schräge Morgenroutine gehabt. Viel Unruhe, die neue Woche startet, viel zu tun.

IMG_9957

Eigentlich wäre ich heute schon wieder im Flieger, zum Glück können wir das telefonisch machen. So habe ich das Wochenende noch frei gemacht und setz mich jetzt an die Slides. Zweieinhalb Stunden hab ich noch, dann noch zwei Meetings am Nachmittag und den Rest kann ich mit dem neuen Projekt verdaddeln.

Wünsch Euch nen schönen Start.

Montagspresseschau

Berlin, 6:36, Tag 816

Heute Nacht habe ich von einem verlorenen Wettbewerb geträumt. Ich probierte vieles aus, um zu gewinnen. Aber als sich die Schachtel öffnete, hatte ich wieder verloren. Mehr als diese Worte sind nicht geblieben, von meinem Traum. Ich wachte schön zeitig auf und genoss die Ruhe vorm Tagesanbruch.

IMG_4566

Lese Kara Swishers Text über Dave Goldberg. Er wurde 47. Ich vergleiche kurz und verwerfe die Gedanken schnell.

Dann lese ich doch wieder James Altucher, seit er -wie hier wieder- auf Facebook schreibt.

We all fight an unbearable loneliness.

Und dann erinnere ich mich, wie Kara vorher schrieb:

[…] it was hard not to feel affection for someone who was such a mensch. That is exactly the word you would use to describe Dave — a Yiddish term that means a person of integrity and honor, a stand-up guy, someone to admire and emulate, a rock of humanity.

Davor ein langer Text über Russland, von dem ich vor allem erinnere, wie sehr das russische System heute auf kapitalistischen Prinzipien beruht, die anzugreifen, der Westen keinerlei Interesse hat. Ich lass mal lieber das zitieren.

Hier noch einer von der anderen Seite des Atlantiks, viel kürzer, doch ähnlich in der Aussage. Während in Baltimore die Proteste andauern, wurde der Flughafen in Las Vegas für Privatflugzeuge geschlossen: wegen Überfüllung.

Und dann das hier aus meiner Facebook Timeline:

Wenn ich mir diese Bilder meiner Heimat anschaue, dann erinnere ich mich an die doch gleichen Bilder der gleich zerstörten Städte aus Syrien, die man auf Youtube findet.

70 Jahre ist es her, dass hier alles in Trümmern lag. Knapp 1.200km weg von Istanbul, knapp 3.500km nah an Berlin liegt wieder alles in Trümmern.

So, nun Einatmen. Ausatmen. Und auf zur Arbeit.

Schönen Start in Euren Tag!

Potentiale sehen reicht nicht

Berlin, 5:17, Tag 812

Heute Nacht habe ich mich in ein Tal geträumt. Ich schaute abwärts. Mir kamen jede Menge Spatzen und Schwalben entgegen. Es waren alle Details erkennbar. Ob der Vogel jeweils müde, schnell, hunrig, jung oder alt war, konnte ich auf einen Blick erkennen. Ein paar landeten in meiner Nähe, um sich auszuruhen. Weil ich gleich den Frühflieger nehme, bin ich sehr zeitig vor dem Wecker aufgestanden.

IMG_4531

Nun sitze ich schon am Flughafen, ready for boarding. Sehe jede Menge müder Gesichter, Ein paar rote Socken zu braunen Schuhen fallen auf. Der abgetragene Anzug, in blau natürlich. Viele schwere Taschen, Handgepäck. Aber alles ganz ruhig und leise, gedämpft. Es wird fast nur geflüstert, angenehm. Viele starren vor sich hin, einige aufs Telefon, wenige ins Laptop. Einer starrt in eine Zeitung, der mit den roten Socken.

Auch gestern eine Einsicht.

Es gibt ja so ein Go First Prinzip. Sei die Veränderung, die Du in der Welt sehen willst. Iss Dein eigenes Hundefutter. Wenn ich möchte, dass andere ein bestimmtes Verhalten entwickelt oder verändern, so hilft ein vorstellen, ein erzählen, besprechen, diskutieren des gewünschten Verhaltens sehr wenig. Es führt eigentlich nur zu Konflikten.

Es gibt wohl immer einen guten Grund, warum wir so sind, wie wir sind und das tun, was wir tun. Solange wir nicht über diesen Grund sprechen, so lange wir diesen Grund nicht kennen, nicht wahr haben wollen, ihn ignorieren, so lange halten wir an unserem bisherigen Verhalten fest. Schlaue Sprüche, elegante Herleitungen, gute Begründungen, Gesprächstaktiken, Strukturen bringen relativ wenig.

Das was ich probieren möchte, ist nun folgendes. Ohne mein eigenes ehrliches Interesse, ohne meine eigene klare Vorstellung, ohne mein eigene vorbehaltlose Begeisterung für das Ziel, für das gewünschte Verhalten, welches die Zielerreichung fördert, wird das nix.

Ich delegiere die eigentliche Aufgabe, löse sie los von mir, schiebe sie komplett rüber, lehne die eigene Verantwortung ab, will mich retten lassen. Aber klar, so wird das nix.

Erst wenn ich mich nicht mehr selbst raus ziehe, mich nicht mehr hinter Stress, wichtigeren Aufgaben, meiner Rolle, meines Egos verstecke, sondern wenn ich da bleibe, wenn ich dran bleibe, wenn ich verbunden bin, dann entfalten sich die Potentiale in uns, in mir. Die Potentiale, die ich eigentlich nur erahne.

So, nun ist Einstieg! Schneller Rechtschreibcheck und ab damit.

Wünsch Euch einen erfolgreichen Tag.

Montagmorgen

Berlin, 6:33, Tag 809

Heute Nacht habe ich geträumt und es beim zu zeitigen Aufstehen vergessen lassen.

IMG_4519

Meine Morgenroutine lass ich manchmal ausfallen, vor allem an freien Tagen oder Wochenenden, meist mit meinen Mädels. Sie dann wieder zu starten, fällt einerseits schwer, andererseits erinnere ich mich sofort wieder an die positiven Effekte auf meinen Tag, mein Wohlbefinden, meine innere Balance.

Die Gedanken springen hin- und her. Gleich startet mein Tag mit ersten Gesprächen. Fühle grade vieles an mir zerren, naja ok: ziehen. Spüre ein leichtes Unwohlsein dabei. Das scheint der beginnende, bekannte Ärger zu sein. Der aus der Angst vor zu viel Liebe geborene? Oder doch der aus der Gier nach zu viel Ruhe.

Diesem Gefühlen ihren Raum zu geben, sondern sie einfach -mit Achtsamkeit- wahrzunehmen und vorbei ziehen zu lassen, wird meine Aufgabe sein, auch heute wieder.

Zurück zum Atem. Zurück zu mir. Alle Antworten sind schon gegeben.

Wünsch Euch einen ruhigen Start in die neue Woche!