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Mit ‘tagebuch’ getaggte Beiträge

Ruhe

Lange ist es hier ganz ruhig. Letzte Woche habe ich mein Jetzt und mein Über mich aktualisiert. Beides hat mich lange beschäftigt. Vor allem beim Schreiben des Über mich fühlte es sich an, wie ein Finden nach langer Suche. Bin jetzt zufriedener mit dem Blog hier, also zufriedener mit mir.

Meine morgendliche Schreibmeditation ist dem Frühstück mit meinen beiden Damen zum Opfer gefallen. Vor 7 fällt es mir schwer, zu schreiben. Nach 8 möchte ich schon mit der Arbeit starten. Nur, dass ihr wisst.

Heute morgen bin ich vor dem Sonnenaufgang an den Strand. Bin in Çeşme, einem türkischen Urlaubsort eine Stunde weg von İzmir. Darf gleich einen Workshop moderieren. Naah, eher eine Vorlesung geben. 32 Teilnehmer, aus der türkischen Patentinformations- und Techtransferszene.

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Fühle grade eine aufgeregte Ruhe. 6:57 war es genau, als die Windstille hier endete. Eine leichte Brise nur, die Wellen kräuselten sich. Es wurde sofort kühler. Und wenig später schob sich die Sonne hinter den Hügeln hervor.

Tag 1018

Berlin, 8:35

Traumreich geschlafen, zeitig hoch, ruhiger Morgen. Es wurde schnell voll im Büro, ein paar fangen zeitig an, andere machten sich gemeinsam auf den Weg zum Kunden.

Ich bin schon eine Runde im Kiez gelaufen.

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Morgen ist wieder mtc All Hands, noch hat mich keine Inspiration gebissen, aber eventuell haben wir einen tollen Gastredner, Francis Kéré unser Nachbar und Freund möchte den Fortschritt in seinem Heimatdorf vorstellen, den wir als Firma auch finanziell seit Jahren unterstützen.

Das gestrige Service Management Board Meeting lief gut, aber auch etwas faserig, hatte eine Präsentation vorbereitet, die allgemein unseren Fortschritt in den Teilbereichen vorstellte, wir haben die Herausforderungen, unsere Schwierigkeiten klar angesprochen. Der Kunde lobte uns, aber trotzdem stellt sich bei mir keine Zufriedenheit ein.

Heute wird ein ruhiger Tag, ein paar Adminaufgaben, das morgige All Hands und den Rest des Tages kann ich mich dem Aufräumen, dem Klären widmen. Meine Motivation ist gemixt, bin gespannt, wie es läuft.

Wünsch Euch einen stressfreien Dienstag.

 

Tag 1016

Berlin, 8:17

Heute Nacht gut geschlafen, zeitig hoch und ne schräge Morgenroutine gehabt. Viel Unruhe, die neue Woche startet, viel zu tun.

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Eigentlich wäre ich heute schon wieder im Flieger, zum Glück können wir das telefonisch machen. So habe ich das Wochenende noch frei gemacht und setz mich jetzt an die Slides. Zweieinhalb Stunden hab ich noch, dann noch zwei Meetings am Nachmittag und den Rest kann ich mit dem neuen Projekt verdaddeln.

Wünsch Euch nen schönen Start.

Montagspresseschau

Berlin, 6:36, Tag 816

Heute Nacht habe ich von einem verlorenen Wettbewerb geträumt. Ich probierte vieles aus, um zu gewinnen. Aber als sich die Schachtel öffnete, hatte ich wieder verloren. Mehr als diese Worte sind nicht geblieben, von meinem Traum. Ich wachte schön zeitig auf und genoss die Ruhe vorm Tagesanbruch.

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Lese Kara Swishers Text über Dave Goldberg. Er wurde 47. Ich vergleiche kurz und verwerfe die Gedanken schnell.

Dann lese ich doch wieder James Altucher, seit er -wie hier wieder- auf Facebook schreibt.

We all fight an unbearable loneliness.

Und dann erinnere ich mich, wie Kara vorher schrieb:

[…] it was hard not to feel affection for someone who was such a mensch. That is exactly the word you would use to describe Dave — a Yiddish term that means a person of integrity and honor, a stand-up guy, someone to admire and emulate, a rock of humanity.

Davor ein langer Text über Russland, von dem ich vor allem erinnere, wie sehr das russische System heute auf kapitalistischen Prinzipien beruht, die anzugreifen, der Westen keinerlei Interesse hat. Ich lass mal lieber das zitieren.

Hier noch einer von der anderen Seite des Atlantiks, viel kürzer, doch ähnlich in der Aussage. Während in Baltimore die Proteste andauern, wurde der Flughafen in Las Vegas für Privatflugzeuge geschlossen: wegen Überfüllung.

Und dann das hier aus meiner Facebook Timeline:

Wenn ich mir diese Bilder meiner Heimat anschaue, dann erinnere ich mich an die doch gleichen Bilder der gleich zerstörten Städte aus Syrien, die man auf Youtube findet.

70 Jahre ist es her, dass hier alles in Trümmern lag. Knapp 1.200km weg von Istanbul, knapp 3.500km nah an Berlin liegt wieder alles in Trümmern.

So, nun Einatmen. Ausatmen. Und auf zur Arbeit.

Schönen Start in Euren Tag!

Potentiale sehen reicht nicht

Berlin, 5:17, Tag 812

Heute Nacht habe ich mich in ein Tal geträumt. Ich schaute abwärts. Mir kamen jede Menge Spatzen und Schwalben entgegen. Es waren alle Details erkennbar. Ob der Vogel jeweils müde, schnell, hunrig, jung oder alt war, konnte ich auf einen Blick erkennen. Ein paar landeten in meiner Nähe, um sich auszuruhen. Weil ich gleich den Frühflieger nehme, bin ich sehr zeitig vor dem Wecker aufgestanden.

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Nun sitze ich schon am Flughafen, ready for boarding. Sehe jede Menge müder Gesichter, Ein paar rote Socken zu braunen Schuhen fallen auf. Der abgetragene Anzug, in blau natürlich. Viele schwere Taschen, Handgepäck. Aber alles ganz ruhig und leise, gedämpft. Es wird fast nur geflüstert, angenehm. Viele starren vor sich hin, einige aufs Telefon, wenige ins Laptop. Einer starrt in eine Zeitung, der mit den roten Socken.

Auch gestern eine Einsicht.

Es gibt ja so ein Go First Prinzip. Sei die Veränderung, die Du in der Welt sehen willst. Iss Dein eigenes Hundefutter. Wenn ich möchte, dass andere ein bestimmtes Verhalten entwickelt oder verändern, so hilft ein vorstellen, ein erzählen, besprechen, diskutieren des gewünschten Verhaltens sehr wenig. Es führt eigentlich nur zu Konflikten.

Es gibt wohl immer einen guten Grund, warum wir so sind, wie wir sind und das tun, was wir tun. Solange wir nicht über diesen Grund sprechen, so lange wir diesen Grund nicht kennen, nicht wahr haben wollen, ihn ignorieren, so lange halten wir an unserem bisherigen Verhalten fest. Schlaue Sprüche, elegante Herleitungen, gute Begründungen, Gesprächstaktiken, Strukturen bringen relativ wenig.

Das was ich probieren möchte, ist nun folgendes. Ohne mein eigenes ehrliches Interesse, ohne meine eigene klare Vorstellung, ohne mein eigene vorbehaltlose Begeisterung für das Ziel, für das gewünschte Verhalten, welches die Zielerreichung fördert, wird das nix.

Ich delegiere die eigentliche Aufgabe, löse sie los von mir, schiebe sie komplett rüber, lehne die eigene Verantwortung ab, will mich retten lassen. Aber klar, so wird das nix.

Erst wenn ich mich nicht mehr selbst raus ziehe, mich nicht mehr hinter Stress, wichtigeren Aufgaben, meiner Rolle, meines Egos verstecke, sondern wenn ich da bleibe, wenn ich dran bleibe, wenn ich verbunden bin, dann entfalten sich die Potentiale in uns, in mir. Die Potentiale, die ich eigentlich nur erahne.

So, nun ist Einstieg! Schneller Rechtschreibcheck und ab damit.

Wünsch Euch einen erfolgreichen Tag.

Montagmorgen

Berlin, 6:33, Tag 809

Heute Nacht habe ich geträumt und es beim zu zeitigen Aufstehen vergessen lassen.

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Meine Morgenroutine lass ich manchmal ausfallen, vor allem an freien Tagen oder Wochenenden, meist mit meinen Mädels. Sie dann wieder zu starten, fällt einerseits schwer, andererseits erinnere ich mich sofort wieder an die positiven Effekte auf meinen Tag, mein Wohlbefinden, meine innere Balance.

Die Gedanken springen hin- und her. Gleich startet mein Tag mit ersten Gesprächen. Fühle grade vieles an mir zerren, naja ok: ziehen. Spüre ein leichtes Unwohlsein dabei. Das scheint der beginnende, bekannte Ärger zu sein. Der aus der Angst vor zu viel Liebe geborene? Oder doch der aus der Gier nach zu viel Ruhe.

Diesem Gefühlen ihren Raum zu geben, sondern sie einfach -mit Achtsamkeit- wahrzunehmen und vorbei ziehen zu lassen, wird meine Aufgabe sein, auch heute wieder.

Zurück zum Atem. Zurück zu mir. Alle Antworten sind schon gegeben.

Wünsch Euch einen ruhigen Start in die neue Woche!

Mein Tagebuch – Teil II

Istanbul, 7:36, Tag 778

Heute Nacht war ich bei einem amerikanischen Bekannten zu Besuch, der eine deutsche Frau hat, die eigentlich eine Türkin ist. Bis 4 in der Früh waren wir in einem Club. Danach setzte die Erinnerung aus und ich erwachte am nächsten Tag um 10 auf seinem Sofa. Wir waren schon zu spät. Aber er wollte mir unbedingt den Weg zu einer Eisdiele in der Nähe erklären. Dabei nuschelte er nur sehr verkatert den Namen und ich durfte Google Maps nicht verwenden, um seinen Erklärungen auf der Karte zu folgen. Nach drei Anläufen wurde ich ärgerlich und stürmte auf die Auffahrt in mein Auto. Ein Kollege kam mit seiner Frau gerade an, um uns abzulösen und schaute genau in dem Moment in mein Auto, als ich mich umzog. Ich erwachte eine halbe Stunde vor dem Wecker mit peinlichem Ärger in Bauch und Hals, der sich überraschend schnell verzog…

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Hier mein zweiter Anlauf, denn ich möchte doch wieder Tagebuch schreiben. Jeden Morgen eine Stunde der öffentlichen Reflektion und des Innehaltens. Ich habe so lange gewartet, ob meine Lust am Schreiben dazu führt, dass ich meine Themen finde, also dass ich nur noch über meine Photos, mein Zazen, meine Firma, meine Projekte schreibe. Aber das hier, ist doch mein Projekt. Das hier umfasst das alles, gibt ihm eine Routine und einen Rahmen.

Richtig klar geworden ist es mir erst letzte Woche, als mir Frau Novemberregen folgendes sagte:

Es ist so schwer auszuhalten für mich, dass ich weiss, ich könnte mir nur etwas mehr Mühe geben und dann könnte es perfekt, noch perfekter, sein. Vor diesem Gefühl weg zu rennen, in die Arbeit, in die Ignoranz, in den Ärger, in den Zorn, ist aber auch keine Lösung. Es wird noch schwerer, je öfter ich morgens einfach die News gelesen oder schon die Mails bearbeitet habe. Spazieren gehen hilft manchmal. Doch nichts zu tun, ist noch schwerer auszuhalten, als etwas nicht perfekt zu tun.

Mein Flug gestern war eine grosse Übung. Als ich mich setzte, auf 11A, schlug mir ein stechender, alles durchdringender Knoblauchgeruch entgegen. Ok, bin auf einem Flug nach Istanbul, das sollte ich gewohnt sein, denkt der kleine Rassist in mir. Doch ein asiatisch aussehender Mann sass in der Mitte, er war die Quelle. Sein Sohn sass eine Reihe hinter ihm. Er drehte sich häufig um, lehnte sich dabei mit Knie und Arm an mich, um mit ihm zu sprechen. Die Lüftung über mir stellte ich auf meine Stirn ein. Immer dann, wenn mir schlecht wurde, nahm ich meine Hand vor meine Nase und Mund. Um mich an meinem eigenen Handschweiss und all den anderen Gerüchen derjenigen Dinge zu erfreuen, die ich seit dem letzten Händewaschen alle berührt hatte.

Ich habe mir angewöhnt, die 20min beim Take Off zu meditieren. Gerade sitzend, mit in einander gelegten Händen, die Füsse gerade unter dem Sitz, stecke ich mir meine Kopfhörerstöpsel Sicherheitsanweisungs und Miles&Smiles Werbung dämpfend in die Ohren, stelle den Meditationstimer an und konzentriere mich auf meinen Atem, ich zähle ihn einfach. Beim Einatmen Eins, beim Ausatmen Zwei. Dabei nehme ich meine Abneigung gegen den stechenden Geruch einfach wahr. Komischerweise verschwindet diese Abneigung aber nach kurzer Zeit der Konzentration und macht anderen Gedanken und Gefühlen Platz.

Die Woche war gut bisher, viel Aktion, viele gute Gespräche, viel Execution, einfach Machen. Wir haben sehr viel Bewegung, sehr viel Veränderung in der Firma. Sind nun über 90 Mitarbeiter, oh wie gross das klingt! Unsere Organisation muss sich an diese Größe anpassen. Und wir ächzen und stöhnen unter den Wachstumsschmerzen. Mal nenn ich das Professionalisierung, mal Optimierung, mal sind es strategische Projekte, mal wieder einfach Restrukturierung. Doch es ist immer das Gleiche! Doch nur mehr Klarheit bei mir und uns allen, führt zu lindernder zu positiver Veränderung.

Und wie lange habe ich diese Klarheit im Aussen gesucht, in neuen Mitarbeitern, in Konzepten, Produkten, Kunden? Es ist so verführerisch, die Verantwortung und die Kontrolle von sich weg zu schieben. Sich als Spielball des Lebens, des Schicksals, der Gesellschaft, der Umstände, der Kollegen, der Technik, der eigenen Unklarheit zu sehen, scheint so viel einfacher. Das ist eine wirklich grosse Illusion. Eine Täuschung! In sich zu schauen und dann auszuhalten, was man dort findet, davor rennen wir weg. Wir rennen mit allen Mitteln, unter Einsatz aller verfügbaren Mittel, mit allen Kräften.

Es brauchte ein neues Laptop, einen Tweet von Frau N., den gestrigen Flug, eine Knoblauch Meditation, mein Zazen Retreat und so viel mehr, um diesen Text jetzt hier zu schreiben. Ich habe die Hoffnung, dass ich morgen früh hier wieder sitze, die gleiche Spannung und Freude empfinde. Ach, eines noch ganz spontan: ich teile diesen Post nur hier. Kein Twitter, Facebook, Google, LinkedIn Spamming mehr! Wer’s finden will, wird’s finden. Ich brauch Euch das doch nicht überall unter die Nase zu reiben.

Wünsch Euch einen tollen Tag!

Epilog: Was mach ich nun mit meinen Monstern?

Nun ist schon eine Woche des Urlaubs, der Pause und der Freiheit vergangen. Sieben Morgen des aktiv etwas nicht Tun.  Sieben Tage, an denen ich den leichten Zwang, den die Zahlen in meinem Tagebuch hier ausübten, lachend vermisste. Ich fühle die verfügbare Kraft, ich spüre das Potential der frühen Stunde. Und ich atme das Gewicht der Freiheit, ich sitze auf der Qual der Entscheidung, Ich strecke mich in Unruhe und Ungewissheit. Im fehlenden Rahmen dehne ich mich aus.

Zee spricht hier zu seinen Freunden über seine Tricks im Umgang mit seinen Monstern. Sein erstes Monster ist das flaue Gefühl im Magen, die schleichende Unruhe, die die Kehle hoch kriecht. Wenn er sich unruhig fühlt, stellt er sich das Monster vor und sein Trick ist dann, ihm den Rücken zu streicheln, dann streckt es sich aus und rutscht aus der Kehle wieder dorthin zurück, wo es herkam.

Sein zweites Monster – Crazy Q – ist die Illusion, dass es eine (unerreichbare) Lösung aller Probleme gibt, die verlockende Abkürzung zum Glück, wenn man nur jetzt etwas komplett anders machen würde. Das süsseste aller kleinen Monster, mit der niedlichsten, säuselnden Stimme überhaupt. Es sitzt auf der Schulter und flüstert einem ständig zu und richtet so grossen Schaden an. Sein Trick ist hier, sich das süsse Ding vorzustellen und dann eine Glasglocke drüber zu stülpen, nur so zeigt sich die Wahrheit.

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Für sein drittes Monster hat er keinen Trick und fragt uns, seine Freunde, was wir gegen die Schlange tun, die sich manchmal um seinen Kopf windet und ihm einreden, einflössen möchte, dass alles was er ist und getan hat, einfach Shit und Verschwendung sei. Für dieses grundsätzliche Infrage Stellen von allem, fällt ihm kein Trick ein.

Ich hab hier lange gegen meine Monster angeschrieben, wollte sie so ans Licht zerren, ausser Gefecht setzen. Ich habe sie  zugedeckt mit Geschichten, Fundstücken und Projekten. Habe sie analysiert und auseinander genommen, sie seziert im Lichte auch Eurer Aufmerksamkeit und der Öffentlichkeit im Netz. Fast alle meine Tricks habt ihr gesehen in den 777 Tagen.

Und doch habe auch ich immer versucht, die Schlange vor mir und Euch zu verstecken. Dabei geht um den unfassbaren Grund meines Seins, den tieferen Sinn meines Lebens. Die Schlange ist für mich das Symbol der Suche nach der Antwort auf das Warum.

Ich werde jetzt noch eine Woche Urlaub machen. Mich wieder zwingen, nicht hier zu schreiben, auf das Abflauen des Dranges warten. Dabei werde ich die Leere geniessen. Die Unruhe in meiner Kehle spüren und ihr den Rücken streicheln. Den Einflüsterungen von Crazy Q zuhören und die Illusion unter Glas erkennen. Vielleicht wird so die Schlange um meinen Kopf zum Schal um meinen Hals…

Abschied! Mit dem 777. ist hier erst mal Schluss…

Berlin, 6:13, Tag 777

So, ihr lieben Leser! Nun kommt’s: dieser 777. Post hier wird der letzte in dieser Serie an öffentlichen Schreibmeditationen sein. Das habe ich gestern Abend im Bett nach dem Einschlafen und wieder Aufwachen beschlossen. Es fühlt sich nicht mehr richtig an. Ich muss meine eigenen Regeln brechen, will meine Routinen weiter entwickeln, mich weiter entwickeln.

Zwei Jahre, ein Monat und sieben Tage meines Lebens lange habe ich es geschafft, jeden Tag hier etwas zu schreiben und bin nicht wenig stolz darauf. Ihr könnt die Entwicklung, meine Entwicklung, zumindest die, an der ich Euch teilhaben lassen wollte, hier nachlesen. Wie ich vom Aussen, immer weiter und weiter nach innen schrieb. So viele Gespräche, so viele Rückmeldungen, ja sogar neue Freundschaften habe ich nur dadurch gewinnen können, für alles bin ich dankbar, unglaublich dankbar! Ich hätte nie gedacht, dass ich das alles überhaupt schaffe, als es los ging.

Ich werde weiter schreiben, ich kann nicht anders. Nur nicht mehr in diesem Format, nur nicht mehr durchnummeriert, nur nicht mehr mit meinen (oft echt verrückten) Träumen einleitend.

Von einigen persönlichen Rückmeldungen und den Stats weiss ich, dass hier viele immer nur still und heimlich mit lesen, ohne jemals zu kommentieren. Falls also nun jemand von Euch traurig ist, kann sich und mir einen grossen Gefallen tun:

Tragt Euch bitte hier auf meiner neuen Mailingliste ein. An diese werde ich neue Beiträge schicken, die ich hier oder woanders veröffentlichen werde.

Ohmann, ich hab keine Ahnung, ob das jetzt richtig ist, was ich hier mache und Euch hier schreibe. Es fühlt sich gut an und gleichzeitig habe ich Angst vor der Veränderung. Ich hab Angst davor, etwas zu verlieren, etwas grosses und wichtiges kaputt zu machen, wenn ich die Reihe hier unterbreche. Ich spüre diese Angst in meinem Bauch und in meinen Augen.

Aber ich möchte einfach nur frei sein, mich entwickeln, innerlich frei und mich von innen heraus entwickeln. Auf diesem Weg muss ich Neues probieren und mich meinen Ängsten und meiner Trauer stellen.

Weil ich fühle, dass hinter der Trauer das Neue wartet, sage ich nun Ciao und noch mal ganz herzlich Danke für all Eure bisherige Aufmerksamkeit!

Wir sehen uns!

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PS: wer nicht will, dass ich hier aufhöre? Schreibt mir ne Mail oder drückt hier unten Like… 😉

Mutmaßungen über Jakob und Louisa…

Berlin, 7:17, Tag 776

Heute Nacht habe ich ein zimmergrosses Dampfbügeleisen zusammen gebaut. Ich stand im Tank und sollte diverse Röhren miteinander verbinden. Es klappt nicht, alles war total wackelig. Bald sollte der Dampf angestellt werden, ich geriet in Zeitnot. Und wachte mitten in der Nacht schwer atmend auf.

Im zweiten Traum erzählte mir  Collien Fernandez an einem Tiefgarageneingang etwas über Integration von Ausländern, meine Frau las den Bericht darüber hier und wurde eifersüchtig. Dann fuhr ich mit einem Bus, der Fahrer war mein Schulfreund aus der Oberschule, ganz langsam und vorsichtig die Rolltreppen der Tiefgarage hinunter. Wir sind nirgendwo angestossen, obwohl nur Zentimeter zwischen Wand und Bus verblieben. Auf dem zweiten Absatz stand ein Auto stand im Weg. Der Fahrer sprintete mit dem Schlüssel in der Hand die Treppe hoch, um uns Platz zu machen…. ich wachte ausgeschlafen und voller Tatendrang auf.

Gestern morgen hat mich ein Artikel sehr beeindruckt, in dem es um eine gefälschte Liebe geht. Seit dem denke ich darüber nach, wie das alles funktioniert. Also wie Betrug, vor allem Selbstbetrug, eigentlich wirklich funktioniert.

Warum sind wir manchmal empfänglich für so etwas? Ist es auf der einen Seite wirklich nur unsere Gier, unsere Suche nach Abkürzungen unsere Sehnsucht nach Glück. Was ist es auf der anderen Seite? Hoffnung, Optimismus, unrealistische Erwartungen, Überschätzung.

Alle paar Jahre begegnen mir solche Geschichten selbst oder in direktem Bekanntenkreis. Jedes mal entstand grosses Leid, zerbrachen Freundschaften, folgte eisiges Schweigen, Ignoranz, Kampf, Verlust, Trauer, Wut, Enttäuschung, Verzweiflung.

Was läuft schief, wenn die an solchen Geschichten beteiligten Menschen in solche Scheinwelten abdriften und auf die schiefe Behn geraten, aus der sie aus eigener Kraft oft nicht wieder raus kommen?

Wieder denke ich an die drei Hauptursachen von Leid: Ablehnung, Verlangen und Ignoranz.

Genau das sind doch die drei Spiegel im Aufzug auch meines Lebens. Der letzte, die Ignoranz, führt dazu, dass wir nur an uns denken, dass wir denken, wir entkommen den Auswirkungen unseres Handelns. Wir kommen davon. Wir brauchen vielleicht doch nicht zu bezahlen, wenn wir nur clever genug sind, wenn wir nur hart genug arbeiten, wenn wir uns noch mehr anstrengen.

Eine Kombination aus allen drei Ursachen sehe ich auch bei Louisa aus Maltes Geschichte, aber genauso auch bei Jakob.

Ablehnen was ist! Wollen was nicht ist! Ignorieren der Konsequenzen des eigenen Tuns!

Nächster Stop, Tiefgarage. Mitten im Unglück, Drama, Gewalt. Und das alles für kurze Momente des Glücks, der Hoffnung, des schönen Scheins, nur zu geniessen mit fest geschlossenen Augen, stark hoffend, dass schon alles gut werden wird, dass uns jemand retten wird.

Ach, ich weiss doch auch nicht!

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Wünsche Euch sehr nachdenklich, einen erholsamen Sonntag!