Wunsch und Wirklichkeit

Berlin, 6:35, Tag 946

Spät ins Bett, wild geträumt. Aber zeitig hoch, nicht müde. Zehre wohl noch vom Schlaf am Samstag. Ganz kurz aufs Dach, die letzten Reste gleich noch mit aus der Wohnung geräumt.

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Gestern vormittag wurde noch spannend, nach dem Ausflug über die Wolken am Morgen.

Habe mich lange mit einer Trennung beschäftigt. Wie konnte es dazu kommen? Es ging wieder um das Ende von Täuschung, um meine Enttäuschung. Die wichtigste Erkenntnis hierbei war, dass wir uns gerne als Opfer äußerer Umstände inszenieren. Die zweitwichtigste danach, dass wir gerne unsere Stärken betonen, aber unsere Schwächen nicht sehen wollen. Wenn beides zusammen kommt, dann können wir unseren eigenen Anteil am Geschehen, als Ergebnis unserer eigenen Handlungen nicht akzeptieren. Wir sind aber immer Täter und Opfer zugleich.

Dies ist manchmal eine schwer zu akzeptierende Einsicht. Es wäre schöner, wenn ich jemanden anders als mich selbst benennen könnte, der mir Anerkennung verwehrt, der meinen Handlungsspielraum einschränkt, mir Position und Titel verwehrt, ohne die ich mich mittel- und machtlos wähne. Wie soll ich damit umgehen, wenn doch klar ist, dass ich von anderen ungerecht behandelt werde?

Sicher kann ich kämpfen oder mich zurück ziehen. Ich kann in den Ärger, die Wut, den Frust gehen. Ich kann auch aufgeben, hinnehmen, aushalten.

Es gibt einen dritten Weg. Dieser dritte Weg, ist für mich der einzige, der nicht mehr Leid erzeugt, der mir einen echten Ausweg bietet. Dieser Weg endet nicht damit, was ich nun fühle oder tun kann, sondern er besteht darin, zu fragen: was – in mir – ist die Wurzel des momentanen Gefühls? Wo kommt es her, dass ich mich nicht anerkannt, nicht geliebt, nicht gewertschätzt fühle? Wo kommt es her, dass ich mich unverstanden, übergangen, ignoriert fühle?

Wenn ich mich hier nicht mit der ersten Antwort zufrieden geben, die meist im Aussen liegt, meist andere Menschen als Ursachen sehen möchte, sondern ich dann weiter frage, was ist die Wurzel des Ärgers auf diesen Menschen? Was ist die Ursache, dass dieser Mensch so gehandelt hat? Und was ist davon die Ursache?

Am Ende lande ich bei mir und meinen Taten. Und meiner Interpretation, meinen Vorstellungen und Wünschen zu diesen Taten. Ich kann beides klar erkennen, die eigentliche Handlung und danach meine Handlung der Interpretation des Geschehens.

Das ist das eigentlich Geschenk der Meditation. Denn das Ergebnis dieses Prozesses, ist Einsicht, die zu Gelassenheit führt. Mit dieser Gelassenheit wird es möglich, seine Kräfte ganz anders zu nutzen, zu bündeln und sie nicht mehr in Konflikten oder Sorgen zu verschwenden.

Das ist sehr befreiend, sehr friedvoll, sehr schön! Und es ist für mich tagtägliche Aufgabe! Diesen Zustand muss ich mir Tag für Tag neu erarbeiten. Jeder Morgen ein Reset. Jeder Tag eine neue Chance, eine neue Herausforderung, ein neues noch nicht da gewesenes Problem.

Mal schauen, was heute noch so alles passiert? Ich nehme es an!

Wünsch Euch einen gelassenen Start in die neue Woche.

Kopfkino

Bizimköy, 6:54, Tag 895

Der heutige Morgen ist sehr leise. Ja, ich höre die Autobahn weit weg dunkel rauschen. Der Kühlschrank ist grade ausgegangen. Jetzt höre ich ihn erst. Meinen Tinitus höre ich auch, wenn ich das möchte. Eben rauscht oben ein Flugzeug vorbei. Aber der heutige Morgen ist trotzdem sehr leise. Still, nicht ruhig. Fr. N. ging es dort im Rhein-Main-Gebiet grad ähnlich.

Ihren Blog kann ich grad nur jedem empfehlen, der hier auch mitliest. Mehr Alltagsgeschichten, viel leichter, ich glaube unterhaltsamer, als hier. Kann man gar nicht wirklich vergleichen. Aber da sie auch mitzählt und schuld daran ist, dass ich hier auch wieder täglich schreibe, sei mir dieser kurze Hinweis erlaubt.

Vorgestern ging es um die Scheu vor dem Wort Angst. Das geht mir grad nicht aus dem Kopf. EIgentlich ging es wohl um Ehrlichkeit und Offenheit im Alltag. Vor allem in schwierigen Situationen, mal den Autopiloten der Gewohnheiten, die lange geübten Standardreaktionen auszuschalten, die Waffen zu strecken, sich bewusst dem Gegenüber verwundbar, verletzbar zu zeigen.

Für mich ist es eine grosse Hilfe, das klar als Angst zu benennen. Ich hab hier keine Scham, kaum keinen Zweifel, dass ich viele meiner Gewohnheiten auf das Grundgefühl Angst zurückführen kann. Angstvermeidung, die Vermeidung von gefährlichen Situationen. Aber nicht existentiell, körperlich gefährlich. Nein, ich meine eine Gefahr für mein seelisches, moralisches, fühlendes Selbstbild, für mein Gleichgewicht. Eine Gefahr für meine Interpretation der Welt, für mein Weltbild. Sicher ist das eine sehr subtile, latente Gefahr.

Es passiert ja nichts wirklich Schlimmes, wenn meine Sicht auf die Dinge nicht der Realität der anderen entspricht. Wenn ich abgelehnt, ignoriert, beigeistert, abgestossen, angezogen werde, passiert nichts wirklich mein Leben Bedrohendes. Aber Meine Gedanken und Gefühle in bestimmten Situationen stelle ich in Frage, reflektiere und gleiche sie mit den Gedanken und Gefühlen von anderen Menschen, die mit mir in dieser Situation sind, ab.

Es ist nicht mal so, dass ich meine Ziele, meine Wünsche, meine Erwartungen in Gefahr sehe. Es ist mehr so, dass – wenn ich am Leben bin und teilnehme – anderen zwangsläufig damit in die Quere komme. Auf die ein oder andere Art halte ich Leuten einen Spiegel vor, bringe sie in unangenehme Situationen, konfrontiere sie mit mir und meinen Ideen. Auf eine ganz schräge Art habe ich genau davor Angst, bzw. empfinde Trauer, weil ich so nämlich einfach Leid verursache.

Dieser Film, der da immer im Hinterkopf mitläuft, nervt sehr oft. Fühle mich dabei zu sensibel, zu verwundbar, zu verkopft. Ich gehe nicht sehr oft in diesen Film. Es ist mehr so wie bei den Geräusche in meiner Umgebung. Wenn ich mich darauf fokussiere, meine Aufmerksamkeit darauf richte, dann höre und sehe ich diese Dinge, diese Geräusche meines eigenen am Leben seins.

Für Risiken und Nebenwirkungen fragen sie ihren Arzt oder Apotheker.

Mein Neigung zur Sucht, sei es schnelles Autofahren, excessives Exceln, früher der Alkohol und so weiter, dienten oft dazu, diesen Film mal für ein paar Momente anzuhalten, mal so weit auszublenden, dass selbst wenn ich wollte, keinen Zugriff darauf mehr hatte. Ich empfand das als Erholung von mir selbst. Manchmal noch heute!

Nochmal, nicht anzuecken, den Erwartungen anderer zu entsprechen, die Regeln anderer einzuhalten, von ihnen geliebt, gemocht und beachtet zu werden, hat für mich etwas mit Angst zu tun. Andere zu überrollen, Erwartungen anderer zu enttäuschen, Regeln anderer zu brechen, andere nicht zu lieben, nicht zu mögen, nicht zu beachten, hat für mich etwas mit Trauer zu tun.

Mein bester Freund hat mich auf diesen Weg geschickt. Er hat mir beigebracht, nach der Wurzel, der Ursache von allem in meinem Leben zu fragen. Und sich nicht mit der ersten Antwort zufrieden zu geben, sondern weiter zu fragen, immer weiter, so lange weiter zu fragen, bis es weh tut, bis es echt ist, wirklich ehrlich wird, bis man es nicht mehr aushält.  Und dann nochmal zu Fragen, was ist die Wurzel von diesem Gefühl, diesem Gedanken, es jetzt nicht mehr auszuhalten?

Er hat mir auch beigebracht, nach der Frucht, dem Ergebnis von allem in meinem Leben zu fragen. Und auch hier nach der ersten Antwort weiter zu fragen, so lange weiter zu fragen, bis auch das weh tut, bis es auch hier wirklich ehrlich wird, bis hinter meine Fassaden, hinter mein eigenes Selbstbild, meine eigenen Konstruktionen, Erfahrungen, Erinnerungen, Gewohnheiten schaue und vielleicht merke, was die Folgen meines Handelns auch sind.

Ich bin bei diesen Fragen relativ schnell in meiner Kindheit, bei meinen Eltern, meiner Schulzeit gelandet. Und wenn man dann weiter fragt, lande ich vielleicht bei der Gesellschaft, der Welt, den Nachrichten. Wenn ich noch weiter gehe, sehe ich manchmal meine Grosseltern und welchen Einfluss sie auf meine Eltern, auf mich haben und gehabt haben.

Ich finde relativ oft frühere Erlebnisse, Krieg, Schmerz, Sucht, als tiefe, tiefe, sehr tiefe Ursachen meines heutigen Handelns. Ich sehe Angstvermeidung, Schutz vor Angst und Trauergefühlen, als Ergebnis vieler meiner heutigen Aktionen.

Aber auch hier, erst bei der vierten, fünften, zehnten Antwort. So oft habe ich scheinbar keine Zeit dafür, gehe da nicht rein. Laufe weiter im Autopilot meiner Gewohnheiten, stelle nichts in Frage, hangle mich von Moment zu Moment.

Aber dieser Film, in der hintersten Ecke meines Kopfkinos, der läuft trotzdem immer mit. Ob ich nun hinschaue oder auch nicht!

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So, jetzt aber schnell zurück ins Hier und Jetzt! Frühstück machen, vorlesen, spazieren gehen, Excel anwerfen, Slides für nächste Woche zusammen stückeln.

Auf gehts! Wünsch Euch einen achtsamen Tag!

Wahlmöglichkeiten

Berlin, 7:14, Tag 807

Heute Nacht habe ich von einer Matheprüfung geträumt. Die Aufgaben waren für mich unlösbar. Ich hatte den Kurs nicht besucht, der hier geprüft wurde und da ich den Rechenweg nicht kannte, half alles Überlegen nicht. Ich schrieb mit Bleistift in ein Heft und riss immer wieder Seiten mit meinen falschen Lösungen heraus. Als zwei Nashörner auftauchten und miteinander kämpften, wachte ich schön zeitig auf.

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Gestern war ich dann doch noch überraschend produktiv, gefühlt.

Habe aus der Morgenunzufriedenheit ein Machen erzeugen können. Habe angefangen, etwas zu tun. Und schon wurde es gut.

Wir machen uns unsere Probleme oft selbst. Wir überhöhen uns und unsere Erwartungen an uns selbst und an andere. Diese Unzufriedenheit ist oft unser Treibstoff, der uns aktiviert und anschiebt. Wenn wir mit etwas oder jemandem nicht zufrieden sind, dann wollen wir es ändern. Oder wir weichen der Situation aus, die wir scheinbar nicht ändern können.

Dabei probieren wir alle möglichen Taktiken, die wir in unserer Vergangenheit erlernt haben, wieder aus. Vor allem, wenn diese Taktiken in der Vergangenheit für uns funktioniert haben, sind wir schnell dabei, uns darin zu verbeißen. Das hat doch immer funktioniert, so wird es auch jetzt klappen und passen. Das sollte doch hier auch…, das muss doch jetzt…, wieso klappt das nicht?

Unsere Werte und unsere Identität, manche sagen Glaube, andere Charakter, wieder andere Kultur, sind dabei die entscheidenen Faktoren.

Es sind aber auch genau die Faktoren, die uns limitieren!

Die uns in unseren gewohnten Bahnen schwimmen lassen, die uns schützen, die wir gewohnt sind, an die wir uns gewöhnt haben. Wir haben so oft vor uns und anderen wiederholt, wer wir sind, was uns wichtig ist, was wir glauben, was wir können.

Wir glauben selbst daran. Wir können es uns nicht vorstellen, nicht mal im Ansatz, dass es nicht so sein könnte. Um aus dieser Falle unseres Egos zu kommen, hilft nur Achtsamkeit.

Es hilft nur Aufmerksamkeit auf die Details, auf den Moment, auf das, was wirklich passiert und was nicht wirklich passiert. Was sind Gedanken und Gefühle in uns? Was hat diese Gedanken ausgelöst? Was ist die Wurzel? Und was haben wir davon? Was passiert, wenn wir jetzt so handeln? Was wird das Ergebnis, die Frucht sein? Was sind unsere Wahrnehmungen, was wollen wir sehen, was wollen wir nicht sehen? Wie könnte es noch sein? Welche Möglichkeiten des Handelns habe ich jetzt?

Es sind immer mindestens zwei: etwas tun und etwas nicht zu tun. Dabei denke ich doch so oft, dass ich keine Wahl habe. Dass ich nur so oder so auf meine Umwelt, auf etwas, das mir passiert reagieren kann.

Zu meinen größten Freuden gehört es, dass ich mich rückblickend dabei ertappe, wie ich mir selbst mehr Wahlmöglichkeiten geschaffen habe. Wie ich in scheinbar ausweglosen Situationen einen anderen Weg, die Lösung, gefunden habe.

Mich motiviert ungemein, wenn mir jemand sagt, es gäbe nur diese eine, seine Lösung! Ich möchte es ihm, mir und der Welt beweisen, dass es noch eine andere Möglichkeit gibt. Und sei es nur darum, um zu beweisen, dass es so ist.

So habe ich mit dem Rauchen aufgehört vor über 6 Jahren. Jemand sagte irgendwann mal zu mir: „Arne, Du hast doch keine Wahl. Rauchen ist die schlimmste aller Süchte. Du wirst nie damit aufhören können, ohne fremde (meine) Hilfe.“

Challenge accepted!

So meine Reaktion. Es war mir eine riesige Freude, als ich ihn vor einiger Zeit wieder sah, um ihm erzählen zu können, dass ich nicht mehr rauche.

Und ja, es gab noch viele andere Faktoren und Menschen und Erfahrungen und Einsichten, die dazu beigetragen haben, dass ich heute keine Zigaretten mehr rauchen muss oder will. Aber diese eine Unterhaltung, diese kleine Bemerkung am Rande, fällt mir immer wieder ein. Vor allem, wenn mir jemand erzählt, dass etwas nur so, und genau nicht anders zu sein hat.

Aber diese Wahlfreiheit ist oft auch sehr erschreckend für mich. Weil sie mir keine Wahl bei einer anderen Sache lässt: ich bin allein verantwortlich für mich und mein Leben.

Ich kann niemand anderen verantwortlich machen für mein Unglück, meine Gefühle oder was auch immer mir passiert. Wenn ich akzeptiere, dass ich eine Wahl habe, dann erst akzeptiere ich meine eigene Verantwortung für mein Leben.

Die schlimmste der Illusionen für mich ist, dass es uns so viel einfacher scheint, andere Menschen, die Umstände und unsere Vergangenheit für uns verantwortlich sein zu lassen. Dass es unsere Entscheidungen waren, dass wir eine Wahl hatten, das blenden wir zu gerne aus.

Huih, jetzt ist es schon um Acht!

Hab meiner Tochter etwas versprochen, was ich nun einlösen möchte. Und sage deshalb hier schnell Ciao und wünsche Euch einen erholsamen Samstag!

Ein Projekt muss her…

Silivri, 9:39, Tag 287

Habe meinen Traum vergessen, mal wieder ausgeschlafen, ohne Wecker erst um 7 aufgewacht. Heute gibt es komischerweise Wolken hier. Die Sonne hat sich aber auch schon gezeigt.

Werde unruhig. Brauche mehr als Lesen von Artikeln im Laptop, Spielen, Aufräumen, Garten, Photos, Grillen und Strand. Irgend ein Projekt muss her. Es ist immer so, mal eher, mal später. In diesem Sommer eher später.

Ein langes Buch könnte helfen. Irgendeine Aufräum Installations Reorganisations Lösch Orgie im Laptop ginge auch. Ein größeres Minecraftprojekt hab ich letzte Woche schon mal angefangen. Aber die sind dann doch zu eintönig, zu wenig abwechslungsreich. Nach zwei Stunden intensivem Bauen dort, schaue ich hoch und mich um und alles ist blockig.

Gestern brauchten wir etwas aus der Stadt und ich bin 2 x 2 Stunden mit dem Bus hin und zurückgefahren. Ich habe nur aus dem Fenster geschaut und ab und zu mal Fotos gemacht. Zwischen Zincirlikuyu (am westlichen Ende der ersten Bosphorusbrücke, wo unsere Wohnung ist) bis nach Avcilar gibt es schon den schnellen Metrobüs in Istanbul in der Mitte der Stadtautobahn D100. Die Strecke wird aktuell weiter verlängert bis Beylikdüzü und gestern hat KONE bestimmt 40 Rolltreppen und Lifte für die Fussgängerbrücken zu den vielleicht 20 neuen Bushaltestellen geliefert. Es sah komisch aus, weil ich nur an einer Baustelle überhaupt Techniker gesehen habe. Es gab auch keine Absperrungen, die Kisten und Rolltreppen standen einfach auf dem Fussweg rum. Hier hab ich die Schnappschüsse vom Nexus mal in Google+ gesammelt.

Habe einen abgestorbenen Strauch samt Wurzel ausgegraben. Das wäre fast ein weiteres Urlaubsprojekt geworden, aus der Wurzel irgend etwas schönes zu schnitzen. Aber meine Laptop Hände haben der ersten Stunde Arbeit mit dem Messer bereits gestreikt. Nun würde ich gerne noch ein oder zwei Feilen kaufen wollen.

Mad Men hatte ich ja angefangen zu schauen, aber das ist wie Minecraft spielen, nach zwei Stunden am Stück ist man im Tunnelblick und wacht daraus wie nach einem Rausch mit Kater wieder auf. Aber ich finde die Serie immer noch absolut grossartig und sehenswert und werde wohl weiter abends ein oder zwei Folgen schauen.

Es gäbe noch unser Terassendach zu reparieren, aber hier schützt mich die tollste Frau vor meinem Übermut und möchte doch lieber Profis beauftragen. Dabei hatte ich mir schon den neuen Akkubohrschrauber ausgesucht, der natürlich für dieses Projekt unentbehrlich wäre. 40 Schrauben mit der Hand raus und wieder rein zu drehen, würde erstens sicher nach Schraube 10 sicher unweigerlich zu Blasen führen und zweitens wäre das grade zuviel Zen, selbst für mich. Dann doch lieber sinn- und zielloses Beschnitzen von Wurzeln.

Besteht Urlaub vielleicht daraus, mal kein Projekt haben zu müssen? Besteht er daraus, einfach mal nichts zu tun, wie es Anfang letzter Woche so stark war bei mir. Oder ist es doch so, dass wir nicht Nichtstun können. Oder doch anders, und man macht im Urlaub Projekte oder Dinge, für die man sich sonst keine Zeit nimmt.

Man lässt es sich endlich mal so richtig gut gehen, sagte mir ein Freund gestern, was auch immer das sein mag. Sofort frage ich mich, warum kann man es sich nur im Urlaub mal so richtig gut gehen lassen?

Oder ist es vielleicht doch beides, denn Nichtstun ist nur eine Wertung?

Projekte ohne Zwang und ohne das übliche Müssen, sind eben in unserer Kultur, in unserer Gesellschaft Nichtstun. Ist damit aber nicht alles, was aus dem Dasein selbst heraus passiert, bei dem es kein gewolltes Ziel und kein angestrebtes Ergebnis gibt, in unserer Gesellschaft das gleiche, wie nichts zu tun?

Wie können wir diese Wertung überwinden? Die Wertung dass dieses Nichtstun nur im Urlaub geht und zu bald Ende sein wird, dass dieses es mir mal so richtig gut gehen lassen, dieses mal alles anders machen, dieses gegen die eigenen Routinen rebellieren, dieses Ausschlafen, dieses Spassprojekte haben, dieses Minecraft bauen, bis ich alles in Klötzen sehe, dieses Wurzeln schnitzen, bis ich noch mehr Blasen an den Händen habe, dieses Mad Men schauen, bis ich besoffen vom Zuschauen bin.

Warum fühle ich mich so komisch nach einer Zeit des Nichtstuns, was ist diese innere Unruhe, die ständig wertet in meinem Kopf und immer wieder nach etwas sucht, was jetzt gerade nicht da ist.

Warum macht mich dieses Nichtstun so unruhig?