Schlagwort: ZaZen

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Sanssouci [ˈsãːsusi], französisch, sorgenfrei

Berlin, 7:43, Tag 426

Heute gab es keinen Traum in den nur 5h Schlaf, die ich mir gönnen konnte, doch ich hab geträumt, nur erinner ich mich wie manchmal eben nicht daran.

Gestern möchte ich in guter Erinnerung behalten, ein unerwartet wunderbarer Tag. Ich werde zu Euch vielleicht gleich in Rätseln sprechen, aber es muss einfach sein. Wenn man keine Zeit zu haben scheint, wenn man keine Ruhe zu haben glaubt, wenn man zu viel zu tun hat, wenn es so viel scheint, dass man verzweifelt noch schneller rennen möchte. Wenn man dann einfach etwas ganz anderes macht, wird man manchmal einfach belohnt. Nur man muss komplett loslassen. Hier beschreibe ich mit Worten, was nicht zu beschreiben ist.

Ich bin gestern erst in der Bernauer Strasse, danach in Sanssoucci, dann in der Liebermann Villa, dann in Kreuzberg intensives, effektives Meeting unserer mtc Führungsmannschaft. Noch nicht genug. Weiter ins Bundeskanzleramt, dann eine Stadtrundfahrt Charlottenburg, Schöneberg, Potsdamer Platz. Und den Schluss bildete ein Abendessen im Grill Royal.

Im Garten der Liebermannvilla ist es das erste Mal passiert, dass ich sorgenfrei wurde. Beim Tee in der Villa dann haben wir uns über Leadership unterhalten:

Leadership ist not a science, its an art.
-Edwin H. Futa

Ein Mediziner der die Medizin als Wissenschaft betreibt, führt Experimente an seinen Patienten durch, studiert die Wirkung und passt die Methoden an. Die Kunst der Heilung wird nicht an der Universität gelehrt. Manager würden Projekte, Produkte und Progamme managen, sie müssten aber doch viel mehr die Menschen führen und anleiten, die die Projekten, Produkte und Programme durchführen! Edwin konnte aussprechen, wonach ich am letzten Wochenende so sehr gesucht habe: wissenschaftlich ist Leaderhip nicht beizukommen.

Abends beim Essen geschehen dann Wunder!

Sansscouci, Dez 2012

Liebermannvilla

Liebermannvilla

Edwin Futa und ich vorm Kanzleramt, Dez 2012

Edwin Futa und ich vorm Kanzleramt, Dez 2012

Blick auf Reichstag vom Kanzleramt, Dez 2012

Blick auf Reichstag vom Kanzleramt, Dez 2012

Merkels Platz am Kabinettstisch, Dez 2012

Merkels Platz am Kabinettstisch, Dez 2012

Kabinettstisch, Dez 2012

Kabinettstisch, Dez 2012

Lichthof im Kanzleramt, Dez 2012

Lichthof im Kanzleramt, Dez 2012

Blick aus Kanzleramt in den Tiergarten, Dez 2012

Blick aus Kanzleramt in den Tiergarten, Dez 2012

Grill Royal, Dez 2012

Grill Royal, Dez 2012

PS:  »Alles, was aus Anstrengung entsteht, ist Scheiße. Hör dir die Musik im Radio an. Leiernder, wehleidiger, stumpfer Dreck. Entstanden aus Anstrengung. Gemacht von Leuten, die Häuser abbezahlen müssen. Stumpf anmoderiert von Leuten, die Häuser abbezahlen müssen. Kapitalismus macht stumpf. Ich habe mich noch keine fünf Minuten im Leben angestrengt. Man muss sich entscheiden. Gute Kunst entsteht nicht aus Anstrengung. Sondern absichtslos. Aus Lust.« (Danke für Post, Commnet Meike und Holger!)

PPS: Mein Dank für diesen Tag gebührt: Anthony Owen, Edwin H. Futa, Rudold Teuwsen und Christian Schleithof!

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Annehmen was ist und loslassen, was nicht ist…

Istanbul, 8:41, Tag 381

Heute Nacht habe ich in einer von mehreren Schlangen gestanden, eigentlich nur ein Ausflug, wieder so etwas wie ein Ferienlager, in das ich mich in den letzen Wochen öfter geträumt habe. Plötzlich brauchten wir unsere Pässe, meinen hatte jemand anders in einer anderen Schlange. Es wurde sehr hektisch, über uns brummten auch noch plötzlich zwei Hubschrauber, einer davon extrem gross, überdimensioniert. Sie kamen näher, ich konnte drei bequeme weisse Ledersitze in zwei Reihen in dem grossen Hubschrauber erkennen, kein Pilot. Der Riesenhubschrauber war leer und gemeinsam flogen sie über uns hinweg. Ich bekam in letzter Sekunde meinen Pass und in dem Moment weckte mich Aleyna auf, weil sie einen Albtraum hatte, in dem ein Dieb die Mama gefesselt und sie sie befreien musste und sie dann zusammen weggerannt sind. Es folgte eine schöne gemeinsame Stunde des langsamen Aufwachens, Quatschens, Kuschelns, die erst wir beide, dann alle drei sehr genossen haben.

Ohman, gestern ein Grosskampftag: um 8 der erste Termin, schnell bloggen, dann Willkommensfrühstück mit Asmund, dann unser größter Vertriebspartner in intensiven 3h bis um 2 betreut, schnell Essen und dann eine Session mit Asmunds, dann ins Büro, nach dem rechten sehen und verabschieden für eine Woche und dann zum Flughafen und so spät wie noch nie, erst 30min vor Abflug dort ankommen, zum Glück hatte er eine halbe Stunde Verspätung und sie hatten nichts gegen mein überschweres Handgepäck. Um 11 war ich endlich zu Hause.

Ich war den ganzen Tag voll aufgedreht! Habe meinen Vortrag vom Mittwoch noch einmal gehalten und diesmal auf Deutsch und noch etwas runder, wie ich glaube. Dann noch ein paar strategische Überlegungen ausgetauscht, alles sehr intensiv, angespannt, herausfordernd und irgendwie sehr bewegend.

Renne ich weg vor etwas, vor mir selbst?

Komischer- oder glücklicherweise empfinde ich gerade überhaupt nicht so. Ja, ich bin unruhig, unstetig und fühle ein hohes Energielevel, einen hohen Grad an Entschlossenheit, etwas zu tun, etwas zu machen. Und dann lese ich mit einem Seitenblick bei Facebook:

We have just one Life.
Keep it simple.

Manchmal möchte ich einfach den Flow geniessen, die Strömung, die mich mitreisst. Manchmal möchte ich einfach nicht hinterfragen, ob es richtig ist, ob ich nicht vor etwas weglaufe, wenn sich das Laufen selbst so gut anfühlt, so schön, so befreiend, so richtig und wichtig.

Ich habe immer einen Platz im Leben. Es ist der Platz, an dem ich jetzt gerade bin. Und an diesem Platz gibt es etwas zu tun, es gibt immer etwas zu tun. Dieser Platz kann auch eine Autobahn sein, auf der ich sehr schnell fahre. Dabei geht es nicht ums irgendwo Hinwollen oder von etwas Wegfahren. Es geht einfach um die Geschwindigkeit, um Traktion, um Abstand, um Fahrtwind, um vorbei rauschende Landschaften, um das Gefühl von 240km/h im Hintern, an den Händen, im Bauch. Es geht einfach um Bewegung.

Je mehr Zugang ich zu meinem Unbewussten spüre, je mehr ich einfach atme und einfach lächle, je mehr ich das annehme, was ist und das loslasse, was nicht ist, um so enger fühle ich mich mit dem grossen Flow des Universums verbunden, desto klarer fühle ich mit meiner Umwelt, meiner Familie, meinen Freunden, Kollegen, Partnern, mit meinen Kunden. Ich kann die Umstände nicht kontrollieren, noch beeinflussen. Ich kann nur sehen, was ist und ich kann loslassen, was nicht ist.

Die Beziehungen, die Verbundenheit, die Abhängigkeiten von uns selbst, mit allem, was uns umgibt sind mannigfach, vielschichtig, komplex, innig könnte man fast sagen. Und nur selten schauen wie tief genug und erkennen, wie verbunden wir mit allem wirklich sind. Wir bleiben zu gerne an der Oberfläche, begnügen uns mit Konzepten, Ideen und Vorstellungen. Wir vergessen die wechselseitige Abhängigkeit von allem mit allem.

Auf einer Folie meines Vortrages steht:

Companies don’t fail because the choose the wrong course – they fail, because they can’t imagine a better one.

Und das trifft so sehr auch auf uns selbst zu. Wir leben oft nicht das Leben, das wir uns wünschen. Aber nicht, weil wir uns das so ausgesucht haben und nun nicht wissen, wie wir das ändern können, wohin wir gehen sollen, was wir tun sollen. Nein, wir können uns oft einfach nur kein besseres Leben vorstellen. Und wir glauben nicht daran, dass wir ein bessere Leben verdient haben. Wir denken, wir rennen weg von etwas, von uns selbst. Doch dabei sind wir doch immer(!) auf dem Weg zu uns selbst, egal welche Richtung wir einschlagen.

‚Open heart walking‘ meint einfach zu gehen und dabei an nichts zu denken. Wir fühlen, wie die Füsse den Boden berühren, wie sich die Zehen abrollen, wie die Sohle federt, wir spüren die Unebenheiten, wir fühlen die Gelenke sich bewegen, die Muskeln sich ausstrecken und wieder anspannen, wir gleiten und schwingen und setzen dabei einfach einen Schritt vor den nächsten.

Mit einem bewegten Lächeln verabschiede ich mich von Euch in das Wochenende!

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Verbrennen ist auch keine Lösung…

Andalusien, 7:41, Tag 359

Heute Nacht habe ich mind zwei Träume geträumt, sie aber sofort beim Aufwachen vergessen.

Bin müde. Gestern haben wir bis um elf intensiv gearbeitet. Gleichzeitig bin ich nicht müde, voller Kraft und Energie und Gedanken. Ich möchte festhalten, was ich erlebt habe. Irgendwie einfrieren, zurück spulen, immer wieder darauf zugreifen können.

Habe meinen Vortrag, den ich so ähnlich auch auf der EPO Patent Informations Konferenz halten werde, tagsüber nebenbei vorbereitet. Eine Stunde zusammen mit C. dann das finale Konzept entwickelt, also alles weg geworfen, was in dreißig Minuten nicht zu schaffen ist. Dann am Abend, gegen halb Acht erst, wenige Minuten nach diesem Sonnenuntergang, war ich dann dran.

Normalerweise ja gar nicht meine Zeit, vor allem da ich seit Fünf wach war, aber hier kann ich und will ich ja üben, was passiert, wenn ich Dinge anders mache. Ich glaube, die neue Gliederung ist ganz gut, das Konzept könnte funktionieren, die Diskussion danach war intensiv, die Aktivierung schien erreicht. Den Titel und die Zusammenfassung, die wir uns im Juni ausgedacht haben, ist nun mit Leben gefüllt, mit extrem viel Leben gefüllt. Das gibt ein gutes Gefühl, das beruhigt mich erst mal und gibt mir Selbstvertrauen und noch mehr Kraft.

Vorher hatten wir ein paar super interessant (psychologische) Übungen veranstaltet, bei denen ich mich unter anderem mit negativen, behindernden Überzeugungen beschäftigt habe. Also zum Beispiel mit meinen ständigen Selbstzweifeln, mit meiner Befürchtung, nicht gut genug zu sein, mit meiner Suche nach Aufmerksamkeit und Anerkennung, als Vorbedingung für mein Glücklich sein, mit meinen Ängsten, mein Leben, meine Firma zu verlieren. Die wollten wir auf einen Zettel schreiben und abends eigentlich am Strand in einem Feuerritual verbrennen.

Es hatte etwas geregnet, so dass wir das Ritual erst mal verschoben haben.

Und ich erinnere mich gerade wieder an den Zenkoch (-coach), der nicht an ein Auflösen solcher Behinderungen (=Gefühle/Gedanken) durch Feuerrituale glaubt, sondern daran, diese Überzeugungen (=Gefühle/Gedanken) als Zutaten zu betrachten, sie genau an zu schauen, sie als Teile von sich zu begreifen, die zu uns gehören, die wir auch sind und die Energie beinhalten, die Aufmerksamkeit verdienen und die uns zu dem machen, was wir sind.

So dass wir also eher die Überzeugung los lassen, dass Überzeugungen negativ oder positiv sind. Wir betrachten sie einfach als vorhanden, als existent und so wie sie eben sind. Und wir verstehen, dass wir sie auf konstruktive und destruktive Weise nutzen können.

Our faults can be seen as great resources. This means knowing how they function, without further confusing ourselves by making judgments. This is a hard habit to break, but well worth the effort. Our faults contain a tremendous amount of energy. That energy can be used in a destructive or constructive way.

Die negativen Überzeugungen werden im Feuer ja auch nicht verschwinden, sie werden transformiert in Licht, in Wärme und in Asche. So wie auch die Zutaten eines Gerichtes erst durch das Kochen erst gar und damit schmackhaft werden.

Ja, so könnte es funktionieren. Nun bin ich richtig dankbar, dass das Ritual verschoben worden ist. Gestern Abend hätte ich einen Teil von mir verbrannt, abgestossen, ausgestossen. Das wäre keine Lösung!

Heute ist ein freier Tag, morgen geht es bis zum Sonntag dann in den Schlusspurt, ich kriege Hunger und verabschiede mich von Euch mit einem Lächeln…

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Über unser Speicherbewusstsein…

Istanbul, 7:35, Tag 344

Heute Nacht habe ich schön geträumt, aber ich bin zu aufgeregt aufgewacht, um ihn mir merken zu können. Statt dessen habe ich bei meinen 30 Minuten #Zazen vorm Aufstehen der Damen folgende Gedanken gehabt, die ich mit Euch teilen möchte.

Seit ein paar Tagen lese ich mit Aleyna zusammen Alexander Wolkows ‚Urfin und die Holzsoldaten‘. Ich habe ihr nie wirklich viel und auch nicht regelmässig vorgelesen, ab und zu sicher, aber nicht als Teil des abendlichen zu Bett Gehens. Dies versuche ich gerade zu ändern und merke, dass das am besten mit meinen eigenen Kinderbüchern klappt.

Als ich ihr gestern aus Urfin vorgelesen habe, habe ich mich aber plötzlich an Sätze und Details so konkret erinnert, dass wir beide sofort extrem von der Geschichte gefesselt waren. Aleyna schlief dann aber doch bald ein, ihr Tag war einfach zu lang, und ich musste alleine noch zwei Kapitel weiter lesen, bis auch mir die Augen zufielen.

Es ist bestimmt 30 Jahre her, dass ich das Buch vielleicht auch mehrfach selbst gelesen habe. Und trotzdem kenne ich zB noch die Schellen an Hüten mit den Krempen, die Blutegel, Gauko… Gaukomo und so weiter und so fort, alle Details sind noch da. Und es fühlt sich alles sooo vertraut, nach Heimat und zu Hause an.

Heute morgen dann beim Meditieren bin ich richtig erschrocken über diese Fähigkeit von uns Menschen, solche winzigen Dinge zu speichern, dann scheinbar zu vergessen und 30 Jahre später mit dem richtige Trigger wieder parat zu haben. Ich habe oft davon gelesen, dass unser Speicherbewusstsein alles, aber auch alles aufbewahrt, was unsere wir durch unsere fünf Sinne wahrnehmen. Aber wenn ich das dann selbst in aller Deutlichkeit erlebe, bekomme ich eine Gänsehaut.

Es ist übrigens beim Lesen genau so wie mit Orten. Ich kann sehr konkret fühlen, wenn ich an einem Ort schon einmal gewesen bin. Ich weiss es einfach, ohne dass erklären zu können. Das hilft natürlich bei der Orientierung ungemein. Wenn ich zB falsch abbiege fühle ich, dass ich an dieser Stelle noch nie war und kann umkehren oder gehe in den Entdeckermodus, bei dem ich mich dann nach Sonnenstand orientiere.

Nun erinnere ich mich aber auch daran, dass ich immer schon so lernen konnte. Ich las in Fachbüchern, strich mit Marker wichtige Stellen an und konnte mich später genau wieder daran erinnern, wie die Seite aufgebaut war, wo der Text, die Bilder, die Markierung war und wenn notwenig, kamen dann auch die einzelnen Worte und Sätze wieder.

Mir fehlt genau das übrigens sehr beim Lesen im Web oder mit dem Kindle. Durch sich das hier auflösende Seitenkonzept, fehlt mir die bisher so hilfreiche visuelle Orientierung, das Erinnern an konkrete Stellen auf konkreten Seiten.

Das wird sicher durch eine immer bessere Suchalgorithmen teilweise ersetzt, wobei das Suchen nach Textstellen andere Kompetenzen erfordert als das eher visuelle Erinnern an Orte. Hier ist viel mehr wichtig, zu wissen, mit welcher Struktur in welchen Tools man diese Informationen ablegt, um auf sie später wieder zugreifen zu können.

Langsam, ab und zu, bemerke ich auch hier im Web, dass ich mich an alles, aber auch alles, was ich hier gelesen habe erinnern kann. Entweder mit tiefer Konzentration wie bei der Meditation und aber mit einfachem Vertrauen, erlange ich Zugriff auf mein Unterbewusstsein/mein Speicherbewusstsein. Nicht, dass ich dass steuern könnte, aber wenn es (mir wirklich) wichtig ist, finde ich verloren geglaubte Artikel oder auch markierte Texte auf dem Kindle nach einiger Zeit wieder.

Ich mach mir mal eine Notiz im Kalender, dass ich heute in 30 Jahren darüber reflektiere, ob die These im letzten Absatz wirklich stimmt…

Mit dieser Möve auf dem Weg zum Frühstück, verabschiede ich mich ganz beschwingt von Erkenntnis in den Mittwoch!

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Ich liebe Himbeermarmelade…

Berlin, 7:04, Tag 296

Wenn ich aufwache, bin ich mit meinem Traum verbunden. Manchmal ist die Story stark, die Gefühle tief und die Erinnerung ganz deutlich. Nicht so heute morgen. Mit Anstrengung und Konzentration wäre ich an das Thema, an einige Szenen sicher wieder rangekommen. Statt dessen habe ich mich heute einfach wieder rumgedreht und noch eine halbe Stunde lang das Aufwachen genossen, fast meditiert, die auftauchenden Gedanken begrüsst, dabei bemerkt, welche Gefühle damit verbunden sind und beides wieder gehen lassen. Wieder eingedöst, wieder – mit einem neuen Gedanken – aufgewacht, das dazugehörige Gefühl bemerkt. Und dann doch aufgestanden…

Åsmund drüben hat schon wieder einen grossartigen Post geschrieben. Und schon wieder möchte ich meine Gedanken und Gefühle hier aufschreiben:

For more than a year, I’ve been asking people what they love. What do you love? Believe it or not, it’s a trick question. If you give it a chance, you’ll see it’s impossible to answer it sincerely only from your intellect. You don’t come to a decision of loving something, or someone. You love. Regardless of what you think about it.

Für über ein Jahr versuche ich nun schon ein Video zu machen, mit meiner Antwort auf diese, seine Frage. Alle paar Wochen kommt der Impuls wieder hoch, so auch gestern Abend. Ich stelle mir meist vor, auf meiner Terrasse zu stehen, das iPhone anzuschalten und mich zu fragen, was ich liebe und ein- und auszuatmen und… und dann, schaltet sich jedes mal – vorher, mittendrin, danach – mein Kopf dazu und ich bin unzufrieden. Es ist mir peinlich. Oder ich habe  etwas oder jemand ganz wichtiges vergessen, den ich doch unbedingt (auch liebe und deshalb) erwähnen sollte.

Dann denke ich, ok die Zeit ist nicht reif, warum muss ich das überhaupt machen. Ich werd mich einfach demnächst besser vorbereiten, erst mal abwarten, erst mal eine Notiz machen, ein ToDo anlegen, einen Termin im Kalender eintragen, ein Konzept oder vielleicht sogar für einen Workshop mit Freunden, Kollegen. Und ein Stativ, ich sollte erst mal ein Stativ kaufen.

Diese „trick question“ begleitet mich, sie leitet mich! Denn sie geht weiter, sie dehnt sich aus und plötzlich funktioniert sie auch mit Zufriedenheit, mit Glück, mit Frieden, mit Gesundheit. Was macht mich zufrieden, glücklich, gesund? Und die Frage funktioniert sogar mit Macht, Ohnmacht, Kontrolle, Erfolg, Reichtum, Verlust, Besitz. Was macht mich mächtig? Was lässt mich Kontrolle haben? Was macht mich erfolgreich und reich? Was besitze ich, was habe ich verloren?

Ja, Åsmund, diese eine und all die anderen Fragen lassen sich einfach nicht erschöpfend mit dem Intellekt beantworten, aufschreiben, aufzeichnen.

Es sind erkenntnisleitende Fragen. Die Fragen, die weiter führen, die eine Entwicklung sichtbar machen, die uns bewegen, uns in Bewegung versetzen, die zu etwas Neuem führen.

Es sind auch Fragen, die nerven, denen man ausweichen möchte und oft einfach weh tun. Solche Fragen decken auf, sie decken nichts mehr zu. Sie machen verstecktes und verdrängtes wieder sichtbar. Wenn man es zulässt und eben nicht nur mit dem Kopf, mit seinem Intellekt, in seinen gewohnten Denkmustern, mit den eingeübten Ritualen darauf antwortet.

Wenn man die Frage zulässt und ihr erlaubt, sich auszubreiten, führt sie letztlich zu einer Erkenntnis, dass es eben noch etwas anderes gibt, als unser gewohntes, dualistisches, unterscheidendes, trennendes Denken (ja, nein, gut, schlecht, etc). Eine andere Ebene des Denkens, Fühlens und Wissens. Eine Ebene in der es geht und ok ist, etwas nicht zu wissen und es doch zu tun. Diese andere Art zu denken und zu fühlen, kann zu radikalen Tranfsormationen, zu tiefgreifendem Wandel führen.

Wenn man einmal verstanden hat, dass das eine alles, und alles das eine ist, dann eröffnet sich eine neue Dimension, eine neue Welt, in der alles möglich scheint. Und die Antwort auf die Frage wird belanglos. Die Antwort liegt nicht in den Worten dieser Dimension des Denkens. Die Antwort liegt in der veränderten Aufmerksamkeit, in Changed Attention, in einer veränderten Sichtweise auf unsere Welt.

What do you love? You don’t know? Good! Now, go do what you love. 

Und plötzlich tauchen zwei Tauben am klaren Himmel auf, als ich mein erstes Bild mache.

Und plötzlich blitzt die Sonne durch die Zweige, als ich mein zweites Bild mache.

Und plötzlich merke ich, dass ich in diesem Moment Himbeermarmelade über alles liebe (Danke, Antje!;) und mache mein drittes Bild.

Wünsche allen hier einen wunderbaren Tag!

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Ordnung schaffen…

Berlin, 7:19, Tag 268 (noch 96 Tage)

Gestern mein Vortrag (lief suuper!) und ein Heimflug, zeitig um 10 ins Bett. Um zwölf dann wach, als ob ich aufstehen könnte. Selten traumlos weiter bis zwei Minuten vor dem Wecker geschlafen. Heute ein Workshop zur Entwicklung einer digitalen Strategie. Super spannende Kiste. Bin aufgeregt gespannt, aber ohne das übliche „Du machst Dich sicher gleich zum Obst auf der Bühne“-Gefühl. Es gibt ja auch keine Bühne, also nur die kleine, ausgedachte in unserem grossartigen Meetingraum-Terassen-Ensemble.

Hab grad schon die Metaplanwände und das Flipchart vorbereitet, Tee hingestellt, den Monitor gecheckt, ein Mindmap angelegt, eben Ordnung gemacht, aufgeräumt. Ich glaube, es zeigt Wertschätzung, wenn alles „ready to rock“ ist. Und es erzeugt nebenbei irgend etwas unfassbares, unbestimmbares Gefühl, so etwas wie gute Stimmung, Energie, Karma.

Ich hab lange nicht mehr aus dem Zenkoch zitiert, heute ist es mal wieder soweit:

The cleaning process itself changes the cook as well as the surroundings and the people who come into those surroundings— whether we’re in a Zen meditation hall, a living room, a kitchen, or an office.

Ok, genau das wird mir immer bewusster und immer wichtiger. Das wunderbare ist, dass alleine der Prozess des Aufräumens, Sortierens, des Säuberns seine ganz eigene Kraft hat und entfaltet. Unabhängig davon, wie man sich dabei fühlt und ob man es mag oder nicht. Ein wertungs- und absichtsloses Aufräumen der Dinge, Dateien, Texte, Räume die einen umgeben, erzeugt diese Kraft, die viel stärker wirkt, als mir lange Zeit bewusst war.

Beim Fliegen räume ich manchmal die Dateien in meiner Dropbox auf. Denn manchmal mag ich keinen Film schauen, keine Musik hören, mich nicht unterhalten, nichts mehr lesen. Es gibt Momente, da kann ich keinen neuen Input mehr ertragen. Es passt nichts mehr rein, ich bin wohl einfach satt.

Dann gibt es für mich drei Alternativen. Ich schliesse die Augen und meditiere, mache gar nichts, faulenze, stoppe alle Aktivitäten. Oder aber ich fange an zu schreiben, zu malen, das aufgenommene der letzten Tage, Wochen will dann wieder raus, sich ausserhalb von mir manifestieren. Und die dritte Alternative ist das Aufräumen von Dingen, auch eine Art Meditation. Das schönste Aufräumen ist, wenn ich nicht aufräume, um irgend einen Mangel zu beseitigen oder um irgend etwas zu finden, sondern einfach so, um Ordnung zu schaffen.

Im Zenkoch geht es dann auch weiter, mit diesem Satz:

The process of cleaning also allows us to discover the ingredients that are already in this space. We begin to see the ingredients we already have.

Man kann nicht nur in physischen oder virtuellen Dingen Ordnung schaffen, auch in seinem Kopf selbst, kann man ab und zu mal durchfegen und alles anschauen, sortieren und wieder an seinen Platz stellen. Es gibt viele Möglichkeiten dazu, jeder hat seinen eigenen Weg, seine eigenen Möglichkeiten entwickelt, die einen Laufen, gehen Spazieren, setzen sich auf den Balkon oder in ein Cafe oder fahren Auto, U-Bahn und schauen aus dem Fenster. Der für mich effektivste Weg für das Aufräumen des Geistes, den ich in den letzten Jahren entdeckt habe, ist aber meine morgendliche Sitzmeditation.

Just as we start cooking a meal by cleaning the kitchen, it’s helpful to start the day by cleaning our mind. In Zen Buddhism, we clean the clean the mind by the process of meditation, or zazen, which literally means “just sitting.”

Wünsche allen einen wunderbaren Tag!

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Wollen kann man das nicht…

Berlin, 7:32, Tag 252

Beim Einschlafen geträumt, ab und zu wach gewesen, immer daran erinnert, im Moment des Aufstehen wars vergessen, auch der Morgentraum ist verschwunden, trotz Notizen komm ich nicht mehr ran. Meine Meditation ist sehr verträumt zur Zeit. Sie vergeht sehr schnell, scheint oberflächlich, dahin plätschernd, fast langweilig. Die Dauer scheint egal, ob 20 oder 50min, hat keine Bedeutung mehr. Es fehlt an Einsicht, an irgend einem Sinn, es fehlt am Wissen und vielleicht fehlt es auch nur an Geduld.

Ich arbeite zuviel (oder zuwenig;), aber es kommt mir ja nicht wie Arbeit vor. Es ist eher wie das Spielen der Gitarre für einen Gitarristen, der jeden Tag für seinen grossen Auftritt, seine nächste Aufnahme, die nächste Stufe seines Könnens übt.

Und es macht Spass zu üben, es ist ganz natürlich. Es fühlt sich nicht wie Arbeit an. Es ist etwas, was man einfach tun muss.

Manche schauen Fussball mit Hingabe. Manche haben Autos und wissen alles über sie. Manche surfen durchs Web und bleiben Stunden um Stunden überall hängen. Manche spielen Spiele und können es nicht lassen. Manche laufen jeden Tag, Tag für Tag. Niemals würden sie auf die Idee kommen, über die viele Arbeit dabei zu klagen. Sie berichten von der Freude, den schönen Momenten, den Erfolgen, von den Siegen oder zumindest den vielen, winzigen Details ihres Lebens.

Und es ist eine Qual zu üben, das gehört dazu. Es fühlt sich an wie wirkliche Arbeit. Es ist etwas, was man einfach tun muss.

Es ist langweilig, immer das gleiche, immer wieder die Wiederholung der Wiederholung, alles schon da gewesen, keine Veränderung, keine Entwicklung, kein Sinn, fast Verzweiflung, Aufgabe und aufgeben liegen nah beieinander. Etwas kann immer immer stören, nicht ausreichen, nicht richtig oder fertig sein.

Ich nehme seit ein paar Jahren jeden Morgen ein Foto auf, kurz nachdem ich wach bin oder das Haus verlassen habe. Zu Beginn an der Kita meiner süssen Tochter/an unserem Bäcker, dann an immer den gleichen Stellen: am Ufer der Rummelsburger Bucht, an einer Ecker der Bergmannstr, aus dem Fenster in Istanbul, auf dem Dach hier in Berlin. Viele hunderte, vielleicht tausende Bilder habe ich so schon gemacht, von immer den gleichen Motiven.

Einfach so, weil ich es tun muss. Es ist nie eine Qual, es passiert immer einfach so. Ich bemerke nicht, wenn ich kein Foto mache. Vielleicht werte ich einfach nicht. Es gibt kein höheres Ziel, keine Aufgabe, es gibt nur das Tun. Und dann, nach vielen hunderten Morgen und noch viel mehr Bildern passiert doch etwas.

Man steht 10min zu spät auf, duscht ganz in Ruhe, zieht sich an und wieder aus, um sich zu wiegen und wieder an und schaut ganz kurz aus dem Fenster und da ist dieser kurze Moment, in dem man entscheidet, dem Impuls zu folgen und aufs Dach zu klettern. Man steigt die Treppen hoch, zieht das Fenster auf und steckt den Kopf raus und sieht…

Und dann macht es plötzlich alles Sinn. Dann fühlt man es. Und andere sehen es auch. Fühlen vielleicht, dass etwas besonderes passiert ist. Wollen kann man das nicht. Nicht wollen kann man das auch nicht. Und man kann es nicht faken, keine Chance. Die unerwartete Belohnung ist im Moment enthalten, mehr geht nicht. Und ich will es teilen, lächelnd…