ZaZen

Der Ärger auf die Nachbarn kann uns nicht schlafen lassen. Nicht die Geräusche der Nachbarn stören uns.

Es ist wie am Meer. Die Wellen schlagen sanft an den Strand und plätschern vor sich hin, ab und zu springt ein Fisch. Mit einem Klatschen trifft er auf das Wasser. Die Wellen plätschern weiter sanft ans Ufer und brechen sich. Es fährt ein Boot vorbei und das Brummen des Motors ist über dem Wasser und das Sirren der Schraube unter der Wasseroberfläche zu hören. Die Wellen stört das nicht, ganz leicht stärker plätschern sie und nach zwei, drei sind sie so sanft wie vorher.

Der Fisch und das Boot stören sich nicht an den Wellen. Der Fisch springt durch die Wellen, er braucht sie zum Sein. Das Boot ist ohne Wasser nur ein Stück Holz, das Meer macht das Boot erst zum Boot. Und die Wellen sind da, ob nun ein Fisch durch sie springt oder nicht. Die Wellen plätschern, ob ein Boot nun vorbei fährt oder nicht. Die Wellen stören sich nicht an Fisch und Boot. Denn der Fisch und das Boot gehören zum Meer, so wie die Wellen das Meer sind.

Unser Schlaf ist wie die Wellen. Er kommt und geht und plätschert sanft vor sich hin. Der Schlaf plätschert immer weiter, so wie sich Wellen immer weiter sanft am Ufer brechen. Ärger lässt uns nicht schlafen, nicht die Geräusche stören ihn. Aber die Nachbarn sind das Haus, so wie Wellen das Meer sind. Und Fische und Boote gehören zum Meer, genau wie Geräusche der Nachbarn zum Haus gehören.

Wenn wir das verstehen, dann verfliegt unser Ärger und wir hören einfach nur zu und warten, bis sie irgendwann auch so müde werden wie wir. 😉

 

Die Fünf Elemente sind eine klassische buddhistische Klassifizierung jener Elemente, aus denen wir zusammen gesetzt sind (Sanskrit: skandhas).

schreibt Bernie Glassmann in seinem Buch über das Herz Sutra. Als ich das gestern Abend noch einmal las, und zwar eine praktische Herleitung von Wut mit Hilfe der Fünf Elemente, wurde mir wieder mal die tiefe, sehr alte innere Logik dieses Denkens deutlich. So deutlich, dass ich den folgenden Absatz aus etwa drei Seiten Buch kompilieren möchte. Für mich als Referenz, für Euch als Anregung.

Das 1. Element ist die Form und damit alle inneren biologischen Vorgänge und die äusseren materiellen Erscheinungen gemeint. Diese ist mit Unwissenheit verbunden. Mit dem 2. Element, den Gefühlen und Empfindungen, ist Stolz verknüpft, der aus Unwissenheit entsteht. Mit dem 3. Element, den Gedanken oder der Wahrnehmung ist die Entstehung von Begierde verbunden, die uns gewisse Dinge ergreifen und andere ablehnen lässt. Der mit dem 4. Element, Wollen, Impulsen, Reaktion oder Moral verbundene Affekt ist die Eifersucht, die aus der Begierde entsteht. Jemand besitzt oder kann oder auch hat nicht, was ich begehre und ich werde eifersüchtig. Schliesslich wird mit dem 5. Element, dem Bewusstsein, die Wut in Verbindung gebracht, aus Eifersucht entsteht Wut.

  1. Element: Form – Unwissenheit
  2. Element: Empfindungen, Gefühle – Stolz
  3. Element: Wahrnehmungen, Gedanken – Begierde
  4. Element: Reaktionen, Wollen, Impulse, Moral – Eifersucht
  5. Element: Bewusstsein – Wut

Vermutlich ist dies für einen uninteressiert Aussenstehenden esoterischer Quatsch oder auch für den interessierten Dritten einfach unverständlich. Aber diesen Aufbau der Fünf Ebenen unseres Seins habe ich an vielen Stellen von Zen- oder buddhistischer Literatur gefunden. Deren Kenntnis und Verständnis machen ein tieferes Erschliessen dieser Philosophie/Denkschule möglich und zeigen für mich auch wieder einmal die Schönheit dieser Logik.

Wenn ich wütend war, kann ich danach reflektieren und mit Hilfe dieser Elemente oder auch Ebenen bis auf die eigentliche Ursache der Wut stossen. Ich kann die Eifersucht auf etwas oder auf jemanden finden, basierend auf Vergleichen geht das ganz leicht. Die der Eifersucht zugrunde liegende Begierde ist auch schnell gefunden. Ich möchte auch so leben, oder auch so viel Geld haben oder auch diese Wohnung, diese Probleme, diesen Job, diese Erfahrung gemacht haben. Wenn ich hinschau, merke ich, dass ich sogar auf Gelassenheit eifersüchtig sein kann, eine scheinbare Ruhe und damit Überlegenheit. Und warum? Weil ich mich selbst vergleiche, weil ich mich nicht so wert schätze, meine Leistung, mein Sein vielleicht herab- oder heraufsetze, weil ich Stolz empfinde oder zu stolz bin, das zuzugeben. Und wenn ich dann noch genauer hinschaue, dann sehe ich oft, dass ich eigentlich nicht viel weiss. Ihn nicht wirklich kenne, den anderen, auf den ich wütend bin oder der meine Wut ausgelöst hat. Die Teile, die zum vermeintlichen Erfolg geführt haben, die Anstrengungen, Verrenkungen, die Schmerzen, das Leid sind ja nicht zu sehen. Ebenso habe ich vergessen, was mich ausmacht, was mich zu diesem Punkt gebracht hat. Das Unwissen ist am leichtesten von allen Elementen zu sehen. Und wenn ich da durch bin, dann ist meine Wut definitiv weg…  😉

Die Fünf Gewissheiten

  1. Es ist der natürliche Verlauf, dass ich alt werde. Es gibt keinen Weg, dem Altern zu entgehen.
  2. Es ist der natürliche Verlauf, dass ich krank werde. Es gibt keinen Weg, der Krankheit zu entgehen.
  3. Es ist der natürliche Verlauf, dass ich sterben werde. Es gibt keinen Weg, dem Tode zu entgehen.
  4. Es ist der natürliche Verlauf, dass alles woran ich hänge, und alle, die mir lieb sind, sich verändern. Es gibt keinen Weg, der Trennung von ihnen zu entgehen.
  5. Meine Taten sind meine einzigen wirklichen Besitztümer. Den Folgen meiner Taten kann ich nicht entgehen. Meine Taten sind der Boden, auf dem ich stehe.

Das soll keine Warnung  vor kommendem Unheil sein, sondern spricht einfach nur tief in mir verankerte, ständig anwesende Ängste an. Diese Ängste zu unterdrücken hilft mir nicht – sie beeinflussen doch mein Handeln und werden nur offenkundiger durch Unterdrückung. Die letzte Gewissheit zeigt mir den Ausweg und ist die wichtigste „Einsicht“.

Auch das habe ich aus Thich Nhat Hanh’s Buch: „Transformation at the Base“.

Und wenn mal wieder irgendwas schief läuft – zum Beispiel der Dax wegkracht – oder ein Kunde mit Auftrag droht – oder auch ein Freund sich ärgert – dann denk ich daran und versuche einfach zu helfen, etwas zu tun – weil das ist es, was bleibt!

Aus dem Buch: „Transformation at the Base“ von Thich Nhat Hanh, 2001, Parallax Press, Berkeley, USA.

Kapitel Dreissig (S. 174ff der deutschen Übersetzung) enthält die umfangreiche aber kompakte Zusammenstellung der 51 geistigen Gebilde, die im Zusammenhang mit dem Sinnnesbewusstsein auftreten.

Das Buch selbst stellt für mich die beste und vollständigste Übersicht der Grundlagen der buddhistischen Psycholgie dar.

Ich habe die ausführlicheren Kommentare zu den einzelnen Punkten weggelassen, einfach weil diese Zusammenstellung meiner Meinung für sich spricht. Der Beitrag dient mir als Gedankenstütze…

Die fünf universellen geistigen Gebilde sind:

  1. Kontakt
  2. Aufmerksamkeit
  3. Gefühl
  4. Wahrnehmung
  5. Willensregung

Die fünf speziellen geistigen Gebilde sind:

  1. Eifer
  2. Entschlossenheit
  3. Achtsamkeit
  4. Konzentration und Weisheit
  5. Verstehen

Die elf heilsamen geistigen Gebilde sind:

  1. Vertrauen
  2. Energie
  3. Scham oder Bedauern (wenn jemand etwas Gutes tut, zu dem man selbst in der Lage gewesen wäre)
  4. Bescheidenheit
  5. Zufriedenheit und Grosszügigkeit (bzw. die Abwesenheit von Gier)
  6. Güte und Mitgefühl (bzw. die Abwesenheit von Hass und Zorn)
  7. Die Abwesenheit von Unwissenheit, Verblendung und Missverstehen
  8. Gefühle von Leichtigkeit und Frieden
  9. Sorgfalt, Achtsamkeit und Eifer – das Gegenteil von Faulheit
  10. Gewaltlosigkeit
  11. Gleichmut und Nicht-Unterscheiden (im Konflikt nicht Partei ergreifen – frei sein und Mitgefühl empfinden können)

Die sechs grundlegenden unheilsamen geistigen Gebilde sind:

  1. Gier oder Begehren, dauernder Durst nach Konsum, nach Haben und Besitzen
  2. Hass und Zorn
  3. Unwissenheit und Verblendung
  4. Stolz und Arroganz
  5. Zweifelsucht
  6. falsche Sichtweisen

(Die ersten drei sind auch als die „drei Gifte“ bekannt.)

Die zwanzig sekundären unheilsamen geistigen Gebilde:

  1. Irritation, als milde Form von Zorn
  2. Feindseligkeit
  3. Heuchelei
  4. Übelwollen
  5. Selbstsucht
  6. Neid
  7. Unehrlichkeit
  8. Täuschung
  9. der Wille zu verletzen, das Gegenteil von Gewaltlosigkeit
  10. Arroganz oder Unverschämtheit
  11. Unbescheidenheit
  12. Dreistigkeit
  13. Trägheit
  14. Ruhelosigkeit
  15. Mangel an gläubigem Vertrauen
  16. Faulheit oder Untätigkeit
  17. Nachlässigkeit
  18. Achtlosigkeit
  19. Verwirrung oder Ablenkung
  20. falsches Urteil, falsches Verständnis oder falsche Wahrnehmung

Die vier unbestimmten (positiv, negativ oder neutral wirkenden) geistigen Gebilde sind:

  1. Bedauern und Reue
  2. Schläfrigkeit
  3. das erste Einsetzen des Denkens
  4. angewandtes Denken

Ein verantwortungsvoller und einsichtsvoller Umgang mit der jedem gegebenen Macht vereinfacht das Arbeiten und Leben ungemein. Jeder kennt doch die scheinbaren Zwänge und den Druck, dieses oder jenes jetzt tun zu müssen oder es gerade jetzt nicht tun zu können. Wir sind oft achtlos mit den Dingen und Menschen um unser herum. Wir nehmen sie oft nicht einmal wahr, weil wir zu beschäftigt damit sind, wichtige Ziele zu erreichen oder weil wir unser Leid bekämpfen müssen, weil wir wegrennen vor uns selbst.

Ein Kern aller Religionen (ganz gleich ob basierend auf Jesus, Mohammed, Abraham oder Buddha), sind die folgenden fünf Übungen. Niemand kann diese Übungen perfekt ausführen bzw. einhalten. Nicht einmal die vier oben genannten konnten dies, auch wenn uns manch einer dies weismachen will. Sie können nicht mehr als ein Kompass sein, der uns den Weg zeigt, mit uns und unserer Umwelt in Harmonie und Freude zu leben.

Die erste Übung: Achtung vor dem Leben

Ökologie und Nachhaltigkeit sind keine Erfindungen der Neuzeit. Schon lange ist klar, dass nur – wenn wir das Leben insgesamt schützen, wir Wohlstand und Glück erleben können. Soviel Leid entsteht, wenn wir uns nicht daran halten. Auch im täglichen Leben fügen wir zuerst uns selbst Leid zu, wenn wir anderen Menschen oder Tieren Leid zufügen.

Die zweite Übung: Großzügigkeit

Ungleichheit und Ungerechtigkeit verursachen Leid. Wir können uns bemühen, dieses Leid zu lindern. Es wird uns selbst gut tun, wenn wir anderen helfen, die vielleicht nicht solch gute Voraussetzungen im Leben haben, wie wir selbst. Ebenso achten wir fremden Besitz und stehlen nichts, was uns nicht zusteht.

Die dritte Übung: Sexuelle Verantwortung

Ohne Respekt und ohne Achtung miteinander umzugehen, nur auf die schnelle Befriedigung unserer eigenen dringenden Bedürfnisse achtend, fügen wir anderen Menschen Schaden zu. Wir sind aber gleichzeitig respekt- und achtungslos uns selbst gegenüber. In dem wir Sex ohne Liebe – also ohne Achtung und Respekt – haben, erniedrigen wir uns und unser Gegenüber. In dem wir aber respektvoll mit uns selbst und anderen umgehen, schützen wir uns vor Schmerzen.

Die vierte Übung: aufmerksames Zuhören, liebevolles Sprechen

Worte können scharfe Schwerter sein. Sehr schnell verletzen wir einander mit Worten. Es macht für mich keinen Unterschied, ob man körperlich Agressiv ist oder mit Worten. Wie selten ist ein wirklich gutes Gespräch, wir schaffen es oft kaum, über den Austausch von Oberflächlichkeiten hinaus zu kommen. Wie wundervoll aber kann es sein, einfach einmal zu zu hören, ganz aufmerksam und gespannt. Wie entspannt ist es, einfach einmal etwas nettes, liebes zu einem anderen Menschen zu sagen. Das Lächeln, welches man als Dankeschön bekommt, macht wirklich glücklich.

Die fünfte Übung: achtsamer Umgang mit Konsumgütern

Wieviel Gifte schüttet man am Tag in sich hinein, rauchend und Alkohol tinkend, der Kaffee, achtlos zubereitetes Fastfood. Warum tun wir das unserem Körper an? Warum sind wir so achtlos mit unserem einzigen Körper, den wir haben, der uns überall hinbringt, der uns sehen, riechen, schmecken lässt? Warum geben wir ihm nicht, durch aufmerksame Auswahl von Speisen und Getränken, ein wenig zurück von dem, was er die ganze Zeit für uns tut. Brauchen wir wirklich Manolo Blahniks, in denen Frau vor Schwerzen kaum laufen kann? Entschädigen die Blicke der Männer wirklich für das Leid beim Gehen? Wenn wir genau hin schauen, merken wir – dass wir mit sowenig auskommen und glücklich sein können. Materielle Dinge in grosser Zahl und Qualität zu beistzen, hat noch niemanden wirklich über den Moment hinaus glücklich gemacht.

PS: angeregt durch „The Art of Power“ von Thich Nhat Hanh

Quicksilver ist ein Spotlightersatz unter MacOS und seit Jahren schon ein nützlicher Helfer für das einfache, schnelle Starten von Programmen ohne Trackpad oder Maus.

Der About Dialog der Software zeigt ein wunderbares Zitat von Lao-Tze, welches ich dem geneigten Leser nicht vorenthalten möchte: