Über mich

Geboren wurde ich 1971 in der ehemaligen DDR, in Querfurt, Sachsen Anhalt und bin aufgewachsen in einem kleinen Dorf, Landgrafroda, mit gerade mal 250 Einwohnern, und 400 Jungrindern, dazu 200 Schweine. Mein Vater war Landwirt, als Vorsitzender der Tierproduktion der lokalen Produktionsgenossenschaft und meine Mutter war Lehrerin und Berufsberaterin in der nahen Kleinstadt. Wir waren Zugezogene und wohnten in einem grossen Gehöft eines ehemaligen Pferdehändlers mit vielen Scheunen und einem riesigem Garten.

Landgrafroda von Oben, 2016, Foto: Arne Krueger

Landgrafroda von Oben, 2016, Foto: Arne Krueger

Mein Elternhaus war politisch sehr interessiert, wir verfolgten die Nachrichten, lasen Zeitungen und viele Bücher. Wir beteiligten uns an einigen örtlichen Aktivitäten, wie der Freiwilligen Feuerwehr oder Arbeitseinsätzen im Dorf. Mein Vater war querulanter Parteisekretär in seinem Betrieb, der ständig hart arbeitend versuchte, unser Leben und das seiner Kollegen zu verbessern. Meine Mutter war eher vorsichtig, emotional und sehr engagiert, sie wollte uns immer vor allem Unheil beschützen. Wir haben viel gekocht, gebacken und die Früchte aus unserem Garten selbst verarbeitet. Die Schlachtefeste waren ein besonderes Erlebnis. Ich war viel draussen, auf dem Fahrrad und später Moped. Wir hatten einen kleinen Hund, unsere Nachbarin im Hof Hühner und Katzen.

Zur Schule gegangen bin ich im Nachbardorf und ab der 5. Klasse in der nahen Kreisstadt Querfurt. Mein Abitur machte ich im Internat in Halle/Saale, mit einer dualen Ausbildung in einer Berufsbildenden Schule und in einem Kuhstall in einem Gutshof in Seeben, als Facharbeiter für Tierproduktion, Spezialisierungsrichtung Rinderzucht mit Abitur. Ich habe einen Melkanlagenberechtigungsschein, die freiwillige Handmelkprüfung habe ich mit einer 2 bestanden, sowie den Traktor und LKW Führerschein erworben. Die Zeit im Stall war insoweit prägend für mich, dass ich lernte, durch anstrengende Handarbeit selbständig mit einem kleinem Team 120 grosse Tiere zu versorgen.

Die Wende 1989 erlebte ich im Kuhstall arbeitend und im Klassenzimmer diskutierend. Am 11. November konnte ich nicht losfahren, ohne meine Mutschen verhungern zu lassen. Wie es uns damals ging, habe ich hier zum zwanzig-jährigen Jubiläum beschrieben.

1991 legte ich als erste ostdeutsche Generation ein sehr gutes Abitur (1,2) nach westdeutschem Schulsystem ab. Danach stellte sich die Frage nach meiner Berufswahl völlig neu und ich entschied mich, dem Rat meiner Eltern zu folgen und die große gesellschaftliche Veränderung durch eine weitere Ausbildung zum Bankkaufmann in der Sparkasse im ostfriesischen Leer anzunehmen. Ich war jung und wollte Kapitalismus lernen. Wo ging das am Besten? In einer Bank!

Dort bezog ich mit 20 Jahren meine erste WG über 600km weit weg von meiner Heimat und versuchte mich in dieses neue Umfeld zu integrieren. Ich lernte die Bank und den Dialekt kennen und konnte 1994 als Jahrsgangszweitbester (94,02%) in Niedersachsen meinen Abschluss machen. Ich bekam ein Übernahmeangebot, arbeitete während meines Wehrdienstes noch als Aushilfe für die IT Abteilung der Bank und bewarb mich auch erfolgreich in der Sparkasse in Halle/Saale. Ein Zufall, eine gebuchte Schulung für Ami Pro, brachte mir einen Abwerbungsversuch durch eine mittelständische IT-Beratung aus Hannover ein, den ich nach langem Überlegen annahm.

Zwischen Ausbildung und Arbeit leistete ich knapp 12 Monate lang meinen Wehrdienst, mit bereits 23 Jahren als einer der ältesten, in einer Kaserne in Leer, als Sanitäter ab. Dort konnte ich mich zum Rettungssschwimmer (DLRG, Silber) und Busfahrer ausbilden lassen.

Ab Herbst 1995 lernte ich dann als IT-Berater die norddeutschen Sparkassen, Landesbanken und Genossenschaftsbanken kennen und installierte und beriet und trainierte Softwareprodukte als mehr oder weniger selbstständiger Berater. Die Landesbank Berlin wurde schließlich mein Hauptauftraggeber und ich gründete im Frühjahr 1997 mit meinem ehemaligen Chef eine neue Beratungsgesellschaft, die im Bankenumfeld Ende der 90iger innerhalb kürzester Zeit auf über 100 Mitarbeiter anwuchs.

2004 kündigte unser damaliger Hauptkunde, die NORD/LB, unsere grossen Serviceverträge und zwei Jahre später machte ich mich, nun mit meinem besten Mitarbeiter und Freund erneut selbständig. Wir übernahmen die Berliner Niederlassung fast vollständig und starteten mit zwölf Mitarbeitern am 1. April 2006 völlig neu durch. Die damalige Schering AG und die Bundesdruckerei waren unsere ersten Kunden. Wir übernahmen mit DEPAROM einen Geschäftsbereich der Bundesdruckerei und versorgen seit dem über 100 Kunden im deutschsprachigen Raum mit Patent Informationen.

Seit dem sind weitere zehn Jahre vergangen, in denen sich die Firma stark entwickelt und verändert hat. Wir arbeiten heute im Bergmannkiez in zwei grossen Fabriketagen nun mit über neunzig Mitarbeitern im Service, Support und Entwicklung. Wir sind so etwas wie der Werkstuner für Bayer, und versuchen mit unseren Leistungen die Produkte der Bayer Service Tochter zu veredeln und zu verbessern. Als verlässlicher Datenlieferant für Patentinformationen haben wir uns in diesem Markt einen guten Namen gemacht und sind sehr aktiv auf Konferenzen und Tagungen der europäischen Patent Informationen.

2004 lernte ich während des turbulentesten Jahres meiner Karriere, auf einem Ausflug nach Prag, meine heutige Frau kennen, wir verliebten uns auf den ersten Blick, verlobten und heirateten innerhalb eines halben Jahres und bekamen im Januar 2006 unser erstes gemeinsames Kind. Meine Frau ist Istanbuler Türkin, Historikerin und bereichert mein Leben und erweitert meinen Horizont durch ihren gänzlich anderen Hintergrund und kulturelle Prägung ungemein. Heute arbeitet sie in der Berliner Flüchtlingshilfe, auch da sie sehr gut Arabisch sprechen kann. Wir haben fünf Jahre lang in Berlin, dann von 2010 bis 2015 weitere fünf Jahre zusammen in Gayrettepe/Istanbul gelebt.

Seit 20015 sind wir zusammen zurück nach Berlin in den Bergmannkiez gezogen, hier geht unsere Tochter auch zur Schule.

Im Jahr 2009 starb mein Freund Martin an Lungenkrebs und mein Leben veränderte sich dramatisch: seit diesen Tagen vermeide ich jeglichen Alkohol- und Zigarettenkonsum und entdeckte durch und mit meinem heute besten Freund Tony in dieser Zeit Zazen Mediation, zuerst als ein Mittel, um mit Stress besser umzugehen. Heute ist Zazen ein fester Bestandteil meines Lebens, wie Zähneputzen. Ich kann mir nicht mehr vorstellen, ohne diese Übungen meinen Tag zu beginnen.

Als Rotarier versuche ich der Gesellschaft etwas von dem zurück zu geben, das ich durch sie erwerben durfte. Unsere Firma unterstützt die Kere Foundation, die in Burkina Faso Schulen im ärmsten Land von Afrika errichtet und betreibt. Als Vorsitzender von PIZnet.de versuche ich, das Bewusstsein für das Patentsystem in unserer Gesellschaft zu schärfen und die Patentinformationszentren mit ihren Angeboten bekannter zu machen.

Ich fotografiere leidenschaftlich gerne Sonnenaufgänge, Wolken und Städte und türkische Gemüsemärkte. Auf Instagram habe ich mich sehr intensiv mit mobiler Fotografie beschäftigt und die ersten Instagram Ausstellung Deutschlands im Frühjahr 2011 organisiert.

Erst im Herbst 2015 habe ich angefangen, reiten zu lernen. Den Vormittag eines jeden Samstages verbringe ich im Reitstall und finde dort Ausgleich. Tägliche Liegestütze sowie mindesten 10.000 Schritte sind die anderen sportlichen Aktivitäten.

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Da meine Frau, als wir uns kennen lernten, kaum Deutsch sprach, lernte ich durch Sie sehr schnell sehr gut Englisch sprechen. Ich beherrsche ein wenig Tschechisch, habe mein Russisch fast vergessen und kann mich leidlich auf Türkisch verständigen.

Das wars. Das ist ein kurzer Auszug, ein paar Aspekte meines Lebens. 45 Jahre sind schon rum davon, wenn ich Glück habe, kann ich noch etwas hier verweilen und weiter wirken. Ich möchte noch bewusster Leben, jeden Tag neu entdecken, was es bedeutet am Leben zu sein und das beste draus machen. Jeden Moment aufs Neue.

Arne Krüger, Berlin im September 2016

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